Cheyenne-–-This-Must-Be-the-Place-©-2011-Delphi

Cheyenne – This Must Be the Place

9
Drama

Ein alternder Rockstar macht sich auf den Weg, die Vergangenheit seines Vaters zu ergründen- und begegnet dabei einer Menge schrägen Typen…

Cheyenne (Sean Penn) lebt mit seiner Frau Jane (Frances McDormand) in einer Villa und versucht mit den Nebenwirkungen seines ehemaligen Rockstar Lebens klar zu kommen. Da er seinerzeit wohl viele Drogen genommen hat, sieht er die Welt ein bisschen schräger als andere, dafür aber sehr charmant. Als ihm mitgeteilt wird dass sein Vater gestorben ist, macht er sich auf den Weg nach Amerika und stellt sich der Herausforderung, mehr über die Vergangenheit und das Leben seines Vaters zu erfahren. Dieser war zu Lebzeiten KZ-Häftling und nach dem Krieg stetig auf der Suche nach seinem alten Nazi-Peiniger. Cheyenne übernimmt diese Aufgabe etwas widerwillig von Nazijäger Mordecai Midler (Judd Hirsch) und begibt sich auf einen Roadtrip durch Amerika. Ob er dabei eine Antwort findet oder sogar sich selbst, sei letztendlich der Entscheidung des Zuschauers überlassen.


Abgesehen von der merkwürdigen Handlungsentwicklung, bietet „Cheyenne – This Must Be the Place“ wunderbare Bilder, grandiose Musik und amüsante Charakterstudien. Sean Penn verwandelt sich vollkommen in diesen Kindsköpfigen, abwesenden Ersatz Osbourne und verleiht damit den alltäglichen Abläufen eine neue Routine. Frances McDormand spielt die beste Ehefrau die man(n) sich wünschen kann und legt viel Herz in die ansonsten eher kleine Rolle. Die zufällig wirkenden Begegnungen sind gut inszeniert und werden von anschaulicher Cinematographie begleitet. Die „Sinnsuche“ ist eher eine Einstellungssuche, die den Zuschauer durch die verdrehte Perspektive miteinbezieht. Welche Ansichten zu welchem Thema, welche Einstellung zu welcher Moral gehört lässt sich eben nicht endgültig beantworten. Die Figur Cheyenne baut also Beziehungen zu seinem persönlichen Vorteil auf, dennoch haben letztendlich beide Seiten was davon.

Die Musik begleitet den Film sanft, aber stimmungsvoll. Während man über das Intermezzo mit Gastauftritt von David Byrnes sicher zweigeteilter Meinung sein kann, unterstreicht die Szene dennoch die Fehlbarkeit von nur einer Perspektive. Regisseur Paolo Sorrentino erschuf ein Werk, das sich auf das Erzählen an sich fokussiert und nicht auf die Notwendigkeit einer Handlung. Von daher macht die leichte Schwäche des Films in Bezug auf den Handlungsfaden auch nichts aus. Sorrentino bedient sich eindrucksvoller Bilder und leitet seine Schauspieler hervorragend auf dem schmalen Grat zwischen Drama und Komödie. Es gibt viele lustig-unsinnige Momente, die wiederum von traurig-unerklärten Momenten abgelöst werden. „Cheyenne – This Must Be the Place“ gibt genau eines nicht: Antworten auf die Fragen, die der Zuschauer sich während des Schauens stellen mag. Daher bleibt auch das Ende eine Erklärung schuldig, dennoch kann man das Kino sehr zufrieden verlassen.

Cheyenne – This Must Be the Place (This Must Be the Place): Regie: Paolo Sorrentino, Drehbuch: Umberto Contarello, Paolo Sorrentino, Darsteller: Sean Penn, Frances McDormand, Judd Hirsch, David Byrne, Länge: 118 Minuten, Kinostart: 06.01.2012




  • Ein super Film, der eine zum Schmunzeln und herzlich zum Lachen bringt! Und mit einem großartigen Sean Penn!

    • Ich bin eh schon sehr gespannt auf den. Hoff ich komm dazu, dass ich ihn mir noch im Kino anschau…

    • Da musst du aber schnell sein 😉 ich glaub, sie spielen ihn gar nicht mehr :(

  • hirngespinst

    Von wegen Handlungsspinnerei: Die empfinde ich gar nicht als Schwäche, sondern wesentlich für den Film, gibt ihm fast schon einen surrealistischen Touch. Aber: Gute Kritik!

    • Hanna

      Ich finde den Film toll, war nur etwas überrascht von den „Suprise Nazis“ – daher der Minuspunkt 😉
      Danke fürs Lob!