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Wonne aus der Tonne: Der Liquidator

Nach dem hier zuletzt ja fast schon hochwertige, bzw. dem Arthouse-Kino zuordenbare Filme wie Raw oder Darling besprochen wurden, habe ich beschlossen, dass es für uns höchste Zeit ist, wieder mal tiefer im filmischen Grind zu wühlen. Und wer fiele einem in der Hinsicht besseres ein, als der Prototyp des harten Mannes schlechthin: Charles Bronson. Der Typ hat einfach ständig rot gesehen. Kaum eine dunkle Ecke, die er nicht betreten hätte. Kaum eine Art von Schweinebacke, der er keine Abreibung verpasst hat. Von unterster Schublade bis eigentlich durchaus achtbaren Streifen war alles dabei. Weshalb wir uns hier mal etwas aus der Mitte dieser beiden Pole herausziehen und genauer betrachten werden. Es ist …

Der Liquidator

OT: The Evil That Men Do, USA, 1984, Regie: J. Lee Thompson, Drehbuch: David Lee Henry, John Crowther, Darsteller: Charles Bronson, Theresa Saldana, Joseph Maher, u.a.

Holland (Charles Bronson) ist ein Auftragskiller im Ruhestand. Aus eben jenem wird er durch die Todesnachricht eines befreundeten Journalisten gerissen. Schuld am verfrühten Abnibbeln des Kollegen: Ein besonders perfider Doktor (Joseph Maher), der sich der Wissenschaft der Folter verschrieben hat – und jene an Regierungen im südamerikanischen Raum verkauft. So ein Schweinehund gehört natürlich aus dem Verkehr gezogen. Charly sieht also rot und fliegt nach Guatemala um den bösen Buben Mores zu lehren.

Zu allererst fallen einem bei Der Liquidator die wirklich schönen Locations auf, die dem ganzen Action-Haudrauf-Treiben eine angenehm abenteuerliche Komponente verleihen. Lange wegen seiner Gewaltdarstellungen verpönt, gilt dies als einer von Bronsons härtesten Streifen. Bei heutiger Ansicht haut das alles wohl niemanden mehr so richtig vom Hocker. Durchaus unangenehm ist jedoch gleich die Eröffnungsszene, bei der wir dem Doktor beim Foltern zusehen „dürfen“. Danach läuft alles ein wenig ruhiger ab. Einmal knallt’s dafür noch richtig, als Charly gegen Mitte des Films einem bösen Buben am Schwanz packt (!) und den so richtig durchknetet (!!), und … Ach was, das sollte man selbst gesehen haben, um es zu glauben!

Ich möchte mich jetzt gar nicht groß auslassen über die Fragwürdigkeit jener Selbstjustizstreifen. Ich hoffe mal, dass dies jedem mündigen Zuseher klar sein sollte. Interessant finde ich ja, dass ausgerechnet der olle Chuck Norris als die harte Wurst des Action-Kinos eingegangen ist. Und nicht er. Wo sind die Charles Bronson-Witze? Wo ist das große Revival? Warum hat niemand vor und niemand nach ihm diese unglaubliche Kombination aus Haarpracht und Schnurrbart getragen? Und warum hat er dauernd rot gesehen?

Doch zurück zum Liquidator. Jener markiert die 5. Zusammenarbeit zwischen Bronson und Regisseur J. Lee Thompson. Vier weitere sollten bis 1989 noch folgen. Dabei waren echte Granaten wie Ein Mann wie Dynamit, Verzichtbares wie der vierte Teil von Ein Mann sieht rot und auch unterschätzte „Perlen“ wie die Sleaze-Granate Kinjite. Letzterer blieb dabei ihr letzter gemeinsamer Film. Bronson schiebt dort einem Vergewaltiger einen Dildo in den Arsch. Kein Scherz. Sowas kriegt man heute nicht mehr zu sehen. Hach, wo sind diese Zeiten nur hin?

Also. Wer auf der Suche nach schöner, alter Hardboiled-Action-Kost ist, gepaart mit exotischen Locations und einem extra-harten einsilbigen Mann, der ist mit Der Liquidator bestens bedient. Wie mit fast dem gesamten Bronson-Filmkatalog. Ernst nehmen bitte nicht. Bier aufmachen auf jeden Fall.

Nach so viel Testosteron brauch ich jetzt mal eine Runde Glücksbärchis mit dem Nachwuchs. Wir lesen uns in zwei Wochen wieder. Bis dahin nicht rot sehen – aber seltsam bleiben!