The-Cabin-in-the-Woods-©-2012-Constantin,-Universum

The Cabin in the Woods

„The Cabin in the Woods“ beginnt – wie auch die erdrückende Überzahl zeitgenössischer Horrorfilme – mit einem schlechten Déjà-vu. Was haben eine laszive Blondine, ein 08/15 Athletenschönling, ein artiger Student, eine „beinahe noch“ Jungfrau und ein zugedröhnter Kiffer in einer abgeschiedenen Waldhütte verloren?

Die blut- und gedärmlastige Pointe dieses Witzes rezitieren Anhänger des Horror-Slasher-Genres bereits gequält im Schlaf, denn jeder weiß – und keiner will es mehr sehen: Die vor sexueller Spannung nur so überschäumende Atmosphäre bildet hier lediglich den Auftakt zu einem bitterbösen Spiel, in dem schon bald die schönen Köpfe rollen und eine Penetration bestenfalls mit Äxten, Harken und anderen garstig-fatalen Gegenständen vollzogen wird. 

Doch „The Cabin in the Woods“ will anders – will das schwarze, tollwütige und monströs selbstironische Schaf unter all seinen monotonen Genre-Artgenossen sein. Dies verraten nicht nur der „Funny Games“-artige Titelschocker, sondern auch die in den Holzwänden versteckten Wanzen und Kameras, der aus dem Waldboden aufsteigende Pheromon-Nebel sowie die rätselhaften Zwischensequenzen, die uns am emsigen Treiben in einem dubiosen US-Geheimlabor teilhaben lassen.


 

Schnell wird klar: Die fünf beinahe bemitleidenswert ahnungslosen College-Studenten erfüllen hier noch eine weitaus gewichtigere Funktion als nur die der Genre-Stereotypen. Schon bald wütet ein Kampf um nichts geringeres als das Schicksal der Menschheit. Und ein blutrünstiges Einhorn, ein wirklich übel gelaunter Wassermann sowie eine gefräßige Ballerina verkörpern nur die kleinsten Zahnräder einer wahnwitzigen Monster-Maschinerie, die in den Untiefen dieses Slasher-Spektakels außer Kontrolle gerät.

Dass sich Drew Goddard in seinem Regie-Erstlingswerk an einer Kreuzung aus Sam Raimis „The Evil Dead“ und „Lost“ versucht, überrascht nicht wirklich, hatte er doch bislang als Schreiber bei eben letztgenannter Serie seine Finger im Spiel. „The Cabin in the Woods“ führt etwas Gewaltiges im Schilde, lässt uns Zuschauer jedoch – im Gegensatz zu „Lost“ – schon von Beginn an hinter die Kulissen des Mysteriums blicken und präsentiert sich als selbstreflexiver Meta-Horror, in dem das ständig wiedergekäute Regelwerk des klassischen Teen-Slasherfilms nach Strich und Faden ausgestellt wird. 

Doch genau hier liegt leider auch die Schwäche in Goddards Werk, denn statt mit den belächelten Regeln zu brechen, zelebriert der Film sie erst recht. Somit driftet „The Cabin in the Woods“ zwar immerhin in einem recht unterhaltsamen Strom aus Selbstironie und Filmzitaten dahin, jegliche Spannung bleibt jedoch auf der Strecke.

Und während man als Zuschauer etwas skeptisch darauf wartet, dass das ultimativ Wahnsinnige, das hier scheinbar so gierig in den Startlöchern lauert, endlich über die Handlung herfällt, so verspielt „The Cabin in the Woods“ gerade dann, als es im letzten Drittel endlich so weit ist, sein großes Potential und verliert sich in einer rasenden Freak-Show, die all ihren genial-monströsen Eye Candies frustrierenderweise viel zu wenig Zeit und Raum auf der Bildfläche einräumt, als dass man sie gebührend genießen könnte. 

Alles in allem punktet „The Cabin in the Woods“ also mit seinem wahnsinnigen Konzept, ist in einigen Momenten wunderbar makaber, beweist jedoch gleichzeitig, dass auch Selbstironie nicht alle Mittel heiligt. Wer auf Spannung sowie Grusel gut verzichten kann und sich mit einer großzügigen Dosis von schwarzem Humor zufrieden gibt, der wird an dem Film seine wahre (Schaden-)Freude haben. Einen Gastauftritt von Sigourney Weaver gibt es gratis dazu. 

Regie: Drew Goddard, Drehbuch: Drew Goddard, Joss Whedon, Darsteller: Kristen Connolly, Chris Hemsworth, Richard Jenkins, Bradley Whitford u. a., Laufzeit: 95 Minuten, Kinostart: 07. 09. 2012