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Evil Dead

Was macht eigentlich einen “guten” Horrorfilm aus? Ist es bloß die Aneinanderreihung wirkungsvoller Schockmomente, eine originelle Rahmenhandlung samt verstörendem Twist oder der dekorative Einsatz von Kunstblut und effektivem Sounddesign, der den Zuseher in Angst und Schrecken versetzen soll?

All das und auch nichts davon ist vermutlich die Antwort, denn die Sehgewohnheiten der Kinogänger ändern sich wohl ebenso wie deren Anspruch mit jedem neu gesehene (Horror-)Film. So war im Jahr 1981 ein junger Regisseur namens Sam Raimi an der Reihe, mit einem Very-Low-Budget Shocker das Publikum zu begeistern – oder entsetzen, wie auch immer man das interpretieren mag. Mit The Evil Dead konnte Raimi zusammen mit seinem langjährigem Freund und Wegbegleiter Bruce Campbell trotz aller auftretender Genre-Konventionen – die verlassene Hütte im Wald, sich sonderbar idiotische verhaltende Protagonisten etc. – überzeugen. Fans des nunmehrigen Kultklassikers bestaunen auch heute noch die (verhältnismäßig) meisterhaft durchgeführten Kamerafahrten, Effektspielereien und den absurd-schrägen Humor, der wohl seither nur noch vom Sequel Evil Dead II in allen Belangen übertrumpft wurde.

Nach langen Jahren der Abstinenz (hinsichtlich der Evil Dead-Reihe) melden sich nun sowohl Raimi als auch Campbell mit dem – wie könnte es auch anders angesichts geltender Neuauflage-Regeln sein – schlicht Evil Dead betitelten Reboot/Remake zurück, überraschenderweise allerdings nur als Produzenten. In den Regiesessel wurde der Regiedebütant Fede Alvarez gesetzt, der zuvor mit dem ansprechenden YouTube-Kurzfilm Ataque de pánico! (hier zu sehen) seine Heimatstadt Montevideo von Riesenrobotern angreifen ließ – und damit für Aufmerksamkeit sorgte. Mit Evil Dead hat Alvarez nun einen Horrorfilm geschaffen, der schon auf dem Plakat den “schockierendsten Film, den du jemals sehen wirst” verspricht – und zugleich auch perfekt widerspiegelt, was vermutlich auch den vielen Fans der Trilogie beim Gedanken an eine Neuverfilmung durch den Kopf ging.


Das Handlungsgerüst ist dabei in gleichen Maßen bekannt, bewährt als auch mit ständig wiederkehrenden Verweisen auf das Original versehen: Wieder begeben sich fünf stereotype Erwachsene in eine abgelegenen Hütte im Nirgendwo, wieder darf ein unbeschreibliches Grauen durch Zufall herbeigerufen werden, um eine ahnunglose Figur nach der anderen zu verstümmeln und abzuschlachten. Neu ist jedoch neben dem hochauflösenden Look jener akribisch auf schmutzig getrimmten Waldhütte eine nun erkennbare Motivation der Gruppe: Die junge Mia (hysterisch: Jane Levy) unternimmt einen erneuten Anlauf, ihre Heroinsucht zu beenden – und sowohl ihr Bruder David (zum schreien: Shiloh Fernandez) als auch ihre Freunde sollen dabei die notwendige Unterstützung liefern. Die Idee des belesenen Eric (talentiert: Lou Taylor Pucci), aus einem in Menschhaut gehüllten und mit Stacheldraht verschlossenen Buch merkwürdige Worte laut vorzulesen, setzt allerdings jedem Vorhaben ein Ende.

So kommt es wie es kommen musste, auch in der Evil Dead-Neuauflage: Körperteile werden amputiert, Fontänen von Blut bzw. Erbrochenen ergießen sich über Charaktere und der allgemeine Gore-Level wird dank Nagelpistole, Kettensäge und Tapetenmesser auf konstant hohem Niveau gehalten. Alvarez arbeitet, anderes als Raimi zuvor, allerdings mit einem weitaus größerem Produktionsbudget, dass dem Remake natürlich auch den liebevollen, von Hand gefertigten B-Movie Look und somit auch seinen unbestreitbaren Charme nimmt.

Auch den abstrusen Humor, der vor allem von Campbells Charakter Ash perfekt verkörpert und ausgespielt wurde („Who’s laughing now?„), vermisst man schmerzlich: Es scheint fast so, als ob sich der Regisseur zwar immer wieder vor dem Original mit Einstellungen und Kamerafahrten anerkennend verbeugt, dessen Slapstick-Substanz aber niemals zu begreifen scheint.

So bleibt mit Evil Dead erneut nur ein aufgehübschte Neuauflage zurück, die gleichermaßen inspirationslos wie auch – ironischerweise – blutleer und steril erscheint. Wirkliche Angst- oder Schockeffekte werden dabei kaum erreicht, das aufkommende Ekelgefühl wird vorwiegend durch die Folterkammer-artigen und teils nur aneinandergereiht wirkenden Szenenabläufe erzeugt. Auch wenn diese handwerklich gut inszeniert wurden, so fehlt es Alvarez’ Film an Leidenschaft und Phantasie – und die Frage, warum diese bluttriefende Schlachtplatte unbedingt den Namen Evil Dead tragen musste, werden sich vor allem Fans des Originals wohl im Nachhinein stellen.

Regie: Fede Alvarez, Drehbuch: Fede Alvarez, Rodo Sayagues, Darsteller: Jane Levy, Shiloh Fernandez,
Lou Taylor Pucci, Elizabeth Blackmore, Laufzeit: 91 Minuten, Release: 17.05.2013, www.evildead.de