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Wonne aus der Tonne: Cut and Run

Liebe Filmenthusiasten, es ist wieder Zeit für eine besonders sleazige Runde Wonne aus der Tonne. Die 80er und Italien – das war schon eine besonders gelungene und schmierige Filmmischung. Während die fertigen Werke mit verlässlicher Regelmäßigkeit die Zensurbehörden auf den Plan riefen, freuten sich weltweit die Fans des wohlgefeilten Schmutzkinos. Manche dieser „Perlen“ dürfen inzwischen nach Jahren auf dem Index dem geneigten Zuseher wieder legal angeboten werden und erscheinen nun remastered in vollem Glanz (oder Dreck). Wie auch im vorliegenden Fall. Folgt mir auf eine besonders schweißtreibende Runde in den kolumbianischen Dschungel mit …

Cut and Run

OT: Inferno in diretta, Italien, 1985, Regie: Ruggero Deodato, Drehbuch: Cesare Frugoni, Dardano Sarchetti, Mit: Lisa Blount, Leonard Mann, Richard Lynch, Michael Berryman u.a.

Mitte der 80er Jahre fliegt die Reporterin Fran (Lisa Blount) mit ihrem Kameramann Mark (Leonard Mann) nach Kolumbien, auf der Suche nach dem vermissten Sohn eines Fernseh-Produzenten. Dort tobt ein brutaler Drogenkrieg und die Beiden finden sich inmitten aller Fronten. Der undurchsichtige, totgeglaubte Colonel Horne (Richard Lynch) hat mit den einheimischen Indios zum Kampf gegen das Drogenkartell geblasen. Bald machen jene auch Jagd auf das heldenhafte Reporter-Duo.

Cut and Run von Ruggero Deodato ist ein Film, wie er eindeutig nur in den 80ern des vergangenen Jahrhunderts möglich war. Er vereint Elemente aus Apocalypse Now und Deodatos übelkeitserregenden Mega-Hit Cannibal Holocaust und mixt diese mit einer guten Portion Action, Abenteuer und Splatter. Dabei geht der Film so ganz und gar nicht zimperlich vor und die Köpfe und Eingeweide fliegen einem nur so um die Ohren. Dass das Ganze weit, weit weg von jeder politischen Korrektheit ist, versteht sich von selbst. Dafür bürgt das Filmjahrzehnt mit seinem guten Namen. Deodato zeigt dabei, dass er ein erstaunlich versierter und stilistisch recht „amerikanischer“ Filmemacher ist, der sein Handwerk bestens versteht.

Überhaupt gibt es hier handwerklich (bis auf kleine Drehbuch-Schnitzer) wenig zu bemängeln. Die Kameraführung des frühverstorbenen Alberto Spagnoli – dessen letzter Film Cut and Run war – ist erstklassig und fängt die exotische Kulisse wunderbar ein. Gedreht wurde übrigens in Venezuela und nicht Kolumbien, da dort der reale Drogenkrieg auf seinen Höhepunkt zusteuerte und drehen vor Ort schlicht und ergreifend nicht möglich war. Claudio Simonetti von der berühmten Synthie-Rock-Band Goblin steuerte einen Spitzen-Soundtrack bei. Laut eigenen Aussagen hält er jenen für einen seiner gelungensten Arbeiten. Auch darstellerisch läuft alles ziemlich rund. Hervor sticht vor allem einmal mehr Parade-Bösewicht Richard Lynch (Die Barbaren, Invasion U.S.A., etc.). Der ist zwar kein Marlon Brando, aber in seiner ähnlich angelegten Rolle zum Colonel Kurtz aus Apocalypse Now kann er vollkommen überzeugen. Kurios ist die Besetzung von Michael Berryman (The Hills have Eyes) als Anführer der Indios – ist der Mann doch unübersehbar ein weißer Amerikaner. Doch seine markante Physis, die er einer ektodermalen Dysplasie verdankt, eignet sich auch hier hervorragend.

Alles in allem ist Cut and Run ein auf Zug inszenierter Action-Splatter-Film, der gut gealtert ist und auch heute noch bestens unterhält. Am besten natürlich im Kreis der Lieben mit einer guten Auswahl gekühlter, alkoholischer Getränke zu genießen. Nur nicht den Kopf verlieren. Bis zum nächsten Mal und bleibt seltsam!