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21 Jump Street

In den späten 80er Jahren schickte „21 Jump Street“ unverdächtig jung aussehende Undercover-Polizisten, darunter auch Johnny Depp, los, um Verbrechen auf der High School aufzudecken. Im Film-Remake der Serie wird diese Aufgabe Jonah Hill und Channing Tatum zugleich…

Die beiden Nachwuchspolizisten Schmidt (Jonah Hill) und Jenko (Channing Tatum) konnten sich zwar zu Schulzeiten nicht ausstehen, werden aber auf der Polizeiakademie zu unzertrennlichen Freunden und schließlich auch zu Kollegen. Dank Schmidts Intelligenz und Jenkos Sportlichkeit ergänzen sich die Beiden vermeintlich perfekt, werden nach einer kleinen Verhaftungs-Panne aber in das 21 Jump Street-Programm von Captain Dickson (Ice Cube) strafversetzt. Nun sollen sie sich, als Schüler getarnt, auf einer High School einschleichen und die Quelle des dortigen Drogenvertriebs ausfindig machen. Natürlich liegt ihnen ihr Auftrag aber weit weniger am Herzen als ihre eigene Etablierung an der Schule. Verwunderlich ist nur, dass der einstige Außenseiter Schmidt diesmal zum Liebling, und der frühere „popular guy“ Jenko zum verachteten Nerd avanciert.


Bemerkenswert ist, wie schnell „21 Jump Street“ zum Punkt kommt. Die Entwicklung der beiden Protagonisten von Feinden zu Freunden wird nicht länger behandelt als im Trailer. Vielleicht wurde da auch bewusst gekürzt, da die Chemie zwischen Hill und Tatum ein wenig braucht, bevor sie in Schwung kommt. Sobald sie aber mal da ist, gehört sie zu den größten Stärken des Films. Wie glaubwürdig die vom Skript nur bescheiden unterstützte Freundschaft der beiden Hauptfiguren ohne die Harmonie zwischen den Schauspielern wäre, ist fraglich.

Apropos Drehbuch: Dieses kommt von Michael Bacall („Scott Pilgrim vs. the World“) und verliert sich zwar manchmal in so oft gesehenen Szenen wie einem chaotischen Drogenrausch, doch findet es dank guter Einfälle immer den richtigen Zugang. Die Schauspieler, insbesondere Jonah Hill, der Grimassen zieht wie der junge Woody Allen in seinen besten Tagen, tun ihr Übriges. Eingebettet ist dies in eine modern stilisierte, aber nicht aufdringliche Regieführung von Phil Lord und Chris Miller, die bisher vor allem mit dem Animationsfilm „Wolkig mit Aussicht auf Fleischbällchen“ auffielen. Kurz gesagt, ist „21 Jump Street“ sehr lustig und unterhaltsam. 

Neben den einzelnen Szenen ist auch die äußerst pointiert dargestellte Veränderung der Jugend herrlich. War Jenko während seiner tatsächlichen Schulzeit mit seinem muskelbepackten Körper und seiner arroganten Macho-Attitüde noch ein Held, so muss er beim High-School-Comeback einsehen, dass der Schlägertyp einfach nicht mehr in ist. Als er dies endlich begreift und etwa mit einem „Beauty is uncool“-T-Shirt herumläuft, ist es schon zu spät und er findet sich unter den verspotteten Physik-Nerds wieder. Schmidt auf der anderen Seite war früher der Verprügelte und kommt in der heutigen Jugend mit seiner zugleich smarten und tollpatschigen Art bestens an.

Vor allem die hübsche Molly (Brie Larson), ihres Zeichens in einer lockeren Beziehung mit Drogen-Vertreiber Eric (Dave Franco), scheint ein Auge auf ihn geworfen zu haben. Musical, so scheint es, ist der neue Sport, und uncool das neue cool. Mit dieser einfachen Gegenüberstellung der 90er und der 00er bzw. 10er Jahre gelingt „21 Jump Street“ eine bissige Hommage an High School-Serien. Diese stellen ja, genauer betrachtet auch heute noch, den sportlichen Schönling als Stereotypen des Freunde- und Frauen-Magneten dar.

Als der Erfolg der Polizei-Mission auszubleiben droht, die Freundschaft langsam an den veränderten Rollen zerbricht, und Schmidts Flirt mit Molly immer bedrohlicher wird, spitzt sich der Film auch emotional zu. Zwar ist der Tempo- und Stimmungswechsel zunächst schwer zu übernehmen, doch ist gerade Tatum in dieser Phase überzeugend genug, um eine emotionale Verbindung zum Publikum herzustellen. Gerade weil man nicht weiß, wo der Zynismus aufhört und die implizierte Dramatik ernst gemeint ist, hat dieser Abschnitt eine gewisse Existenzberechtigung.

Wer mitfühlen will, der kann, und wer nicht will, der wird zwar vielleicht kurz gelangweilt, aber zumindest nicht sonderlich genervt sein. Am Ende kumuliert alles in einem ebenso rasanten wie lustigen Action-Spektakel mit einem großartigen Cameo-Auftritt. „21 Jump Street“ mag kein hoch ambitioniertes Meisterwerk sein, liefert aber köstliche Unterhaltung mit einigem Biss und nur sehr wenigen langatmigen Momenten. 

Regie: Phil Lord, Chris Miller, Drehbuch: Michael Bacall, Darsteller: Jonah Hill, Channing Tatum, Brie Larson, Dave Franco, Ice Cube, Länge: 109 Minuten, Kinostart: 11.5.2012