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Auf brennender Erde

Ein brennender Wohnwagen in der Wüste von New Mexico. Das ist ein fulminanter Anfang – für einen dann doch sehr gemächlichen Film…

Die Geschichte an sich ist bemerkenswert: In dem Wohnwagen war ein Liebespaar, im Moment des Geschlechtsaktes, zu Tode gekommen. Später nimmt einer der Söhne des Mannes zu einer Tochter der Frau Kontakt auf. Schließlich entwickelt sich eine Liebesbeziehung zwischen den beiden, die nicht folgenlos bleibt. Zwölf Jahre danach führt die Frau, für den Mann verschollen, ihr eigenes desolates Leben, bis sie sich ihm und ihrer gemeinsamen Vergangenheit stellen muss.

So linear läuft das Geschehen auf der Leinwand allerdings nicht ab. Guillermo Arriaga (ehemals kongenialer Drehbuchautor von Alejandro González Iñárritu) lässt in seiner ersten großen Regiearbeit die Erzählung in gewohnter Manier in mehreren Zeitebenen auf das Ereignis im Wohnwagen Bezug nehmen. Zum einen zeigt er die Affäre des Liebespaares Gina und Nick (Kim Basinger und Joaquim de Almeida) bis zu deren Tod. Dann erzählt er die Geschichte von Mariana (Jennifer Lawrence) und Santiago (J.D. Pardo) unmittelbar nach dem Unglück sowie zwölf Jahre danach (diesmal verkörpert von Charlize Theron und Danny Pino). Diese drei Ebenen zerstückelt Arriaga wiederum und fügt sie in einem alternierenden Rhythmus wieder zusammen.


Das klingt kompliziert und stellt sich anfangs auch durchaus so dar. Es braucht eine geraume Zeit um die Darsteller den unterschiedlichen Zeitebenen zuordnen zu können. Ist es dann bewerkstelligt, ist leider auch schon die ganze Spannung aus dem Film. Von nun an sind alle Zusammenhänge und Geschehnisse vorhersehbar. Mit der Verschachtelung der Ebenen gelingt es Arriaga nicht Aufmerksamkeit aufzubauen oder Überraschungseffekte zu erzeugen (wie etwa in Amores Perros), es handelt sich mehr um einen Formalismus, dem sich Figuren und Inhalt unterordnen müssen.

Bilder und Worte werden auf Puzzleteile reduziert und verlieren dadurch an Dynamik und Authentizität. Manche Szenen kämen – auch dank der Darstellung von Lawrence, Theron und Basinger – ganz gut ohne Sprache aus. Stattdessen werden ihnen Worte in den Mund gelegt, die als stichwortartige Verweise auf die Gesamterzählung gelten können, aber den Bildern ihre Eindringlichkeit nehmen. Auf der anderen Seite setzt Arriaga auch Bilder als Verweise auf nachfolgende Ereignisse ein, was zwar eine gewisse Poetik enthält, aber der Handlung die Dramatik nimmt.

Die drei Erzählstränge erhalten annähernd gleich viel Raum – wenn auch Charlize Therons Part der stärkste ist. Im Hinblick auf die Komplexität der Beziehung zwischen der jungen Mariana und Santiago ist das schade, weil man zum einen mehr von Jennifer Lawrence sehen möchte und zum anderen das Motiv der den verunglückten Elternteilen nachempfundenen sexuellen Vereinigung noch viel mehr Spannung bereithalten würde. Auch die Selbstzerstörung, die Mariana als Kompensation ihres Schuldgefühls gegenüber der Mutter, die selbst mit einer Narbe gezeichnet war, auslebt, ist ein konstruktiver Ansatz, der aber zu wenig Schärfe bekommt.

Dennoch bleibt Staunen ob der großen Erzählung. Doch es wäre schön gewesen, mit eigener Denkleistung am Puzzlebauen teilnehmen zu dürfen, wenn Arriaga den Dingen mehr Lauf und einige Bilder unkommentiert gelassen hätte. Auch ein bisschen mehr Drumherumgerede, anstatt großer Worte, hätte nicht geschadet.

Regie & Drehbuch: Guillermo Arriaga, Darsteller: Charlize Theron, Kim Basinger, Jennifer Lawrence, Danny Pino, J.D. Pardo, Laufzeit: 107 Minuten, Filmstart: 18.08.2011