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Das Bourne Vermächtnis

4
Action-Thriller

Wenn dir die Zeit davon läuft, dann musst du eben schneller rennen, scheint die Devise des neuen Teil der Jason Bourne-Reihe zu sein…

Kurz nachdem Jason Bourne die Operationen „Outcome“, „Blackbriar“ und „Treadstone“ entlarvt hat, kämpft sich Aaron Cross (Jeremy Renner) als Übungsauftrag durch die Kälte in Alaska. Aufrecht erhalten wird er dabei von Leistungsverstärkenden Pillen. Die CIA und Colonel Byer (Edward Norton) wollen die Sache und damit die Beweise aus der Welt schaffen und beschließen alle aktiven Agenten durch ihre Pillen abzuschalten. Nur bei Cross gelingt das nicht.

Auch das wissenschaftliche Team, das die Pillen herstellt, soll beseitigt werden und so wird ein Schläfer aktiviert, der alle in einem scheinbaren Selbstmord-Amoklauf umlegt – außer die Virologin Dr. Marta Shearing (Rachel Weisz), die sich rechtzeitig verstecken konnte. Während sie kurz darauf nochmals attackiert wird, kommt Cross ihr zu Hilfe und verlangt nach neuen Pillen. Sie begeben sich gemeinsam auf die Reise, um den Verfolgern zu entkommen und Aaron von seiner Abhängigkeit zu befreien. 

Als Tatsache gleich vorweg: Das ist kein Jason Bourne Film. Weder kommt er vor, noch können der Plot und die Actionszenen mit denen der vorhergehenden Teile verglichen werden. „Das Bourne Vermächtnis“ startet während der letzten Minuten des dritten Teils und verwebt sich so damit – ohne aber einen konkreten Zusammenhang zu bilden. Tony Gilroy hat sich viele Handlungsfäden vorgenommen, nimmt aber nur wenige davon auf oder entwickelt sie. Zumindest hat er sich bei den Schauspielern ein gutes Ensemble geholt: Jeremy Renner spielt seinen Aaron Cross sehr viel lockerer, aber auch viel skrupelloser als Matt Damon Jason Bourne gespielt hat.


Von einem „Vermächtnis“ ist leider nicht viel zu merken. Die Akteure haben kein richtiges Ziel, das über die Beschaffung der Pillen hinausginge. Zeitweise ist das einzig spannende an dem Film, die CIA und Norton dabei zu beobachten wie sie Cross verfolgen – und man sogar zu ihnen hält statt zu Aaron Cross. Die eigentliche Handlung beginnt kurz vor Ende des doch recht langen Streifens. Der Hauptgegner tritt ebenfalls sehr spät auf den Plan und lässt sich erstaunlich leicht von der Platte putzen.

Wo man auf legendäre Parkour-Szenen und atemberaubende Hand-to-Hand-Combat Szenen wartet, wird einem nur eine klassische Verfolgungsjagd gezeigt. Der ganze Film operiert ohne sein Genre zu bedienen. Die Figur Aaron Cross wird dagegen sehr brutal gezeichnet: die Beziehung zu Marta kommt nur aus Zwang zustande, harmlose Security Guards werden getötet statt nur betäubt. Das wirft Fragen zu den Hintergründen der Figur auf, die nur in wenigen Flashbacks beleuchtet werden.

Das einzig Schöne in diesem Wust aus Verwirrung ist die sich entwickelnde Beziehungsdynamik zwischen Renner und Weisz: Zu Beginn spielt er den starken Retter und sie die schwache Wissenschaftlerin. Doch die Waagschale und damit die Kräfteverteilung kippt ins Gegenteil um und bietet beiden die Möglichkeit zumindest diesen Teil der Handlung auszuspielen. Das abrupte Ende ohne befriedigende Cliffhanger-Eigenschaft stellt ein weiteres Manko auf der langen Liste dar. „Das Bourne Ultimatum“ noch einmal zu schauen ist vielleicht der bessere Tipp. Ansonsten nur für Fans von langwierigen Fortsetzungen. 

Regie: Tony Gilroy, Drehbuch: Tony Gilroy, Dan Gilroy, Darsteller: Jeremy Renner, Rachel Weisz, Edward Norton, Stacy Keach, Filmlänge: 135 Minuten, Filmstart: 13.09.2012