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Injustice: Götter Unter Uns

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Beat'em Up

Spätestens seit dem Scharmützel zwischen Iron Man, Thor und Captain America im Mega-Blockbuster The Avengers (zur Kritik) fragt sich wohl auch der Otto-Normal-Nerd, wie wohl ein Kampf zwischen altgedienten, aber umso populäreren Comic-Helden ausgehen würde. Die Idee, ein Beat’em Up auf Basis dieser Materie zu gestalten, ist an sich nicht neu – das Verlags-Imperium Marvel hat ja etwa schon mit der Marvel vs. Capcom-Serie den Bedarf dahingehend mehrfach und zudem äußerst erfolgreich bedient. Nun haben die Macher der langgedienten Mortal Kombat-Reihe, Netherrealm Studios, erneut (nach dem kaum überzeugenden Mortal Kombat vs DC Universe) an einem Mash-Up ähnlicher Ausrichtung gebastelt und mit Injustice: Gods Among Us einen Superhelden-Prügler veröffentlicht. Ähnlich wie im 2011 erschienen, neunten Teil der Mortal Kombat-Reihe (zur Kritik) liegt auch bei Injustice der Fokus vorab auf zweierlei Aspekten, nämlich einem für Beat’em Ups ungewöhnlich langem, cineastischen sowie einigermaßen kohärenten Single-Player Kampagnen-Modus und zudem noch auf einer auf Spektakel ausgerichteten Präsentation, die die insgesamt 24 unterschiedlichen Comichelden aus dem DC Universum auf das Tapet bringt.

Um die diversen Superhelden in eine annähernd Sinn-ergebende Story unterzubringen, wurde schlicht ein Universum mit verschiedenen Dimensionen erschaffen: Nach einer atomaren, vom Joker verursachten Explosion im Herzen von Metropolis liegt nicht nur die Stadt selbst in Schutt und Asche, sondern auch der Geisteszustand Supermans, der die Katastrophe nicht verhindern konnte. Mit dem Tod von Lois Lane und ihrem ungeborenen Kind greift der Mann aus Stahl kurzerhand zu drastischen Mitteln und unterwirft die Menschheit – zu ihrem eigenen Besten. Nur mit Hilfe eines Dimensionen-übergreifenden Hilferufes des von Batman angeführten Widerstandes gegen die Superman’sche “Utopie” kann dem eisernen Joch entgegen gewirkt werden – und so liegt es nun am Spieler, in unterschiedlichste Rollen zu schlüpfen (wie man es schon aus Mortal Kombat kennt) und den Status Quo wiederherzustellen.

Die Kampfmechanik erinnert ebenfalls stark an die vom jüngsten MK-Ableger: Gekämpft wird strikt auf einer zweidimensionalen Ebene, Ausweichmanöver in den Vorder- oder Hintergrund sind somit nicht möglich. Angriffe werden mit leichten, mittleren und schweren Attacken ausgeführt, ein Button ist für individuelle Superhelden-Kräfte reserviert (Green Arrow verschießt beispielsweise Pfeile, Flash verlangsamt seinen Gegner mit einer Zeitlupenfunktion etc.) und einfach auszuführende, natürlich Charakter-spezifische Special Moves bilden die Basis möglicher Bewegungsabläufe. Blocken wird durch das Halten der dem Gegner entgegen gesetzten Richtungstaste am Steuerkreuz ausgeführt und eine Schultertaste wird für kontext-sensitive Aktionen mit dem Level verwendet. Hierbei werden etwa Fahrzeuge durch die Luft geschleudert oder Gegner wie Gummibälle in den Hintergrund geschlagen bzw. getreten, um diese danach etwa mit Kombos weiter zu bearbeiten.

Damit nicht genug: Ein Großteil der Level sind in verschiedene Kampfareale aufgeteilt, die durch einen gezielte Schlag auf den Gegner erreicht werden können – eine “Tour” durch Metropolis erstreckt sich beispielsweise auf gleich drei unterschiedliche Abschnitte. Abgerundet wird das Kampfsystem von zwei weiteren Features: Zum einen mit “Super Moves”, die eine verheerende Attacke mit einer kleinen Zwischensequenz (vergleichbar mit den “X-Ray”-Attacken aus Mortal Kombat) verknüfpen, in der etwa Batman seinen Gegner mit einem ferngesteuerten Batmobil überrollen lässt oder Superman seinen Konkurrenten via Uppercut in die Stratosphäre befördert; zum anderen das “Clash”-System, das via QTE (Quick Time Event) beide Spieler aufruft, einen bestimmten Teil der in den Kämpfen gesammelte Energie einzusetzen, um eine Konfrontation zu gewinnen, die zudem Lebensenergie wiederherstellen kann.


Dank einer gut integrierten, ausführlichen Auflistung sämtlicher Moves im Pausen-Menü lassen sich Charaktere recht gut erlernen, das Kombosystem gliedert sich gleichermaßen übersichtlich wie durchdacht. Das Spektakel steht allerdings im Vordergrund – eine unendliche Spieltiefe mit dreistelligen Kombotreffermöglichkeiten wie bei so manch anderem Genrevertreter darf man nicht erwarten. Abseits der Kampagne eröffnet der “Battle”-Modus die Möglichkeit der eher herkömmliche Arcade-Spielvariante – also mehrere Gegner mit ansteigender Schwierigkeit besiegen, um dem Endgegner gegenüber zu stehen und mit einer kleinen Abschlusssequenz belohnt zu werden.

Auch hier werden aber (ganze 24 verschiedene) Alternativen geboten, wie etwa einen gesamten Kampfverlauf mit einer einzigen Energieleiste zu überstehen, Gegner innerhalb eines gewissen Zeitlimits zu schlagen oder einen Kampf nur gegen “gute” Helden auszutragen. Mit den “S.T.A.R. Labs” wurden auch eine Variation des Mortal Kombat Challenge Tower in Injustice: Gods Among Us integriert, die mit 240 verschiedenen Herausforderungen bzw. Mini-Spielen und diversen freischaltbaren Goodies (Soundtracks, 3D-Modell der Figuren, Icons für das Online-Profil, alternative Kostüme etc) für Langzeitmotivation sorgen.

Auch der mittlerweile Genre-typische, obligatorische Online-Modus wurde vorbildlich in das Gesamtbild des Beat’em Ups verwoben und bietet neben normalen Spieler-gegen-Spieler Kämpfen (mit oder ohne Online-Wertungen) auch einen Übungs-, „King of the Hill“- und Survivor-Modus. Bei „King of the Hill“ können bis zu acht Spieler nacheinander antreten, wobei die wartenden Spieler auf den Ausgang des Matches wetten können, während Survivor im Prinzip das gleiche System darstellt, nur mit dem kleinen Unterschied, das der Gewinner eines Kampfes keine Lebensenergie mehr erhält. Über weite Strecken hinweg vermag Injustice: Gods Among Us in fast allen Belangen zu überzeugen, auch wenn kleinere Makel an der hübsch polierten Oberfläche auftreten: So ist der Online-Modus nicht gerade als stabil zu bezeichnen – im Test konnte oftmals keine Verbindung hergestellt werden – und auch eine gewisse Latenz (Verzögerung) bei der Steuerung war nicht von Vorteil. Obwohl das Kämpferfeld – positiverweise – überschaubar ist und sich sowohl für Fans als auch Neulinge im Comic-Universum von DC zugänglich erweist, können einige Charaktere unausgewogen erscheinen (Deathstroke und seine Fernangriffe beispielsweise). Auch die Supermoves – so spektakulär sie auch sein mögen – nutzen sich wie schon die brachialen X-Ray Moves von Mortal Kombat recht schnell ab, mehrere Unterschiedliche pro Figur wären ideal gewesen. Und was sicher die Designer bei den seltsamen Proportionen und Animationen von Wonder Woman gedacht haben, bleibt wohl für immer ein Rätsel.

Kann man mit diesen Makeln leben und erwartet man sich auch nicht allzu viel Tiefgang, so überzeugt Injustice: Gods Among Us nicht nur ausgehungerte Beat’em Up Fans, sondern auch Freunde spaßiger Comic-Action – wo sonst kann man auf so spektakuläre Weise klären, wer bei einem Kampf zwischen Batman und Superman wohl gewinnen wird?

Plattform: PS3 (Version getestet), Xbox 360, Wii U, Spieler: 1-2, 1-8 (online), Altersfreigabe (PEGI): 16, Release: 19.04.2013, www.injustice.com




  • Marco

    Sehr unterhaltsames Beat’em Up. Macht sehr viel Spaß. Wobei Wonder Woman wirklich eigenartig ausschaut und auch an die Darstellung vom Joker hab ich mich erst gewöhnen müssen. Bin ihn zu sehr von Arkham Asylum gewohnt.