Nomadland (c) 2020 The Walt Disney Company Austria, 20th Century Studios All Rights Reserved(7)

Nomadland

6
Drama

Nomadland mit der großartigen Frances McDormand erzählt von einer alternativen Lebensweise, die nicht unbedingt freiwillig gewählt wird.

Fern (Frances McDormand) verliert so gut wie alles, ihren Job, ihr Geld, die Wirtschaftskrise hat sie hart erwischt. Wie viele andere am unteren Ende des gesellschaftlichen Spektrums steht sie kurz vor der Obdachlosigkeit. Mit ihrem Van hat sie jedoch ein mobiles Zuhause und begibt sich auf eine Odyssee durch Amerika. Sie lernt Freunde und Gefährten kennen, Menschen, denen es genauso geht, wie ihr. Sie lernt einen neuen Lebensstil kennen und findet immer mehr gefallen daran. Die freie Ungebundenheit eines Lebens als moderne Nomadin schlägt sie in ihren Bann. Sie kann sich bald kein anderes Dasein mehr vorstellen.

 

Nomadland ist fast eine Mischung aus Dokumentation und fiktivem Drama. Man merkt, dass viele der Darsteller eigentlich keine Schauspieler sind, aber Frances McDormand lebt sich dermaßen in ihre Figur ein, dass es nicht weiter stört. Dazu kommt, dass alle Darsteller gut inszeniert wurden und im Grunde sich selbst spielen. Das verleiht dem Film zusätzliche Authentizität und lässt ihn vor allem als “fiktive Dokumentation” gut wirken. Als Drama jedoch hat Nomadland so seine Schwächen. Er erzählt nur sehr wenig und es gibt eigentlich kaum Handlung, geschweige denn große, nennenswerte Konflikte. Zumindest abseits der grundlegenden Ausgangssituation des Films.

Eine große Stärke sind wiederum die fantastischen Bilder. Die Aufnahmen schildern nicht immer schöne Landschaft, sondern auch die Randbereiche großer Städte, aber eine gewisse visuelle Poetik liegt ihnen allen zugrunde. Abseits davon ist es vor allem Frances McDormand, die den Film trägt, die inhaltlichen Leerstellen kann aber auch sie nicht verbergen. Chloé Zhaos Regie schweift immer wieder mal ab und trägt zusätzlich zu langatmigen Momenten bei, aber das Einfangen von Bildern und der Atmosphäre gelingt ihr mit Nomadland ohne Zweifel. Dramaturgisch hätte sie das Drehbuch vielleicht etwas straffen und weiter ausarbeiten müssen. Es wirkt manchmal unfokussiert und unschlüssig, was es denn nun sein will.

Vielleicht wäre Nomadland stärker gewesen, hätte einen stärkeren Eindruck hinterlassen, wenn es tatsächlich eine reine Dokumentation gewesen wäre. Gerade der fiktive Aspekt der Geschichte will einfach nie so recht zünden, kommt nie wirklich in die Gänge. Das zieht Nomadland unnötig in die Länge und die Geschichte wirkt nur wenig nach, Großteils gerät er schnell wieder in Vergessenheit. Trotzdem ist Nomadland ein solider, durchaus unterhaltsamer und spannender Film. Kein Meisterwerk, aber gut.

Regie und Drehbuch: Chloé Zhao, basierend auf dem Roman von Jessica Bruder, Darsteller: Frances McDormand, David Strathairn, Linda May, Gay DeForest, Patricia Grier, Filmlänge: 107 Minuten, Kinostart: k.A.

Nomadland