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Contagion

Unter den gängigen Theorien, welche Katastrophe der Menschheit noch gewaltig zum Verhängnis werden könnte, thront er auf den ersten Rängen: Der Ausbruch einer Pandemie, ausgelöst durch ein aggressives und unbekanntes Virus, das sich über die Luft verbreitet und den weltweiten Menschenbestand in erschreckender Höchstgeschwindigkeit auf einen Bruchteil zu dezimieren vermag…

Und da dieses haarsträubend realistische Schreckgespenst unseres Zeitalters auf den großen Kinoleinwänden nun schon seit Jahrzehnten immer noch – oder heute vielleicht stärker denn je – eine Gänsehaut versprechende Faszination auszustrahlen scheint, hat sich nach zahlreichen anderen Regisseuren jetzt auch Steven Soderbergh (Traffic, Oceans-Trilogie…) sehr ausführlich der reizvollen „Was wäre wenn…?“ – Frage gewidmet.

Dabei ist Soderberghs filmische Mission schnell zu erkennen: Überdurchschnittlich authentisch sollte sein Seuchenthriller Contagion werden und dabei mit soziologischem Interesse und informativer Ungerührtheit erzählen, wie sich der Ernstfall tatsächlich abspielen könnte. Ähnlich seinem Oscar-prämierten Film Traffic – Die Macht des Kartells breitet Soderbergh das Geschehen auch hier auf mehreren parallel laufenden Erzählebenen aus und verfolgt anhand der Schicksale einer ganzen Hand voll unabhängig voneinander agierender Protagonisten den Verlauf einer gravierenden Viruspandemie.


 

Während Seuchen-Experten, Wissenschaftler und Zuständige der amerikanischen CDC (Centers for Disease Control and Prevention) an unterschiedlichsten Schauplätzen der Welt fieberhaft daran arbeiten, das Virus an seinen Ursprung zurückzuverfolgen, die umsichgreifende Massenpanik in Schacht zu halten sowie einen effektiven Impfstoff zu entwickeln, verbreitet ein freiberuflicher Journalist verheerend falsche Informationen über seinen Internet-Blog und ein Familienvater kämpft in der rapide zusammenbrechenden sozialen Ordnung um das Überleben seiner Tochter.

Der Inhalt von Contagion verrät jedoch bereits – eine großartige Erneuerung des altbekannten Blockbuster – Virusfilms darf man sich hier nicht erwarten. Soderberghs Thriller simuliert zwar in visuell sowie akustisch einwandfreiem Stil ein realistisches Katastrophenszenario, informiert über epidemiologische Verfahrensweisen, thematisiert die Ursachen für Massenpanik, lässt persönliche Interessen mit professionellen Verantwortungen kollidieren und beleuchtet die entscheidende Rolle, die soziale Netzwerke in derartigen Szenarien zukünftig einnehmen könnten.

Doch punktet Contagion viel mehr mit seiner beängstigenden Thematik als mit origineller, eindringlicher Story. Soderbergh bemüht sich darum, ein global übergreifendes Katastrophenbild zu inszenieren, das dabei leider relativ schnell zur oberflächlichen Zeitraffer-Erzählung mutiert, in der die einzelnen, viel zu mageren Erzählstränge und hauchdünnen Charakterzeichnungen das Gewicht des Ganzen nicht tragen können. Da wirkt auch selbst der üppige Staraufmarsch samt Matt Damon, Marion Cotillard, Laurence Fishburne, Jude Law, Gwyneth Paltrow und Kate Winslet eher ermüdend. Alles in allem bietet Contagion solide, dynamisch erzählte Seuchenthriller – Kinounterhaltung, nicht weniger – aber auch nicht mehr.

Regie: Steven Soderbergh, Drehbuch: Scott Z. Burns, Darsteller: Matt Damon, Marion Cotillard, Laurence Fishburne, Jude Law, Gwyneth Paltrow, Laufzeit: 106 Minuten, Filmstart: 21. 10. 2011 




  • Hezinmougi

    Ja, seh ich genauso

  • Ja, schon alleine die Besetzung ist recht interessant…werd ihn auch noch sichten

  • Johndohe

    Sehr gute Kritik, werd mir den Film aber dennoch ansehen, auch wenn er nichts besonderes ist..