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Lana Del Rey – Born To Die

Elizabeth Grant, vor kurzem noch Möchtegern-Sängerin im Sumpf abertausender hoffnungsloser Musiker, hatte den Mut, ein Album zu veröffentlichen um dann damit zu scheitern. Daraufhin folgte dann das Konzept, den Namen zu ändern, Jeans und Schlabber-Shirt einzuwintern um sich zum White-Trash Glam-Starlet zu mausern….

Sich der Metamorphose zur Gänze vollzogen versucht es „Lana Del Rey“ erneut und schreibt den Song „Videogames“. Dazu produziert sie ein nicht allzu teures, jedoch „effektives“ Video und stellt dieses auf YouTube. Und siehe da, sexy Lana scheint Erfolg zu haben: ihr Video wird Millionen Male angeklickt, was ihr von heute auf morgen tonnenweise Lob aber auch Kritik einbringt. „Tolles Lied“, „Und das Video erst!“, „Sexy ist sie schon, aber irgendwie komisch“, „Mann, habt ihr diese Lippen gesehen?“, „Ja genau! Total krass, sicher aufgeblasen“, „Und ich hab sogar gelesen, dass die vor kurzem noch voll das Mauerblümchen war!“.

Jajaja! Wisst ihr was? „Bob Dylan“ heißt in Wirklichkeit auch nicht „Bob Dylan“, die „Ramones“ waren nicht verwandt und „Sun Ra“ waren aus Alabama, nicht vom Saturn. Mal ehrlich Leute, wen kümmert’s? Hauptsache die Musik gefällt, nicht? Aber zu verdanken haben wir diese unnötige Hetz ja eh dem World Wide Web. Gott segne das liebe Internet dafür, dass es sich im letzten halben Jahr ausschließlich Lana Del Rey und mit ihr einhergehenden Anschuldigungen, sie sei doch nur Fake, spiele irgendeine Rolle, gewidmet hat und somit mehr als große Fragezeichen über unseren ohnehin überstrapazierten und reizüberfluteten Köpfen schweben ließ.

Fake hin, Fake her, Ende Jänner 2012 erschien es, „Born to Die“, das Album, das „Produkt“, die Enttäuschung, die Offenbarung, getragen von genau den Lippen, die tausend Denkanstöße lostraten. Egal, ob wir Del Rey in erster Linie durch dieses eben genannte YouTube Sensations-Video kennengelernt haben, so haben wir uns mit Sicherheit ihren Peggy-Sue trifft Portishead, das Ganze fusioniert mit einem theoretischen Hip-Hop versierten Retro-Futurismus, fachmännisch innerhalb der ersten 30 Sekunden gebündelt am Titel-Track-Opener „Born To Die“ mit Leidenschaft verinnerlicht. Maroder Herzschmerz, fatale Teenage-Dream Romanzen, einlullende Streicher, dieses lasziv-naive Stöhnen. Das alles funktioniert irgendwie und macht Lana zu einer der sexiesten aber auch kontroversesten Sängerinnnen zeitgenössischer Popmusik.

In ihrem Song „Blue Jeans“ singt sie „I will love you till the end of time…“ und klingt damit schon fast ein wenig klischeehaft. In einer Zeit, in der unabhängige Frauen die Spitze des Pop-Olymps regieren, ist Del Rey’s Ohnmacht um offensichtlich James Dean-eske Männer, dann doch eher amüsant als wirklich ernst zu nehmen.

„Videogames“ ist der Song mit dem alles begann und wirkt als schönes, üppiges Liebeslied. Auch die eher einfältigen Texte, unterlegt von einer Portion Old-School’nes funktionieren gut.
„This is what makes us girls, we all look for heaven and we put love first, something that we’d die for, it’s a curse“ singt/aspiriert/trauert Del Rey auf ihrer letzten Nummer „This Is What Makes Us Girls“. Ja, dann ist es das wohl, was Mädchen ausmacht, was die so denken. Bis sie dann halt allmählich zur Frau geworden sind. Wie gesagt, textlich halt eher „girly“, trotzdem ist das Gesamtkonstrukt dann wunderbar anzuhören.

Die sixty-four-dollar question bleibt aber: wird Lana Del Rey auch mit ihrem zweiten Album der große Star bleiben oder wird sie ohne weitere Beachtung untergehen. Hoffen wir, dass sie applaudiert wird, anstatt lebendig gefressen zu werden.

Abschließend muss aber auch noch bemerkt werden, dass es viel über unsere Gesellschaft aussagt, dass ein Mädchen ihr komplettes Image ändern muss, bevor die Welt sie überhaupt beachtet und ihr Gehör schenkt. Und sich dann noch zu fragen, ob uns die Gute etwas vorspielt, ist fast schon frevelhaft.

Lana Del Rey – Born To Die, Universal