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Doctor Strange

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Comic-Verfilmung

Es wird scheinbar zunehmend schräger, je mehr Filme der Comic- und Filmgigant Marvel in die Produktion schickt. Einen kleinen Vorgeschmack in diese Richtung bietet die Verfilmung von Doctor Strange, in der Benedict Cumberbatch einen mächtigen Magier verkörpert. Der Name ist Programm, in vielerlei Hinsicht: Strange ist nämlich nicht nur der Name des Doktors selbst, sondern auch die passende Beschreibung für dessen im Laufe der Handlung erworbene Fähigkeiten und darüber hinaus auch so manche Sequenz im Film.

Als zweiter Ableger der dritten Phase des Marvel Cinematic Universe – nach Captain America: Civil War – nimmt Doctor Strange nun auch einen vermeintlich gewagteren Stil hinsichtlich der Erzählung ein: Das „Zeitalter der Magie“ beginnt und dürfte somit die nachkommenden Werke in dieser Hinsicht zunehmend fantastischere Ausmaße annehmen lassen.

Überraschend erscheint zunächst die relativ banal konstruierte Rahmenhandlung von Doctor Strange: Besagter Doktor ist zu Filmbeginn ein gleichermaßen talentierter wie auch egozentrischer Charakter, dessen Fähigkeiten als Neurochirurg kaum zu übertreffen sind. Ein Unfall macht ihn schließlich arbeitsunfähig und verzweifelt, der nicht wieder herzustellende Schaden an seinen Händen treibt den Skeptiker sogar in Richtung fernöstlicher Heilkünste. Ein sagenumwobener Mystiker soll im fernen Kathmandu auch die schlimmsten Leiden beseitigen können, weswegen Stephen Strange mit letzten verbleibenden finanziellen Mitteln sogleich in die nepalesische Hauptstadt reist.

Ein Zusammentreffen mit einem rechtschaffenen Jünger (Chiwetel Ejiofor) später trifft Strange schließlich auf die genauso kahlrasierte wie enigmatische Persönlichkeit namens “The Ancient One” (abermals ein Lichtblick: Tilda Swinton), die den Doktor zum Raum-und-Zeit manipulierenden Magier ausbildet. Es gilt nämlich nicht nur das eigene Seelenheil zu finden und persönliche Schwächen auszumerzen, sondern vor allem das noch im Weltraum befindliche, übermächtige Böse, sowie dessen bereits auf der Erde befindlichen Handlanger bzw. abtrünnigen Ex-Schüler Kaecilius (im leicht lächerlichen Waschbär-Look: Mads Mikkelsen) zu bekämpfen.

Soweit, so bekannt: Nach mittlerweile 13 Filmen im Marvel Cinematic Universe kennt man den Werdegang-des-Helden-Handlungsverlauf schon zu genüge und hat ihn zudem schon weitaus interessanter – etwa im ersten Iron Man-Ableger – gesehen. Cumberbatch vermag vielleicht optisch der Comicvorlage ausgezeichnet zu entsprechen, in Sachen Charisma oder Schlagfertigkeit kann er einem Robert Downey Jr. jedoch nicht das Wasser reichen.

Dies ist dem Drehbuch geschuldet, das trotz der Tatsache, dass hier Magierkämpfe in Paralleldimensionen stattfinden, großteils auf bequeme Konvention statt auf unbändig-zügellose Kreativität setzt. Gerade angesichts der potentiell hochkarätigen Besetzung erscheint dies recht schmerzhaft, könnte doch etwa eine schauspielerische Präsenz des Kalibers von Mads Mikkelsen (siehe etwa die hervorragende Serie Hannibal) weitaus mehr Spielraum vertragen als hier zu sehen ist. Immerhin schafft es Swinton wie so oft, mit ihrer Figur einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen. Zudem ist es fast bezeichnend, dass ein Kleidungsstück von Strange der Figur selbst in Sachen Humor und Rätselhaftigkeit den Rang abläuft.

Aber nicht alles ist so banal wie man vermuten könnte: Gerade die Actionsequenzen geben der Comicverfilmung den notwendigen Schwung, um gleichermaßen eindrucksvoll wie denkwürdig zu sein. Wie im wohl als Vorbild herangezogenen Thriller von Christopher Nolan, Inception, wird hier mehrmals eine Stadt in sich gefaltet und zerteilt; mehrere Verschiebungen der Schwerkraft finden mit einer Pirouetten drehenden Kameraführung statt und Portale in seltsame fremde Dimensionen werden durchschritten. Schade dabei ist jedoch die Tatsache, dass dies lediglich Blendwerk rund um die erwähnte 08/15-Handlung ist.

So vermag Doctor Strange vor allem in seinen actionlastigeren Szenen zu überzeugen, die mit wenigen Ausnahmen fast durchgehende Humorlosigkeit dürfte (angesichts der Haus-internen Marvel-Konkurrenz) wohl für mehr Staunen sorgen als die magischen Tricks der titelgebenden Figur.

Regie: Scott Derrickson, Drehbuch: Jon Spaihts, Scott Derrickson, C. Robert Cargill, Darsteller: Benedict Cumberbatch, Rachel McAdams, Tilda Swinton, Mads Mikkelsen, Benedict Wong,  Michael Stuhlbarg, Benjamin Bratt, Scott Adkins, Filmlänge: 115 Minuten, Kinostart: 27.10.2016, marvel.com/doctorstrange