Cheap-Thrills-©-2013,-Drafthouse-Films,-slash-Filmfestival

Cheap Thrills

Hier werden keine Gefangenen gemacht! Das /slash zeigt am dritten Festivaltag mit Cheap Thrills ein Panoptikum urbaner Dschungelprüfungs-Mutproben, von dem zartbesaiteten Gemütern eher abzuraten ist.

Das ist eindeutig nicht der Tag des erfolglosen Autors und Familienvaters Craig (Pat Healy) – zuerst findet er eine Mitteilung zur baldigen Zwangsräumung an seiner Wohnungstür, dann wird er noch in der Autowerkstatt, in der er seine Brötchen verdient, eingespart. Als Craig seinen Kummer in der nächstbesten Bar ertränken will, trifft er auf seinen Highschool-Kumpel Vince (Ethan Embry). Die beiden Loser haben nicht nur eine bewegte Jugend gemein, sondern vor allem eines: Geldprobleme. Unverhofft scheint sich allerdings eine Lösung dieser aufzutun, in Gestalt des Pärchens Colin (David Koechner) und Violet (Sara Paxton). Für die beiden gelangweilten Yuppies spielt Geld offenbar keine Rolle und sie vertreiben sich ihre Zeit am liebsten mit Wetten. Das zwielichtige Ehepaar stiftet Craig und Vince in weiterer Folge zu allerlei Mutproben an und um schnell und einfach an viel Geld zu gelangen, lassen sich die beiden auf immer waghalsigere Aktionen ein. Es stellt sich bald die Frage, wie weit sie für Geld zu gehen bereit sind und was sie das am Ende der Nacht kosten wird.

Das Konzept von Cheap Thrills ist recht einfach und auch schnell durchschaut. Die Spirale der Gewalt zwirbelt sich langsam aber beständig nach oben, angefangen bei einem mulmigen Gefühl, einem Zögern und Misstrauen gegenüber den Absichten der fremden Gönner, über ein paar noch als realtiv harmlos zu wertende Dummejungenstreiche aus dem Jackass-Universum und einige Ekeleinlagen à la Dschungelcamp, bis hin zum handfesten (und fingerlosen) Splatter. Dazwischen stehen Alkohol, Drogen und großes Gaudium, ein wenig Sex und vieles, das zumindest in der moralischen und rechtlichen Grauzone anzusiedeln ist.

Das ist zunächst ganz lustig anzuschauen, gleichzeitig aber ziemlich ekelerregend und zunehmend verstörend. Wie das Ganze ausgehen wird und muss, ist von Anfang an klar. Das Finale ist so konsequent wie vorhersehbar, denn dass der „billige Nervenkitzel“ vor allem den beiden verzweifelten Freunden teuer zu stehen kommen wird, steht schon von Beginn an fest. Schließlich ist unmoralisches Verhalten jenen vorbehalten, die es sich auch wirklich leisten können – den skrupellosen Reichen. Und wer nichts hat, außer der eigenen Würde und Menschlichkeit, wird diese immer unter Wert verkaufen.

Die Charaktere sind mit wenig Tiefenwirkung angelegt und werden eher oberflächlich beleuchtet. Colin und Violet spielen nicht nur Gott, sie sind es auch. Gelangweilte, indifferente Puppenspieler, die mit ihren Schöpfungen nach Belieben verfahren und an deren Fäden sie zu ihrer Belustigung ziehen. Dass Craig und Vince jederzeit aus dem Spiel aussteigen könnten, sich aber im Endeffekt immer für die Chance auf das große Geld entscheiden, ist als ebenso zynisch zu beschreiben wie die Leichtigkeit, mit der sich die beiden manipulieren und gegeneinander ausspielen lassen, ohne je den Standpunkt und die Motive ihrer Auftraggeber infrage zu stellen.

Bei allem Pessimismus der menschlichen Art gegenüber, und bei aller Verzweiflung und scheinbaren Ausweglosigkeit, fällt es doch nicht so ganz leicht sich vorzustellen, dass Menschen sich dermaßen leicht und problemlos zu derartigen Grenzüberschreitungen bewegen lassen. Einige Entscheidungen der Protagonisten in Cheap Thrills sind dann doch eher dem Effekt geschuldet und eher schwer nachzuvollziehen. Aber der Aussage des Films entsprechend, dass die Verzweiflung selbst die anständigsten Menschen in Monster verwandeln kann, sind auch diese vermeintlichen Wahlmöglichkeiten anzuerkennen.

Denn, und in dieser Hinsicht erfährt das moderne Horrorkino ja genügend Bestätigung aus dem realen Leben, die wirklichen Abgründe lauern ja stets hinter der Fassade des bürgerlich-Normalen. Das ist natürlich sehr vereinfachend und stellt die menschliche Handlungsfreiheit zudem auf bedenkliche Art und Weise in Zweifel. Darüber hinaus wird einem die moralische Botschaft bei Cheap Thrills zeitweise allzu offensichtlich aufs Auge gedrückt, was nicht nur den Spaß am Film etwas mindert, sondern auch den schlussendlichen Überraschungseffekt dämpft. Trotzdem ist der Streifen spannend anzuschauen, nicht nur, weil man mit den Protagonisten mitfiebert und -leidet, sondern vor allem, weil man gezwungen ist, sich zu fragen, wie weit man selbst für Geld gehen würde und wie hoch der Preis für Würde und Menschlichkeit anzusetzen ist.

Regie: E.L. Katz, Drehbuch: David Chirchirillo, Trent Haaga
Darsteller: Pat H
ealy, Ethan Embry, David Koechner, Sara Paxton, Amanda Fuller
Laufzeit: 85 Minuten, gezeigt beim /slash Filmfestivaldrafthousefilms.com/film/cheap-thrills