Deadpool-2-(c)-2018-Twentieth-Century-Fox(6)

Deadpool 2

7
Actionkomödie

Die gute Nachricht ist: Das Sequel zum Kassenrekorde brechenden Spielfilmdebüt (tun wir einfach so, als wäre X-Men Origins: Wolverine nie passiert) des abgedrehten Anarcho-Mutanten steht dem Vorgänger an Meta-Witzen, Figurendynamik und schmissigen Dialogen in nichts nach. Die schlechte Nachricht ist …

Ach was, trotz Regiesseurwechsel gibt es keine schlechte Nachricht über die Leinwandrückkehr Wade Wilsons (Ryan Reynolds), der die Karat seines unter der unkaputtbaren Hülle versteckten Herzens aus Gold deutlich hochschraubt. Die Action-Comedy ist tatsächlich ein Familienfilm mit besseren Wertkonzepten als die Mehrheit der florierenden Superhelden-Serien.

Letzte infiltrieren die mit düsteren Untertönen gespickte Story um den eigensinnigen Jungmutanten Russell (Julian Dennison), den der durch einen persönlichen Verlust seinerseits tief traumatisierte Titelantiheld von einem mörderischen Rachetrip abbringen muss. War die Abwesenheit der X-Men mit Ausnahme von Negasonic Teenage Warhead (Brianna Hildebrand) und Colossus (Stefan Kapicic) zuvor noch ein Running Gag, fungieren die Auftritte diverser Marvel-Bekannter diesmal als ironisch inszenierte Aufnahmezeremonie von Reynolds genialer Charakterinterpretation ins Franchise. Auch ein F-Wort, genau wie Fox, vor allem aber die beständig evozierte und als solches bezeichnete „Familie“.

Sie ist treibender Antagonismus der Charaktere, die sich alle nach dem von Taxi-Chauffeur Dopinder (Karan Soni) gepriesenen Zugehörigkeitsgefühl sehnen oder unter dessen Verlust leiden. Statt des auf Determinismus und Assimilation beruhenden Konzepts Disneys (die Gags auf ihre Kosten zensierten) setzt der trotz fliegender Körperteile warmherzige Plot auf Individualität, Toleranz und Freundschaft. Die entfaltet sich mit Domino (Volltreffer: Zazie Beetz) und dem widerwilligen Cable (auf dem Terminator-Trip: Josh Brolin) unterhaltsam, mit Russell hingegen fast tragisch. Damit trotzdem keiner weint, gibt es Cameos zum Abzählen, Yentl und Dubstep.

Regie: David Leitch, Drehbuch: Rhett Reese, Paul Wernick, Ryan Reynolds, Darsteller: Ryan Reynolds, Zazie Beetz, Brianna Hildebrand, T.J. Miller, Karan Soni, Stefan Kapicic, Morena Baccarin, Bill Skarsgård, Terry Crews, Eddie Marsan, Filmlänge: 119 Minuten, Kinostart: 17.05.2018