Conan-©-2011-Warner-Bros.

Conan

Conan der Barbar ist eine Legende. Nicht nur in der Comic-, auch in der Filmwelt erlangte die Figur des muskelbepackten Schwertkämpfers Kultstatus. Bezogen auf den Film ist das vor allem Arnold Schwarzenegger zu verdanken – oder vielmehr der Verfilmung von John Milius aus dem Jahr 1982. Nicht, dass es sich dabei um einen technisch und schauspielerisch guten oder besonders unterhaltsamen Film handeln würde (Crom bewahre!)…

Aber die Gesamtheit aus Bildkomposition,  Arrangement, Erzählhaltung und Schauspiel führte tatsächlich zu etwas, das man trotz oder vielleicht aufgrund aller Schlechtheit als grandioses Ergebnis bezeichnen kann. Ob gezielt oder unbewusst: Die Perspektiven haben Anspruch, die Dialoge sind beinahe philosophisch und die Erzählung episch.  Manche Bilder wirken poetisch, andere wie Stillleben oder Gemälde. Dank der vielen Nahaufnahmen und des expressiven Minenspiels fühlt man sich zeitweise gar an Stummfilme erinnert. Es gab dann noch weitere Conan-Verfilmungen, auch mit Schwarzenegger, aber keine erreichte den Status des Erstlings. Nun versuchte sich Regisseur Marcus Nispel an dem Stoff – natürlich zeitgemäß interpretiert, was auch 3D einschließt. Um es gleich vorwegzunehmen: Kult wird der Film keiner werden. All das voran Gesagte trifft auf diese Conan-Version nicht zu. Nichtsdestotrotz ist das Ergebnis erstaunlich. Wider Erwarten ist Conan nämlich ein solider Fantasy-Action-Film geworden.

Nachdem der junge Conan (beeindruckender Leo Howard) die Auslöschung seines Dorfes, inklusive Tod seines Vaters, miterleben muss, sucht er als Erwachsener (Jason Momoa) Rache an Khalar Zym und seinen Kriegern. Khalar Zym war in das Dorf gekommen um das letzte Stück einer zerbrochenen Schlangenmaske in seinen Besitz zu nehmen. Mit reinem Blut aus uraltem Geschlecht (Rachel Nichols als Tamara) kann die Maske aktiviert werden und damit die Herrschaft über alle Völker von Hyboria sichern. Hilfreich zur Seite steht ihm dabei seine hexenartige Tochter Marique (Rose McGowan).


 

Die Figuren und die Erzählung sind klassisch angelegt, ohne jedoch mit Pathos oder Kitsch zu übertreiben. Es wird nicht moralisiert und man will nicht super witzig sein. Das ist positiv, weil der Film damit nicht vorgibt etwas anderes zu sein, als er ist: ein unterhaltsamer Genrefilm. 3D ist in dieser Hinsicht völlig überflüssig – da gibt es sicherlich um Welten bessere Computerspiele. Die größte Stärke von 3D liegt in der Ausgestaltung von Architektur und Landschaft, aber die kommen in Conan nicht zum Tragen. Es geht vor allem um Kampf und Blut, und das bekommen die Zuschauer reichlich zu sehen.

Dabei wirkt die Machart fast schon anachronistisch, beispielsweise im Einsatz von Blutfontänen, die an Samurai- oder Splatter-Filme erinnern. Conan ist in der Tat barbarisch, Köpfe sowie alle möglichen anderen Körperteile werden abgeschlagen, Hirne verspritzt und es wird in Wunden gebohrt. Am Deutlichsten wirkt sein barbarisches Wesen aber in der Darstellung von Leo Howard, der Wut und Blutrausch des jungen Conan authentisch zum Ausdruck bringt. Der erwachsene Conan hingegen wirkt harmloser, agiert aber nicht weniger brutal. Momoas Schauspiel ist – trotz der verkümmerten Motorik und Mimik des ‚gestählten’ Körpers – passabel und einem Barbaren entsprechend. Auch wenn der Film in der zweiten Hälfte abflaut, bietet er alles in allem gute Unterhaltung – für Liebhaber dieses Genres. Die Kampf- und Blutszenen werden Fans solcher beglücken, zarte Seelen und schwache Nerven werden sich grausen.

Regie: Marcus Nispel, Drehbuch: Thomas Dean Donnelly, Joshua Oppenheimer, Sean Hood, Darsteller: Jason Momoa, Ron Perlman, Rose McGowan, Rachel Nichols, Laufzeit: 96 Minuten, Kinostart: 08.09.2011




  • Zapotek Plausmer

    wieso lässt man eine Frau „Conan“ beurteilen? Sprechen wir mit Schmetterlingen auch über den Winter?