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Immer Ärger mit 40

Wenn man schneller erwachsen wird, wird man auch schneller älter. Die neue Midlife Crisis gibt es jetzt schon mit 40.

Debbie und Pete – vielleicht noch bekannt aus Beim ersten Mal – müssen sich kurz vor Weihnachten damit herum schlagen, dass sie beide vierzig werden.

Mit zwei Töchtern, zwei Autos, einem riesigen Haus und mehr Ipads als man zählen kann sind sie dennoch unzufrieden. Wie kommt man darüber hinweg, dass die eigene Familie total verkorkst ist? Und man sie dennoch irgendwie mag?

Judd Apatows neuer Film mag zwar als Komödie ausgeschrieben sein, aber eigentlich trifft es das nicht ganz. Die Witze und Anspielungen heitern die Handlung zwar auf, können aber nicht verhindern, dass die tatsächlichen Unterhaltungen ziemlich düster und dramatisch daher kommen. Die Figuren sind allesamt egoistisch gezeichnet und jammern konzentriert auf hohem Niveau vor sich hin. Dennoch bringt es etwas den Film zu schauen, regt er doch zur Reflexion über die eigenen Anwandlungen und Tendenzen zur Nörgelei an. Die langjährige Zusammenarbeit der Schauspieler miteinander und mit Judd Apatow merkt man deutlich – alles kommt leicht von der Hand. Teilweise wirkt die Handlung jedoch etwas gezwungen – es gibt Probleme, finanzielle wie private – die jedoch nicht angegangen oder zufrieden stellend gelöst werden.


 

Es wirkt eher wie eine Anleitung, wie man es eben nicht machen soll. Wer die Werke von Judd Apatow kennt, wird wissen, dass sie immer den Klamauk und das tiefste Niveau ansprechen werden. Andererseits präsentiert sich dadurch eine ehrliche Menschlichkeit, wie wir sie privat fühlen, aber vielleicht nicht aussprechen werden. Immer Ärger mit 40 balanciert auf einem schmalen Grat, vermittelt aber eine durchaus ansprechende Botschaft: Eine Liebe, die sich hin und wieder vom Alltag befreien kann, wird ewig halten.

Hervorragend sind hier wie immer die Gaststars in ihren jeweiligen Rollen, besonders Melissa McCarthy, die sich durch ihre Szenen keift oder Jason Segel, der ausgerechnet die Rolle eines Personal Trainers spielt. Wie soll man also eine Komödie bewerten, die eigentlich keine ist? Es ist so eine Art Lebensdrama, das sich leider zu wenig mit der tiefer gehenden Handlung befasst als nötig gewesen wäre. Der Film ist mit über zwei Stunden sehr lang und das spürt man als Zuschauer auch. Und warum bloß kommen die weiblichen Figuren bei Apatow immer so klischeehaft schlecht weg? Die männlichen Figuren sind liebevoll vertrottelt, während die weiblichen ihre Unzulänglichkeiten natürlich immer mit Zickigkeit wett machen müssen … ein etwas überholtes Konzept, das zu sehr an Mario Barth erinnert.

Apatow hat damit nicht unbedingt einen schlechten Streifen gemacht, aber eben auch keine gute Komödie. Die Probleme wirken sehr echt, auch wenn sie überspitzt sind und hinterlassen den Zuschauer mit einem Gefühl des Unwohlseins. Wenn man nun nach Gesellschaftskritik und Wohlstandsnörgelei sucht, ist man bei Immer Ärger mit 40 sicher ganz gut aufgehoben. Klassische Komödienschauer werden aber wohl eher enttäuscht sein. Der Film lässt einen mit gemischten Gefühlen aus dem Kinosaal gehen und ist daher auch schwer zu bewerten. Für wahre Apatow Fans sicher vergnüglich, aber bei weitem nicht so gut wie Bridesmaids oder Wanderlust.

Regie: Judd Apatow, Drehbuch: Judd Apatow, Darsteller: Paul Rudd, Leslie Mann, Jason Segel, Megan Fox, Filmlänge: 134 Minuten, Filmstart: 15.03.2012, www.immeraergermit40.at