Willard-(c)-1971,-2018-Anolis-Entertainment-GmbH-&-Co.-KG(3)

Wonne aus der Tonne: Willard und Ben

Liebe Leserschaft auf der Suche nach dem etwas anderen Film. Heute präsentiere ich euch gleich zwei tierische Filme, die so richtig zum Kuscheln einladen. Schnappt euch eine Packung Käse-Chips – die Nager kommen! Voller Stolz präsentiere ich euch ein Spezial-Wonne-aus-der-Tonne-Double-Feature:

Willard

OT: Willard, USA, 1971, Regie: Daniel Mann, Drehbuch: Gilbert Ralston, Mit: Bruce Davison, Ernest Borgnine, Elsa Lanchester u.a.

Willard Stiles (Bruce Davison) ist eben 27 geworden und lebt mit seiner Mama (Elsa Lanchester) zusammen. Der junge Mann ist introvertiert und kontaktscheu. Zudem arbeitet er in der Firma seines verstorbenen Vaters, die seit längerem vom Ungustl Al Martin (Ernest Borgnine) übernommen wurde. Dieser kann Willard nicht leiden und lässt ihn das auch jederzeit spüren. Als eine Rattenplage Willards Zuhause heimsucht, befreundet sich dieser mit den langzahnigen Genossen, statt sie – wie von der Mutter gewünscht – im Gartenteich zu ertränken. Die Beziehung zwischen Willard und seinen Ratten nimmt gar sonderbare Züge an, besonders die Albino-Ratte Socrates und der freche Ben haben es ihm angetan. Als die Mutter stirbt, ihm einen Schuldenberg hinterlässt und der Chef ihn entlässt, sieht Willard rot. Gemeinsam mit seinen Ratten sinnt er auf Rache …

Willard von Regisseur Daniel Mann ist ein kleiner Klassiker aus dem Jahre 1971. Nach dem überraschenden Erfolg kam es mit Ben ein Jahr später zu einer Fortsetzung und im Jahr 2003 sogar zu einem Remake mit Crispin Glover in der Hauptrolle. Der Film kommt auf leisen Sohlen, sehr stilsicher daher. Das Tempo ist gemächlich, der Film mehr Charakter-Drama als Tier-Horror. Und das ist gut so. Bruce Davison, den meisten wahrscheinlich durch seine Auftritte aus X-Men und X2 ein Begriff, spielt die Rolle des Außenseiters absolut glaubhaft. Seine Reise ins Verderben ist schöne Schauspielkunst und weiß zu fesseln, trotz gedrosseltem Erzähltempos. Ernest Borgnine gibt einen ebenso tollen Auftritt als böser Widerling Al Martin. Und Frankensteins Braut herself, Elsa Lanchester, erfreut mit einem netten Stelldichein als Willards Mutter. Die Attacken der Ratten sind absolut harmlos, der Horror sehr sanft. Dass der Film wirklich mal mit einem „ab 18“ bedacht wurde, ist kaum vorstellbar. Inzwischen mit einem „ab 16“ versehen, ist er immer noch hoch eingestuft, aber das kann uns ja schließlich egal sein. Wir werden derzeit vom Label Anolis verwöhnt, die den Film in einer sauberen Restauration in ungesehener Qualität auf unseren Heimkinos erstrahlen lässt.

Ebenso wie die direkt anknüpfende Fortsetzung:

Ben

OT: Ben, USA, 1972, Regie: Phil Karlson, Drehbuch: Gilbert Ralston, Mit: Lee Montgomery, Joseph Campanella, Arthur O‘Connell u.a.

Nachdem mehrerer Menschen von Ratten zu Tode genagt wurden, ist die ortsansässige Polizei in höchster Alarmbereitschaft. Der herzoperierte Knabe Danny (Lee Montgomery) befreundet sich mit Ratte Ben und entwickelt dabei, ähnlich wie Willard, einen ganz besonderen Zugang zu Ben und seinen Artgenossen. Allerdings werden die zarten Freundschaftsbande bedroht, von Polizei und Feuerwehr, die mit Flammenwerfern durch die Kanalisation rennen, um den Viechern den Garaus zu machen.

Dieses schnell nachgelegte Sequel führt also das Außenseiter-Thema fort, und stellt abermals die Freundschaft zwischen Mensch und Tier in den Mittelpunkt. Der Action-Anteil wurde allerdings ebenfalls erhöht: Es gibt mehr Attacken und Verwüstungen durch die Ratten zu sehen. Besonders schräg ist ein Angriff auf einen Supermarkt, bei dem die Ratten sämtliche – toll im Bild präsentierte – Verpackungen der Firma Kellog’s auffressen. Da gab es wohl ein Sponsoring. Der Film bietet einige nette Sequenzen, bleibt insgesamt dennoch deutlich hinter dem starken Vorgänger zurück. Zu niedlich ist die Kind-Tier-Freundschaft. Zu beliebig der Handlungsverlauf. Gruselig ist die Kiste natürlich zu keiner Sekunde. Außerdem ist der hyperaktive Danny zeitweise ziemlich anstrengend anzusehen.

Regie führte Phil Karlson, der vor allem für seinen Film Der Große aus dem Dunkeln bekannt sein dürfte, der ein unwürdiges Remake mit Dwayne Johnson erfahren musste. Das Drehbuch verfasste, wie auch schon bei Willard, Gilbert Ralston. Der eigens für den Film komponierte „Ben’s Song“ wird in den Credits von einem gewissen Michael Jackson gesungen, gewann den Golden Globe und war sogar für den Oscar nominiert.

Nach so viel harmlosen Tier-Horror brauche ich jetzt mal wieder eine Dosis Weißer Hai. Wir lesen uns in zwei Wochen an gewohnter Stelle. Ahoi ihr Leichtmatrosen und bleibt seltsam!