Der-große-Gatsby-©-2013-Warner-Bros.

Der große Gatsby

6
Drama

Eine schillernde Glamour-Welt in Zeiten des Jazz der 1920er Jahre offeriert Regisseur Baz Luhrmann in der neuen Kinofassung des von F. Scott Fitzgerald stammenden gleichnamigen Romans Der große Gatsby. 1925 wurde die literarische Version von The Great Gatsby vermarktet, bereits ein Jahr später wagte sich Herbert Brenon an eine Stummfilmversion und 1974 kam eine von den Kritikern nicht unbedingt hoch gelobte Leinwandproduktion mit Robert Redford in die Kinos.

Der Nachwuchsautor Nick Carraway (Tobey Maguire) kommt im Frühjahr 1922 nach New York City, wo er ein Häuschen am Rande einer Bucht bezieht. Das damalige New York war geprägt von Jazz, Alkoholschmugglern und florierendem Aktienhandel, den Nick als Einnahmequelle für sich selbst ausnutzt. Gegenüber der Bucht steht das Anwesen der Buchanans und Nick ist mit der Hausherrin Daisy (Carey Mulligan) verwandt. Diese wiederum heiratete den Frauenheld Tom (Joel Edgerton), mit dem sie nicht wirklich glücklich scheint. Nach anfänglichem Herumziehen mit den Buchanans lernt der Erzähler der Geschichte, Nick, seinen Nachbarn Jay Gatsby (Leonardo DiCaprio) kennen, der jedes Wochenende haarsträubende und überdimensional teure Feste mit inkludiertem Feuerwerk feiert, doch selbst unsicher und fast kindlich wirkt, geht es um die Liebe oder um Freundschaft. In Nick findet Jay seinen einzig wahren Freund und dieser wiederum lernt eine glamourhafte Welt voller Intrigen, Romanzen und Illusionen kennen.


Die ersten Szenen wirken toll, alles ist stimmig. Die Musik, die Bildbearbeitung, der Schnitt. Ab dem Zeitpunkt, als ein grober Überblick über New York City als schnelllebige Stadt gegeben wird, kippt jener perfekte Moment schlagartig um. Moderne Rap-Musik wird eingespielt und vom jazzig angehauchten bleibt Lifestyle keine Spur mehr. Wie ein roter Faden ziehen sich diese, absolut nicht zum Rest passenden Musikeinlagen, durch den Film.

Dies führt dazu, dass der Zuschauer aus dem vom Bild etablierten Ambiente gerissen wird. Was als Kontrast zum visuellen gedacht war, wirkt sich jedoch negativ auf den Eindruck von Der große Gatsby aus. Bei Luhrmann’s Romeo & Julia hat dieser Ansatz zwar funktioniert, aber vorwiegend auch deshalb, weil er die Handlung in die Gegenwart transportiert hat. Hätte er die Geschichte von Der große Gatsby in die heutige Zeit versetzt, dann würde auch die Musik wesentlich besser dazu passen, so jedoch entsteht eine Kluft, die der Film nicht zu schließen vermag.

Einmal mehr setzt sich jedoch Leonardo DiCaprio als durchaus ansehnlicher und bemerkenswerter Schauspieler in Szene und das braucht der Streifen auch. Das Buch galt (oder gilt noch immer) als unverfilmbar und die Handlung ist demnach eher unspektakulär. Wären die verstörenden Musikeinsätze und Autorennen in gelben Oldtimern, die damals noch die Porsches von heute waren, nicht und würde Nick Carraways Darsteller fehlbesetzt sein, hielte man es kaum eine Stunde im Kino aus. Doch zum Glück gibt es pompöse Bilder, krachende Momente und kindlich-romantische bis erwachsen-erotische Phasen im Leben der Figur, um die sich letztendlich alles dreht: Gatsby.

Es sind demnach vor allem die Schauspieler, die den Film zumindest ein Maß an Unterhaltung abringen und ihn ansehnlich machen. Luhrmanns Regie ist enttäuschend und überraschend einfallslos und es ist deutlich spürbar, dass er sich an der Vorlage übernommen hat. Nicht umsonst gilt Fitzgerals Buch als einer der großen amerikanischen Romane. Einmal mehr zeigt sich, dass die Wirkung eines Buches nicht so leicht auf die Leinwand zu übertragen ist, schon gar nicht mit einem derart gedankenlosen Einsatz von Musik, die in der Geschichte von F. Scott Fitzgerals Der große Gatsby nun mal eine immens wichtige Rolle einnimmt. Die Bemühungen der Schauspieler sind somit leider vergebens und Der große Gatsby ist nichts weiter als schöner Schein.

Regie: Baz Luhrmann, Drehbuch: Baz Luhrmann und Craig Pearce, Darsteller: Leonardo DiCaprio, Tobey Maguire, Carey Mulligan, Joel Edgerton, Isla Fisher, Laufzeit: 142 Minuten, Kinostart: 17.05.2013, wwws.warnerbros.de/thegreatgatsby/




  • Seb

    Es gibt keinen einfacheren Weg den eigenen intellektuellen
    Anspruch heraus zu stellen, also den Versuch einer Literaturverfilmung zum Scheitern
    zu verurteilen. Distanzieren wir uns doch einmal von plumper Eitelkeit und
    geben Luhrmanns Interpretation eine Chance:

    Anders als Fritzgeralds Erzähler Nick Carraway, berichtet
    sich Luhrmanns Protagonist (gespielt durch Tobey
    Maguire) depressionsgeplagt in Schriftform aus einem Sanatorium. Auf
    diese Weise integriert Luhrmann den Schriftsteller Fritzgerald in sein eigenes Werk,
    indem er ihn mit Carraway vereinigt. So war auch Fritzgeralds verfrühtes
    Lebensende durch Alkoholismus und Klinikaufenthalte geprägt.

    Das erste Drittel der
    literarischen Fassung leidet unter der distanzierten Erzählperspektive durch
    den beobachtenden Protagonisten Nick Carraway. Diese emotionale Lehre wird durch
    Luhrmanns Effektspektakel gefüllt. Die schenkende Kamera und 3-D-Effekte versetzen
    den Zuschauer in die Rolle des trunkenen Gastes auf Gatsbys rauschender Party.

    Die literarische Vorlage,
    deren Textpassagen größtenteils wörtlich übernommen wurden, ermöglicht kluge Konversationen
    und gesellschaftskritische Einblicke in die USA der Zwanziger Jahre.

    Fritzgeralds Roman war zu
    seinen Lebzeiten jedoch kein Erfolg. Als großes Kritikpunkt bleibt das
    Unverständnis gegenüber der Frage: „Warum vergöttert Gatsby seine Geliebte
    Daisy – nach kurzer Romanze – über Jahre?“. Während im Buch dieser
    Liebesverfall unglaubwürdig erscheint, wird im Film ein zweites Motiv Gatsbys
    deutlicher: Der zwanghafte Drang nach Anerkennung, der bereits vor seiner
    ersten Begegnung mit Daisy Gatsbys außergewöhnliches Leben prägte.

    Die verschiedenen Facetten
    Gatsbys werden durch Leonardo DiCaprio oscarreif gespielt. Wie kein zweiter
    beherrscht dieser das Wechselspiel zwischen weltmännischem Lächeln, Verunsicherung
    und Leidenschaft.

    Dank Fritzgeralds Vorlage, Luhrmanns
    Mut zur Emotion und DiCaprios schauspielerischem Talent entsteht eine
    turbulente Verfilmung, die am Ende nachdenklich stimmt.

    Gelungen!

  • Hanna Stein

    Och schade…auf den hatte ich mich gefreut. Na dann eben nur auf dvd…