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Interview mit Bosse

pressplay hat am Nova Rock Festival neben Bauchklang und Biffy Clyro Drummer Ben Johnston auch den deutschen Sänger Bosse getroffen und mit ihm über seine Musik, Festivals und Wien gesprochen…

pressplay: Wie war heute dein Auftritt auf dem Nova Rock?

Axel Bosse: Heute war unser Trompeter krank, was echt schade war, unser Ersatztrompeter spielt heute bei Nada Surf und der zweite spielt bei Calexico. Der ist aber dann extra aus Neuseeland angeflogen gekommen, um heute mit uns hier zu spielen und den Rest der Woche auch noch. Trotz dieses Ausfalls von unserem Stamm-Trompeter, war es dann aber auch sehr schön beim Auftritt. Wir waren heute sechs Leute auf der Bühne plus der eine von Deichkind, der Sven, der immer auch bei uns mitmacht und unser Backliner der manchmal auch Gitarre spielt. Sonst haben wir in Österreich bisher selten gespielt.

Das fühlt sich gerade so an, wie vor sieben Jahren in Deutschland. Wir kommen auf ein Festival, haben auch eine gute Uhrzeit für unseren Auftritt, aber wir mussten schon erst mal spielen und ich musste sagen wer wir sind und wo wir herkommen und vor allem warum das für die Leute ok ist hier stehenzubleiben. Ich finde das immer ziemlich reizvoll. Ich hab das ja schon mein halbes Leben lang gemacht, z.B. als Support irgendwo zu spielen oder vor Sachen zu spielen die nicht gepasst haben. Vor härteren Bands oder so und da war es heute so ähnlich und es hat sich sehr sehr gut angefühlt. Es entscheidet sich dann immer nach drei/vier Songs und es sind immer mehr Leute geworden und die Leute, die bereits da waren, sind geblieben und es war glaub ich ein ganz guter Anfang für Österreich.

Wie machst du das, dass du die Leute kriegst und sie überzeugst deinen Auftritt anzuschauen?

Bosse: Ich glaube der Trick ist, dass man sich dabei nicht so anstrengen sollte, ich bin da immer ziemlich unaufgeregt. Wenn ich zum Beispiel in Deutschland jetzt bei Rock am Ring spiele, muss ich nicht sagen worum es in diesem Lied geht und warum ich es geschrieben habe. Das mache ich hier wiederum schon. Ich lass mir hier einfach Zeit, was zu den Songs zu sagen, was manchmal vielleicht komplett untergeht. Aber ich persönlich finde es dann schon immer gut, wenn ich Zuschauer bin, wenn mir jemand sagt, warum er irgendwas wichtig findet, dann hör ich auch nochmal anders zu. Ich glaube, dass das der Trick ist, aber ich sehe es noch nicht einmal als Trick an.

Gehst du bei deiner Show auch ein bisschen darauf ein, wo du bist, damit du so Verbindung zu deinen Zuschauern aufnimmst?

Bosse: Ja das mach ich auf jeden Fall. Das ist zwar nicht mein erstes Mal in Österreich, aber mein erstes Mal hier auf dem Nova Rock. Wir sind ja, zusammen mit den Stereophonics, auch die wahrscheinlich weichste Band hier und das ist dann auch wieder wichtig für uns, dass wir merken, dass es funktioniert. Das ist toll.

Was inspiriert dich zu deinen Songs? Ist es auch das was du privat hörst?

Bosse: Das was ich privat höre, das führt mich irgendwie nicht zu meinen Liedern. Ich hab da schon in den letzten zehn Jahren oder wie lange ich das auch schon immer mache, viel Wert darauf gelegt, dass ich meinen eigenen Stil und vor allen Dingen meine eigene Sprache finde. Bei mir geht es schon viel um die Sprache und um Text. Da gibt es bestimmt vergleichbare Sachen und ein/zwei Vorbilder, z.B. Sven Regener von Element of Crime, den ich sehr gern mag und vielleicht noch zwei/drei andere, aber ansonsten hoffe ich immer, dass meine Musik nicht so zu vergleichen ist. Die Musik, die ich höre, weil ich wirklich so viel höre und auch viel hartes Zeug höre, hat nichts damit zu tun was ich für Musik mache.

Gibt es Differenzen in der Band, wenn deine Band so heißt wie du heißt – Bosse?

Bosse: Nein, weil das von vorneherein so war. Ich hab meine ganze Jugend über in Bands gespielt, die sich immer aufgelöst haben, weil z.B. der Bassist sich mit dem Schlagzeuger gestritten hat. Die erste Band hieß damals Hyper Jyper, da waren wir alle so 16/17 Jahre alt. Als sich die Band dann wegen kompletter Differenzen aufgelöst hat, war das auch der Grund, dass ich mir gedacht habe: Ich mach doch hier eigentlich Musik. Ich hab damals auch sehr wenig selbst geschrieben, ich hab es halt einfach nur gesungen, als Jüngster in der Band und als „Posterboy“. So war das damals. Daraus hab ich dann die Konsequenz gezogen und gesagt, ich möchte nie wieder in meinem Leben eine Band haben, außer wenn es darum geht, dass es ein Hobby ist. Aber wenn es irgendwie ernst wird und sich um Kohle, GEMA, Songschreiben, Texten gestritten wird, bin ich raus.

Und dann hab ich meine eigenen Lieder gemacht und hab mir Leute gesucht, die darauf Bock hatten auch keine Band zu haben und das ist eben meine Band. Jetzt ist es aber so, dass wir das seit zehn Jahren machen, und es kommt auch immer mal ein Trompeter oder eine Sängerin dazu, aber ich hab das Gefühl, dass wir mehr Bandgefüge haben, als die meisten anderen Bands, weil wir uns einfach nicht auf den Senkel gehen.

Ich mach ja meine Platten auch alleine ohne die Leute aus meiner Band. Manchmal ruf ich auch jemand an, aber eigentlich sind die komplett raus. Aber wenn es dann live losgeht, dann sind die auch ein ganzes Jahr bei mir und danach sind die auch wieder ein Jahr weg und damit kommen die auch alle klar.

Warum singst du in deiner Muttersprache?

Bosse: Weil ich weiß, dass ich einfach so einen schlimmen deutsch-englischen Akzent hab. Ich schreibe ziemlich viele englische Songs für englische Künstler, weil ich auch ganz gut Englisch spreche. Ich hab auch mal eine Zeit in London gewohnt. Aber, dass ich auf Deutsch singe hat den Grund, dass ich mich selbst und auch grundsätzlich deutsche Bands, die auf Englisch singen, einfach nicht hören kann.

Ich finde die englische Sprache auch so uneckig. Ich liebe eben die deutsche Sprache, weil sie so kracht und so eckig ist und man damit spielen kann. Manchmal findet man z.B. Reime, die total langweilig sind, dann reim ich sie oft auch einfach nicht und das mag ich, das find ich irgendwie gut.



Was verbindest du mit Österreich?

Bosse: Ich verbinde damit eigentlich in erster Linie Wien und Graz. Aber z.B. immer wenn ich in Salzburg bin kauf ich mir einen Hut bei einem Hutmacher in der Altstadt, weil ich es eben schön finde. Ansonsten find ich es einfach so gemütlich. Das ist glaube ich das richtige Wort. Ich finde Wien super, ich geh da gern aus, aber trotzdem hat das so etwas Unaufgeregtes im positiven Sinne. Das mag ich allgemein an diesem Land. Das mag ich aber auch an Zürich, das ist sich schon sehr ähnlich irgendwie. Ansonsten bisher vier Konzerte.

Wie oft warst du bisher in Wien?

Bosse: Privat schon öfter, also bestimmt schon so zwanzig Mal in meinem Leben. Ich hab ja auch früher viel Merchandise verkauft für andere Bands und Backliner gemacht und das waren dann auch immer mal größere Bands, da war ich dann super oft auch in Österreich.

Hast du schon mal Bekanntschaft mit dem Wiener Schmäh gemacht?

Bosse: Nein, eigentlich nicht. Ich war vor zwei Wochen erst in Wien, da war ich Schnitzel essen, ich hab nur leider den Namen des Restaurants vergessen, aber das war ein super Schnitzelladen, das mir auch fünf Leute unabhängig voneinander empfohlen haben.

Das wird das Schilling im siebten Bezirk gewesen sein.

Bosse: Ja, das war in so ner Gasse, neben so einer puffigen Bar.

Das ist in der Burggasse.

Bosse: Ja, dann ist das das wo ich gewesen bin und da hab ich gegessen und das war echt toll. Dort hab ich dann meine erste Erfahrung mit einem echten Ur-Wiener gemacht. Der sich sehr gefreut hat, dass ich Deutscher bin, weil er meinte, dass er der einzige Österreicher wär, der Deutsche mögen würde.

Wie fühlt es sich an auf so einem Festival zu spielen, dass doch eigentlich rocklastig ist?

Bosse: Ich wusste das gar nicht. Ich schau mittlerweile gar nicht mehr so wer da spielt. Ich fahr da einfach hin und lass mich überraschen. Und die Stereophonics sind mittlerweile ja schon fast poppiger als wir, da bin ich ziemlich gespannt und mit den Ohrbooten haben wir auch schon super oft gespielt.

Ich glaube unsere rote Bühne war schon so ein bisschen unsere Rettung. Hätten wir hier auf der blauen Bühne gespielt,… Die sind hier schon ein bisschen zu schwarz angezogen, haben keinen Bock auf Sonnenlicht und wollen einfach nur moschen. Das kann ich schon durchaus unterstützen, aber ich kann da mit meiner Musik nichts zu beitragen. Deswegen bin ich froh , dass ich auf dieser anderen Bühne gespielt hab und es ist aber auch nicht so, als ob ich das Gefühl gehabt hätte, dass das jetzt nur Idioten gewesen wären, die da vor der Bühne standen. Das waren sehr sehr viel tolle, nette Leute.

Aber auch die schwarz Gelockten sind ja ganz nette Leute.

Bosse: Das sowieso. Ich war ja mein ganzes Leben mit denen auf Tour. Bei mir ging meine Karriere eigentlich so los, dass ich mit zwölf Jahren mit Such a Surge auf Tour gegangen bin. Die kommen eben aus meiner Heimatstadt oder besser aus meinem Heimatdorf. Und meine Mutter hat auch immer ziemlich viel für die gearbeitet. Der Bassist von Such a Surge ist jetzt mein Manager, das ist alles so ein Familiengeschäft und ich kenn ihn eben schon lang. Also er ist mit mir aufgewachsen und ich hab mit denen angefangen und bin nach denen dann so rübergerutscht zu Pantera und zu verschiedenen Bands eben.

Wie kommt man dann vom Hardrock zu dem poetischen Rock-Pop, den du heute machst?

Bosse: Ich bin eben für alles offen und für mich geht eben nur das was für mich geht. Das was bei mir rauskommt, das mach ich dann am Ende auch und wenn ich ehrlich bin, dann ist das auch die Art von Musik auf die ich einfach komplett stehe. Es kommt aber auch jetzt ein bisschen mit dem Alter, dass ich irgendwie merke, es geht nicht mehr so laut, das macht mich fertig, psychisch und körperlich vor allem. Ich halt auf der Bühne mittlerweile am liebsten gar keine Gitarre oder eine Akustikgitarre, weil eine E-Gitarre ist mir einfach zu schwer, die macht mich fertig und ist mir einfach zu laut. Aber, ich finde, das hat auch alles seine Zeit.

Ich merk das auch einfach. Mein Publikum in Deutschland ist mittlerweile auch ein sehr großes und auch sehr bunt durchmischt. Die Leute die mein zweites Album, schon ein Rock’n’Roll-Album, geil fanden, die sind immer noch da, wegen der Texte vielleicht nur oder weil sie das ok finden. Es sind ein paar Ältere dazu gekommen und eben auch ein paar Jüngere und ich merke da schon, dass die auch alle Bock hätten auf ruhigeres Zeug. Da ich ja auch so gerne Texte schreibe, hatte ich immer das Gefühl, wenn ich jetzt zu hart werde, versteck ich mich hinter irgendwas. Dann verlier ich selber auch den Zugang dazu.

Schaust du dir heute noch was an auf dem Festival?

Bosse: Ich diskutiere gerade noch mit meinem Tourmanager, ob ich nicht vielleicht doch noch zu Deichkind bleibe, weil ich die auch schon viel zu oft gesehen hab.

Deren Performance hat ja mittlerweile auf der Bühne etwas vom ZDF Fernsehballett.

Bosse: Man darf das aber nicht unterschätzen, wenn so fünf/sechs dicke Leute, mit behaarten Bäuchen, mit dem Regenschirm tanzen, nackedei, dann ist das schon eine gute Sache. (grinst)

Danke dir für das Interview.