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XCOM: Enemy Unknown

Längst vergessen sind die Zeiten, in denen virtuelle Unterhaltung darin bestand, Stunden und Tage in das Wiederholen von frustrierend komplexen Aufgaben zu investieren, stets auf der vergeblichen Suche nach einem erlösenden Erfolgsgefühl. Versagen war das Spiel und zugleich die einzige Möglichkeit zu Lernen…

 Bestes Beispiel dafür ist die Kultreihe „X-COM“, die nach langer Pause nun in Form einer gerade erschienenen Neuinterpretation versucht, diese Philosophie einem neuen Publikum näherzubringen. Die Welt befindet sich in Panik, globale Alien-Entführungen prägen die Zeitungsüberschriften und überlassen den Regierungen angesichts einer totalen Invasion nur eine Option: Das XCOM-Projekt wird als Gegeninitiative ins Leben gerufen. Verantwortlicher: Der Spieler. „XCOM: Enemy Unknown“ besteht dabei aus zwei Abschnitten. Zum Einen werden strategische Gefechte im rundenbasierten Taktik-RPG Modus absolviert. Da wollen in verschiedene Klassen eingeteilte Einheiten über ein gefinkeltes Deckungssystem positioniert, präzise Schusswechsel mit den feindlichen Aliens ausgetragen und unterschiedliche Missionsziele erfüllt werden. Zum anderen muss die „XCOM“ Basis per Wirtschaftssimulation verwaltet werden. Neue Areale werden konzipiert, Budgets saniert, Satelliten zur globalen Überwachung ins All geschossen und Abfangjäger weltweit stationiert. 


Natürlich gehen aber beide Modi immer Hand in Hand, so hängt der Erfolg der Einheiten auf dem Schlachtfeld direkt vom momentanen Forschungsstand ab – Energiewaffen, Rüstungen, telepathische Kräfte. Keine der dringend benötigten Errungenschaften erforscht sich von selbst. Genauso gibt es ohne Kampferfolge bei der Alien-Abwehr keine finanzielle Unterstützung, die die Grundbedingung für eine reibungslose Forschungsmaschinerie darstellt. „XCOM: Enemy Unknown“ findet hier eine beinahe perfekte Balance zwischen der (über)fordernden Komplexität vergangener Tage und einer zeitgemäßen Casual-Aufbereitung. Fans des Klassikers können zurecht bemängeln, dass das Remake an Komplexität und Vielfalt eingebüßt hat. Das Resultat ist allerdings ein schlankeres, zielgerichteteres Erlebnis, das sich auf den sinnvollen Kern der Reihe besinnt, ohne den Spieler jemals mit einer unüberschaubaren Entscheidungsvielfalt zu erschlagen.

Trotz der Vereinfachung tauchen ohne Unterlass unerwartete Probleme und Herausforderungen für den Spieler auf. Diese sind nicht zu unterschätzen, denn wer seine Aktionen nicht wohlüberlegt plant und rechtzeitig ausführt, dem droht aller Verweichlichung zum Trotz der Untergang und damit verbunden der Neustart. Wie schon länger nicht mehr lohnt es sich also viele Spielstände aufzuheben, für den Fall, dass mal ein Team aus unersetzbaren Veteranen den permanenten Tod gefunden hat oder sich auch noch die letzte Nation angesichts des konstanten Misserfolgs angeekelt vom XCOM-Projekt abgewendet hat. Wer das noch immer als Kinderkram ansieht, für den bleibt der Iron-Man-Modus, in dem es überhaupt nur einen Spielstand gibt.

Für den eingefleischten Fan wird aber trotz schlankem Funktionsumfanges einiges geboten. Die zeitgerechte Neugestaltung ist beispielsweise stimmig und auf den Punkt gebracht. Weder nimmt sich die klassische Sci-Fi-Aufmachung zu ernst, noch driftet das Ganze in eine absurde Karikatur des Genres ab. „XCOM“ kommt ohne bombastische Storyeinlagen aus und verbreitet mit dezenter und detailverliebter Umsetzung gerade genug Stimmung, um der Weltuntergangsthematik gerecht zu werden und der Basis und dessen Bewohnern Leben einzuhauchen. Das Interface ist angesichts der Komplexität erstaunlich intuitiv und selbst per Gamepad komfortabel zu bedienen. Der einzige Mangel ist für wohl für den Veteranen ein linearer Spielablauf mit festgelegten Events, weshalb wiederholtes Durchspielen nicht ganz so interessant ist wie in Vorgängern.

In Zeiten, in denen der massenkonforme Einheitsbrei den Ton angibt ist „XCOM: Enemy Unknown“ eine erfrischende und dringend notwendige Abwechslung. Das Spiel bietet schwierige Entscheidungen mit Konsequenz, motivierendes, vielschichtiges Strategie-Gameplay und eine stimmungsvolle Aufmachung. Weniger eine Fortsetzung, viel mehr ein gelungener Neustart, darf man bei Erfolg zurecht auf zukünftige DLC-Erweiterungen und vielleicht sogar Sequels hoffen, genug Spielraum ist auf jeden Fall da.

Plattform: PS3 (Version getestet), PC, Xbox 360, Altersfreigabe (PEGI): 18, Spieler: 1, Erscheinungsdatum: 12.10.2012