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Apollo 18

Found Footage vom Mond und die Aufdeckung des wahren Grundes, weshalb die NASA ihr Mondprogramm eingestellt hat – das klingt vielversprechend und aktiviert gleich jede Menge Horrorvorstellungen?

Der spanische Regisseur Gonzalo López-Gallego belehrt uns in seiner ersten US-Produktion eines Besseren, nämlich, dass ein an sich spannender Stoff noch kein gutes Drehbuch (Brian Miller) und schon gar keinen guten Film garantiert. Das Gerücht, dass die NASA ihre Apollo-Missionen im Geheimen mit einem weiteren Mondflug fortgesetzt  hat, ist nicht neu. Das nimmt der Film zum Ausgangspunkt und ersinnt eine Geschichte darüber, was der Anlass zur Mission der Apollo 18 gewesen sein könnte und was die Crew erlebte. Die Astronauten Nathan Walker (Lloyd Owen), Benjamin Anderson (Warren Christie) und John Grey (Ryan Robbins) werden auf den Mond geschickt, ohne zu wissen, dass ihre Mission in der „Kontaktaufnahme“ mit dort lebenden Aliens besteht. Bald nach der Landung ereignen sich merkwürdige Dinge und sie treffen auf unheimliche Zeichen und Wesen.


All dies wird festgehalten von Kameras in der Raumfähre und mittels einer Handkamera von den Astronauten selbst. Doch López-Gallego gelingt es nicht die Stärken von Found Footage zu nutzen. Allzu verwackelt, körnig oder unscharf sind die Bilder nie, auch die Perspektiven sind nicht ungewöhnlich. Auch wenn man weiß, dass es sich bei Found Footage um ein Stilmittel der Fiktion handelt, so geht das Genre erst dann auf, wenn es gelingt, die Zuschauer durch bewusste Steuerung des Blicks und emotionale Überreizung zu involvieren (Wem ist Blair Witch Projekt, in doppeltem Sinne, nicht auf die Nerven gegangen?). In dieser Hinsicht hatte Ron Howard 1995 mit seiner Verfilmung der Geschichte von Apollo 13 mit ganz anderen Mitteln wesentlich mehr Erfolg.

Von Weltraumthriller oder Horror kann bei Apollo 18 keine Rede sein, die wenigen Überraschungsmomente haben keine Schockwirkung. Der grundlegende Verschwörungskonflikt gestaltet sich völlig unmotiviert. Die vermeintliche Authentizität des Materials wird bereits nach wenigen Minuten durchlässig, anstatt ein tragendes formales Element zu werden. Das liegt zu gleichen Teilen an der Unglaubwürdigkeit der Umsetzung, des Scripts und der Schauspieler. Das Setting ist zwar im Großen und Ganzen gelungen, aber die makellose Reinheit von Raumschiff und Raumkleidung verwundern doch etwas.

Apollo 18 bleibt eine emotionslose und leider auch unsinnige Erzählung eines Gerüchts, von dem man jetzt mit Sicherheit sagen kann, dass es nicht wahr ist. Dass die NASA, die anfänglich noch in die Entwicklung einbezogen wurde, nach Erscheinen des Films trotz aller Offensichtlichkeit dennoch darum bemüht ist zu betonen, dass es sich nicht um eine Dokumentation handle, ist äußerst seltsam. Wahrscheinlich ist es Teil der Verschwörung, um die Wahrheit erneut zu vertuschen.

Regie: Gonzalo López-Gallego, Drehbuch: Brian Miller, Darsteller: Warren Christie, Lloyd Owen, Ryan Robbins, Laufzeit: 86 min., Kinostart: 14.10.2011