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Sigur Rós – Kveikur

Sigur Rós aus dem weit entfernten, sagenumwobenen Island haben sich, trotz ihrer zugegebenermaßen eigentümlichen Musikrichtung, die zu definieren sicher kein Leichtes ist, auch in heimischen Kreisen als Kultband etabliert…

Nach zaghaften Anfängen, die teilweise wie ein elfen-.gleicher Spaziergang durch die melancholisch-entrückten Landschaftsstreifen der isländischen Küste in musikalischer Abstraktion geklungen haben, wird jetzt ein bisschen härter durchgegriffen: Kveikur ist nun am Markt, das erste Album seit dem Ausstieg des ehemaligen Mitglieds Kjartan Sveinsson. Bleiben also nur noch drei Leute übrig – auch wenn man auf einem Konzert der Band das Gefühl bekommt, hinter all diesen unglaublichen Klangwelten und –konstruktionen müssen mehr als nur diese doch beschränkte Anzahl an Musikern stecken. Das ist noch so ein unglaubliches Faktum: Live klingt das wirklich ebenso wie auf dem Album.



Das Eröffnungsstück,
Isjaki, ist ein Sigur Rós Stück par excellence und wirklich wunderbar gelungen, mit all seinen Chören, Glockenspielen und weitläufigen Klängen, die in schierer Unbegreiflichkeit eine ganz eigene Atmosphäre aufbauen. Kveikur, das titelgebende Stück des Albums, vereint ebenso alles, was man sich von Sigur Rós zu erwarten hat und ertönt mit eingängiger Melodie, Wehmut und der üblichen im Falsett verzerrten Stimme des Sängers Jónsi. Aber nichtsdestotrotz klingt es durch verstärkten Einsatz der Gitarre, die sich mit einem – wie soll man es sonst nennen – elektrisiertem Gebruzzel vereint, um einige Nuancen härter als andere Singles: irgendwie klingt das neue Album wie eine Art Neuerfindung der Band, deren Wurzeln dann doch, auch wenn das nicht gleich heraus geschrien wird, im düster-feinen Postrock zu suchen sind.

War Sigur Rós von jeher eine Band, die eher introvertiert gewirkt und auch seine Musik so präsentiert hat, ist Kveikur ein Meilenstein in der bisherigen Bandgeschichte. Hiermit ist die Richtung hin zur endgültigen Selbstfindung gesetzt, ohne aber einzubüßen, was dieser Musik ureigen und immer verbunden ist: eine tiefe, wohl nie in ihrem vollständigen Ausmaß zu erfassende Schönheit.

Sigur Ros – Kveikur, XL / Beggars / Indigo, www.sigur-ros.co.uk