Pacific-Rim-©-2013-Warner-Bros.

Pacific Rim

8
Sci-Fi

Teurer, Lauter, Blöder: Jahr für Jahr versuchen allerhand Regisseure, sich selbst und die Konkurrenz mit ihren Sommer-Blockbustern zu übertrumpfen. Das sich Guillermo del Toro mit Pacific Rim nun die Ehre gibt, hätten wohl die wenigsten vermutet.

Der mexikanische Filmemacher ist zwar für seine in Vision und Umsetzung überaus aufwändigen und spektakulären Fantasie-Spektakel bekannt, ein Werk in der Größenordnung des kommenden Monster-gegen-Kampfroboter-Actionspektakels, welches mit einem Budget von mutmaßlichen 190 Millionen US-Dollar alle seine bisherigen Produktionen in den Schatten stellt, war bisher jedoch noch nicht zu finden.

Mit großartigen Filmen wie Cronos, The Devil’s Backbone, Hellboy und natürlich dem (zu recht) viel beachteten Pan’s Labyrinth hat sich Del Toro schon recht früh einen Namen als Regisseur mit Gespür sowohl für Charaktere, Design als auch Effekte gemacht. Lange musste man auf ein neues Projekt seinerseits warten, zuletzt hielt er sich als Produzent (etwa bei Mama sowie Splice) und Drehbuchautor (Don’t Be Afraid Of The Dark, The Hobbit) doch eher im Hintergrund.

Pacific Rim stellt für Guillermo del Toro nun nicht nur die Rückkehr in den Regiestuhl nach einer fünfjährigen Pause dahingehend dar, sondern auch ein Leidenschaftsprojekt, dass zugleich auch Rückgriff – oder vielmehr seine Art einer Verbeugung – auf die japanischen Monsterfilme der Marke Godzilla und Konsorten ist.


Jetzt gilt es also, die Apokalypse zu “canceln” – und dies soll mit gigantischen, von Menschenhand erschaffenen und gesteuerten Kampfmaschinen namens “Jaeger” geschehen. Aufs Wesentlichste reduziert und recht unvermittelt wird der Zuseher in eine nahe Zukunft versetzt, in der mit zunehmender Häufigkeit riesige, echsenhafte Ungetüme, genannt “Kaiju” (japanisch für “Seltsame Bestie”), aus einer unterirdischen, interdimensionen Spalte entsteigen und umliegende Küstenstädte in Schutt und Asche legen. Schnell wird der Menschheit klar, das konventionelle Waffen aufgrund der wiederkehrenden Bedrohung an ihre Grenzen stoßen, weswegen das Jaeger-Programm in einem seltenen Akt der Völkersolidarität ins Leben gerufen wird.

Zwei Personen – eine für jede Hemisphäre des Kampfkoloss – steuern die mechanischen Ungetüme; mittels “neuralem Handshake”, welcher Einsatzfähigkeit herstellt, verbinden beide (kompatiblen) Piloten auch ihre Erinnerungen miteinander. Ein trügerisches Patt zwischen Menschen und Monstern entsteht dadurch über die Jahre hinweg – soweit, das das Kampfmaschinen-Projekt zugunsten einer anderen, vermeintlich besseren Lösung aufgegeben. Doch der ehemalige Befehlshaber der Jaeger-Einheiten, Stacker Pentecost (großartig: Idris Elba), trommelt angesichts auslaufender finanzieller Unterstützung seitens der Staatengemeinschaft die letzten verbleibenden Piloten zusammen, um der Kaiju-Bedrohung mit einem finalen Schlag ein Ende zu setzen.

Was sich vermutlich auch beim erneuten Lesen sehr nach einem etwas aufgehübschten Plot eines Michael Bay Blockbusters klingt, erweist sich auf der Leinwand dann doch etwas raffinierter: Während in Bays zweifelhaften Action-Orgien neben lieblosem CGI-Bombast sich vor allem Product Placement, eine US-Streitkräfte-Leistungsschau und haarsträubende Beziehungsgeflechte (mit einer kräftigen Portion Machismo) abwechseln, überwiegt bei Del Toro doch die Suche nach Stringenz inmitten berstender Wolkenkratzer.

Natürlich – wer könnte angesichts dieser Rahmenhandlung etwas anderes erwarten – geht auch der mexikanische Filmemacher den Weg des sensorischen Overkills, viel zu oft droht die Effekt-Orgie auch an ihrem eigenen Konzept zu missraten. Das der Film jedoch nicht an seinem eigenen Anspruch vollends scheitert, verdankt er dem geradezu spürbaren Enthusiasmus, der den Werken Del Toros innewohnt. In Pacific Rim werden keine bedeutungsschwangeren Botschaften transportiert oder Beziehungen zwischen den einzelnen Figuren allzu sehr vertieft: Hier sieht man großspuriges Actionkino der Sommer-Blockbuster-Art.

Unter dieser Prämisse verzeiht man auch einen Großteil der aufkommenden Klischees im Drehbuch von Del Toro und Travis Beacham (Clash of the Titans): Ein gefallener Draufgänger (Charlie Hunnam aus Sons of Anarchy), der durch seine einzigartigen Fähigkeiten eine zweite Chance bekommt? Check. Ein Rivale im eigenen Team, dem der Protagonist zuerst seine Zuverlässigkeit beweisen muss? Check. Ein emotional unterkühlter Befehlshaber, der bei jeder Gelegenheit motivierende Ansprachen hält? Sowieso. Wissenschaftler (Burn Gorman und Charlie Day, letzterer als überaus humorvoller Comic-Relief), die solange fachlich-wirres Zeug reden, bis man nach einer Aufforderung um vereinfachten Klartext diesen auch erhält? Natürlich. Auch beim Klang von Figurennamen wie etwa “Hercules Hansen” oder “Hannibal Chao” (in einer tollen Nebenrolle: Ron Perlman) dürfte bald klar sein, das der Regisseur den Schauwert über jeden anderen Aspekt legt.

Das jedoch gerade ein Filmemacher wie Guillermo del Toro, der mit dem (unterschätzen) Blade II und beiden Hellboy-Teilen bewiesen hat, tolles Produktionsdesign, kreative mythologische Welten und interessante Dramaturgie geschickt und vor allem inszenatorisch effektiv miteinander zu verbinden, an der Sinnbereicherung handelnder Figuren zugunsten von CGI-Bildern kaum Interesse zeigt, schmerzt doch etwas.

So entpuppt sich Pacific Rim als visuell zwar recht beeindruckend in Szene gesetzte Actionkost, die jedoch vorwiegend für ein Publikum gedacht ist, das sich dem Spektakel eher hingeben als aktiv daran teilhaben will – und auch dabei fast angesichts seiner brutalen Reduktion zu scheitern droht. Wer also etwas mehr als das absolut Notwendigste über die Piloten einer Wolkenkratzer-großen Kampfmaschine mit Raketenellenbogen erfahren und nicht nur die Ungetüme mehr als zwei Stunden in halsbrecherischen Aktionen erleben will, sollte vielleicht doch zu einem früheren Film Del Toros greifen.

Regie: Guillermo del Toro, Drehbuch: Travis Beacham, Guillermo del Toro, Darsteller: Charlie Hunnam, Idris Elba, Ron Perlman, Diego Klattenhoff, Rinko Kikuchi, Laufzeit: 132 Minuten, Kinostart: 18.07.2013, wwws.warnerbros.de/pacificrim




  • Martina Z

    da sind wir ausnahmsweise mal einer meinung ;-). ich finde, dass der film handlung und figuren absichtlich banal und nebensächlich behandelt und es ist erstaunlich, dass es nicht gänzlich daneben gegangen ist. nichtsdetotrotz war ich mit der qualität der kampfszenen nicht ganz so zufrieden. manche szenen hätte man mehr auskosten können. ein bisschen mehr sorgfältigkeit in der konzeptionellen ausarbeitung der technik und des plots und es wäre ein richtig guter film geworden.

  • Marco

    Hm, irgendwie skeptisch, ob ich ihn mir wirklich im Kino anschauen soll. Einerseits sicher besser auf ner großen Leinwand, andererseits dafür ein Kinoticket zahlen? Wobei er mich nach wie vor interessieren würde: Mechs vs. Monster … das kann schon was :)

    • Chris

      Naja, genau das ist auch die Prämisse von Pacific Rim: „Schau dir die riesigen Mechs an, wie sie auf Monster einschlagen“. Auf der großen Leinwand (gesehen im Apollo, IMAX) ist das ganze optisch schon eindrucksvoll – der 3D-Aufschlag sollte übrigens im Zweifelsfall nicht in Anspruch genommen werden. Pacific Rim ist wohl auch eine seltsame Bestie, nur halt als Filmproduktion.

    • Marco

      das klingt schon verlockend, mal so eine riesige Materialschlacht zu sehen, die aber gleichzeitig nicht so typisch Emmerich/Bay ist.