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96 Hours – Taken 2

Wenn du glaubst es geht nicht mehr – kommt von irgendwo ein Entführer her.

In das Leben von Bryan (Liam Neeson) ist wieder weitgehend Ruhe nach der Entführung seiner Tochter Kim (Maggie Grace) im vorigen Jahr eingekehrt. Als Bryans Exfrau Lenore (Famke Janssen) sich von ihrem neuen Ehemann trennt, bietet er ihr und seiner Tochter an, ihm bei einem Auftrag in Istanbul Gesellschaft zu leisten.Doch die Schatten der Vergangenheit ruhen nicht und die Familien der getöteten Entführer wollen Rache für den Mord ihrer Söhne. Wer hätte es gedacht – eine erneute Entführung wird auf Bryan und dessen Familie angesetzt. Diesmal kann sich seine Tochter (anders als in „Taken“) jedoch erfolgreich verstecken und wird damit zur Schlüsselfigur in der Rettung ihrer Eltern.

„Taken 2“ setzt nicht lange nach den Ereignissen des Vorgängers an. Die Dringlichkeit und Spannung des ersten Teils hat nachgelassen und auch die Handlung fällt stark im direkten Vergleich ab. Das die Familien der Entführer aus Teil eins Rache wollen, ergibt sogar irgendwo noch Sinn – die darauf folgenden Geschehnisse allerdings weniger. Man fragt sich vor allem unentwegt, warum Protagonist Bryan nicht einfach seiner Tochter eine Waffe gibt bzw. sie nicht im Umgang damit ausbildet – nach den bisherigen Erlebnissen wäre das wohl im Sinne der Charakterdarstellungen zu erwarten. Allerdings relativiert sich die ganze Thematik der Bewaffnung in dem Moment, in dem Kim in ein Fahrzeug steigt: man merkt schnell, dass dieses sehr wohl auch als Waffe genutzt werden kann.

 

Olivier Megaton („Transporter 3“, „Colombiana„) hält seinen Film in schnellem Tempo und verlässt sich damit sehr auf seine bisherigen Erfahrungen in der Actionfilmwelt. Leider ist das gefertigte Drehbuch von Luc Besson vergleichsweise eher mau. Einige dramaturgische Film-Tricks wirken zudem sehr vorhersehbar: So wird jede entspannte und fröhliche Situation mit Oldie-Musik, sprich Klassikern begleitet und bedrohliche Entwicklungen stets durch ein dramatisch-unterschwelliges Thema angekündigt.

Liam Neeson scheint den Film nach dem Prinzip „One for the Money“ gemacht zu haben: Er ist deshalb nicht weniger charismatisch, dennoch merkt man, das der mehr als profilierte Schauspieler deutlich unterfordert ist. Die Figur der Tochter Kim war im ersten Teil schon größtenteils nervig – und auch hier ändert sich daran nicht viel. Leider wurde Maggie Grace nicht die Gelegenheit gegeben, die Figur sympathischer zu gestalten – was eine vergeben Chance darstellt, da beide Filme ohne sie ja gegenstandslos gewesen wären. Famke Janssen ist ebenfalls weit unter Potential besetzt. Fans des ersten Teils werden dennoch auf ihre Kosten kommen, auch wenn „Taken 2“ sich selbst nicht ganz ernst nimmt und die Anspielungen auf den Vorgänger sowie kleinere Witzeleien sehr breit gestreut sind.

Dennoch scheint der Inhalt überhaupt kaum auf die Handlung des ersten Teils abgestimmt worden zu sein – die Auswirkungen der bisherigen Erlebnisse werden einfach fallen gelassen und die Basis des ersten Films wird einfach umgedreht. In diesem Sinne ist Megatons Film für Fans zwar größtenteils als geeignet anzusehen, aber sonst unter der Kategorie„ferner liefen“ einzuordnen – Ein ordentlicher Thriller ist „Taken 2“ sicherlich nicht.

Regie: Olivier Megaton, Drehbuch: Luc Besson, Robert Mark Kamen, Darsteller: Liam Neeson, Famke Janssen, Maggie Grace, Leland Orser, Filmstart: 11.10.2012, Filmlänge: 91 Minuten