Ein-Sommersandtraum-©-2011-Polyfilm

Ein Sommersandtraum

Benno ist Fachmann für historische Briefmarken. Er liebt seinen geordneten Tagesablauf, schöne Frauen sowie guten Kaffee und praktiziert mit seinem selbstgefälligen, arroganten Verhalten eine derart beachtenswerte Unliebenswürdigkeit, dass man ihm schon nach wenigen Filmminuten ekelhafte Krankheiten und jegliches sonstige Unheil an den Hals wünscht…

Und siehe da – der Wunsch wird wahr, denn Benno erhält die dringend benötigte Abreibung, wenn auch auf einzigartige Weise: Sein Körper verliert plötzlich Sand. Und als wäre das nicht schon ärgerlich genug, scheint seine missliche und letztlich gar existenzbedrohliche Lage ausgerechnet mit dem ihm so verhassten „Einfrauorchester“ namens Sandra zusammenzuhängen. Wer nun erfahren will, wie sich Benno im scheinbar aussichtslosen Kampf gegen die eigene „Versandung“ auf eine ungewöhnliche Reise zwischen Traumwelten und der bitteren Realität seiner im Sand versinkenden Wohnung begeben muss bzw. ob die vom Fernsehwahrsager Dimitri prognostizierte Zahl Neun tatsächlich des Rätsels Lösung beinhaltet, der sollte sich Peter Luisis neuesten Streich des schweizerischen Filmschaffens nicht entgehen lassen.


 

Ein Sommersandtraum lässt ein bisschen an die charmant-skurrilen Phantasien von Michel Gondry sowie an die befremdlich grotesken Erzählungen von Franz Kafka denken. Und wahrlich liegt das Herzstück dieser Liebeskomödie der etwas anderen Art in ihrer reizvoll absurden Idee. Diese lässt – kombiniert mit schrägen Charakteren, großzügig eingesetztem schwarzen Humor, bizarrer Situationskomik, einer vor allem auch durch die Musik betonten, geradezu märchenhaften Atmosphäre und nicht zuletzt mit dem wunderbar exotischen Flair des Schweizer Dialekts (OV-Pflicht!) – Peter Luisis Film zu einem durchaus erfrischenden Kinoerlebnis werden.

Allerdings: So skurril und unterhaltsam die Grundidee auch sein mag, so gelingt es ihr leider nicht, über den etwas zu seicht geratenen Verlauf der Liebesgeschichte hinwegzutäuschen. Zwar thematisiert die Moral des Films (gegen die sich Benno so eklatant zur Wehr setzt) einige simple Lebensweisheiten, an die man nicht oft genug erinnert werden kann – wie etwa: „du sollst dich und andere nicht belügen“ oder „wahre Liebe zeichnet sich durch Selbstlosigkeit aus“ – und auch über die Metapher des Sandverlierens lässt sich philosophieren, jedoch ein Gefühl der Empathie will hier nicht so richtig aufkommen. Weder berührt das Schicksal des langsam zerrieselnden Protagonisten, noch jenes der ständig aufs neue seinen Schimpftiraden ausgesetzten Sandra, weshalb auch das Happy End – obwohl dieses mit einem der sicherlich ungewöhnlichsten Liebesgeständnisse der Filmgeschichte aufwarten kann – eher unbefriedigend und platt wirkt.

Letztlich bleibt Ein Sommersandtraum also trotz absurder Einfälle ein wenig hinter seinem Potential zurück. Wer aber bei dem Wort „Liebeskomödie“ keine akuten Bauchschmerzen verspürt, der kann dem Schweizer Sommermärchen durchaus eine Chance geben, sollte jedoch nicht allzu enttäuscht sein, wenn nach dem Abspann die Erinnerung an den Film sehr bald wie Sand zu Boden rieselt.  

Regie & Drehbuch: Peter Luisi, Darsteller: Fabian Krüger, Frölein Da Capo (Irene Brügger), Beat Schlatter, Florine Elena Deplazes, Laufzeit: 90 Minuten, Filmstart: 29. 07. 2011