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Die eiserne Lady

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Biopic

Von den einen verehrt, von den anderen gehasst. Margaret Thatcher ist wahrscheinlich eine der polarisierendsten Persönlichkeiten der Zeitgeschichte. Das Bio-Pic „Die eiserne Lady“ zeigt die einst mächtigste Frau der Welt von einer ungewöhnlichen Perspektive…

Die 80-jährige Margaret Thatcher entschließt sich die Sachen ihres, seit Jahren verstobenen, Gatten Denis endlich wegzuräumen. Dies löst bei ihr eine Reihe an Erinnerungen aus, die sie ihren Aufstieg zur Macht rekapitulieren lassen. In Rückenblenden wird gezeigt, wie sich die ehemalige Premierministerin, in einer von Männern dominierten Welt, durchsetzt, welche Konsequenzen Macht mit sich bringt und welche Opfer die ehrgeizige Frau bringen musste.

Mit „Die eiserne Lady“ versuchte Regisseurin Phyllida Loyd die ehemalige britische Premierministerin Margaret Thatcher von einer etwas anderen Seite zu zeigen. Nicht die eiserne Lady von einst, die skrupellos und mit allen Mitteln versuchte die britische Wirtschaft zu sanieren, sondern eine zerbrechliche, alte Frau, die an Alzheimer leidet und bis heute mit den Folgen ihrer damaligen Entscheidungen zu kämpfen hat, wird in der Biografie vorgestellt. Der Film konzentriert sich großteils auf die privaten Opfer, die Margaret Thatcher bringen musste, um sich als Frau, in dem von Männern beherrschten Großbritannien, durchzusetzten. Die Rückblenden zeigen die ehemalige Premierministerin als harte und entschlossene Frau, die kein Verständnis für Arbeitslosigkeit und soziale Leistungen hat, da auch ihr nichts geschenkt wurde und auch sie sich selbst durch viel Disziplin und harter Arbeit bis an die Spitze kämpfen musste.


Zu sehr legt die Regisseurin jedoch den Fokus auf den heutigen Zustand Thatchers. Immer wieder wird die ehemalige Premierministerin als kranke, alte und beinahe verrückte Frau vorgeführt. Das wirklich interessante an Margaret Thatchers Leben, nämlich ihren politischen Werdegang und eine psychologische Analyse ihrer oftmals umstirttenen Entscheidungen, werden leider häufig, durch die Rahmenhandlung, in den Hintergrund gedängt. Nur selten wird versucht zu erklären, warum sie ihre Politik der gekürzten Wohlfahrtsleistungen und Privatisierungen, so sehr durchsetzen wollte.

Trotz dieser äußerst polarisierenden Protagonistin wurde „Die eiserne Lady“ relativ neutral gehalten. Es wird nicht versucht dem Publikum eine politische Meinung aufzudrängen. Phyllida Lloyd zeigt Margaret Thatcher sowohl als harte, entschlossene Staatsfrau, als auch als liebende Mutter und Ehefrau. Obwohl ihre Politik durchaus kritisch dargestellt wird, zeigt der Film Thatcher nicht als machtbesessene Teuflin. Die Rolle der starken Frau ist wie geschaffen für Meryl Streep. Ihr gelingt es, die ehemalige britische Premierministerin mit all ihren Eigenheiten, wie der etwas seltsam klingenden Stimme und der stolzen Körperhaltung, glaubwürdig zu verkörpern.

Die eiserne Lady (The Iron Lady): Regie: Phyllida Lloyd, Drehbuch: Abi Morgan, Darsteller: Meryl Streep, Jim Broadbent, Olivia Colman, Alexandra Roach, Iain Glen, Laufzeit: 105 Minuten, Kinostart: 02.03.2012




  • Chris

    http://de.wikipedia.org/wiki/Margaret_Thatcher

    „2000 und 2001 erlitt sie mehrere Schlaganfälle, die auch zu dauerhaften Gedächtnisstörungen führten. […] Am 8. April 2013 starb Thatcher im Alter von 87 Jahren an den Folgen eines Schlaganfalls“

    „Denis Thatcher, 1st Baronet of Scotney, MBE (* 10. Mai 1915 in Lewisham; † 26. Juni 2003 in London) war ein britischer Geschäftsmann und Ehemann der früheren Premierministerin des Vereinigten Königreiches, Margaret Thatcher.“

  • Brigitte

    Ich finde ebenfalls nicht, dass der Film eine Themenverfehlung ist und der Zugang ist auch durchaus interessant gewählt. Die Rahmenhandlung nimmt jedoch, meiner Meinung nach, einfach zu viel Platz im Film ein. Den Fokus auf den Menschen, der hintern den politischen Entscheidungen steht, zu legen ist ein sehr spannender Zugang, nur ist das leider nicht wirklich passiert. Also wie bereits gesagt wurde, das Konzept wäre ein Gutes gewesen, leider ist es aber nicht aufgegangen.

  • hirngespinst

    „Das wirklich interessante an Margaret Thatchers Leben…“ Das klingt ja ganz so, als wäre die Politikerin interessanter als der Mensch, und damit hast du eine der Fragen beantwortet, die der Film meiner Meinung nach aufwirft. Ehrlich gesagt, das wirklich Interessante an dem Film fand ich, dass er den Fokus auf die alte Frau legt und ihre Politik unbewertet dastehen lässt. Das mag alles oberflächlich sein, sie unschärfer machen, aber es macht aus Thatcher wieder einen Menschen, so etwas wie die alte Frau von nebenan, das fand ich beeindruckend.

    • Interessant, dass du das auch so siehst. Ich fand es nämlich auch überaus angenehm eine Bio über eine politische Person zu sehen, wo aber die Politik nicht so im Vordergrund steht, sondern mehr der Mensch, der dahinter steckt und vor allem wie dieser Mensch dann abseits von Macht und Politik, nachdem das alles lange vorbei ist, ihr Dasein verbringt.
      Und natürlich muss man sagen, dass Streep absolut fantastisch spielt, obwohl ich sonst kein Fan von ihr bin, hier ist sie einfach unglaublich.

    • Ich bin völlig deiner Meinung. Zwar geht die Inszenierung nicht gut auf, aber den Blick auf die alte Frau zu legen, fand ich sehr spannend. Wäre natürlich besser gegangen, aber ich verstehe nicht, dass der Regisseurin von allen Seiten Themenverfehlung vorgeworfen wird, sie wollte ja den Menschen in der Politikerin zeigen. Wie sie das macht, funktioniert halt nicht so ganz.

    • Das stimmt. Es funktioniert halt wirklich nicht auf ganzer Länge, aber mit Themenverfehlung hat das eben nichts zu tun. Diesen Vorwurf versteh ich auch nicht. Aber alleine der Ansatz und die Art und Weise wie es gemacht ist, ist auf jeden Fall mutig und beachtlich.
      Und ich finde man darf halt nicht vergessen, dass Streeps gute Leistung eben auch nur dank einem guten Drehbuch und Regie funktioniert.

    • Eben, gutes Drehbuch und gute Regie…eigentlich eine interessante Frage: Kann denn eine Regie wirklich so schlecht sein, wenn die Schauspielerin so gut ist?

    • Das denk ich mir eigentlich auch. Weil immerhin könnte sie ja niemals so überzeugend sein und so gut spielen, wenn das Drehbuch total schlecht wäre und die Regie sie nicht gut leitet bzw. in Szene setzt.
      Natürlich kann eine schauspielerische Leistung besser sein als Drehbuch oder Regie (genau so umgekehrt), aber niemals kann ein Schauspieler ein schlechtes Drehbuch oder misslungene Regie ganz alleine ausgleichen. Kann ich mir jedenfalls nicht vorstellen und kenne auch kein Beispiel.