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Wonne aus der Tonne: Spuren auf dem Mond

Hallo liebe Freundinnen und Freunde des absonderlichen Filmgeschmacks!

Es wird ernst in der Tonne. Mit Trommelwirbel eröffnen wir Platz 3 unserer Top 10 Gialli aus der 2. Reihe. Ab sofort reden wir hier nicht mehr von kuriosen Randerscheinung im filmhistorischen Hintereck, sondern von beinhart verkannten Geheimtipps, die sich alle Interessierten nicht entgehen lassen sollten. Also mit viel Getöse – hier ist Platz 3:

Spuren auf dem Mond

OT: Le Orme, Italien 1975, Regie: Luigi Bazzoni, Drehbuch: Luigi Bazzoni, Mario Fanelli, Darsteller: Florinda Bolkan, Peter McEnery, Lila Kedrova, Klaus Kinski, u.a.

Die Dolmetscherin Alice (Florinda Bolkan) erwacht, nach einer vierminütigen Traumsequenz, die auf dem Mond spielt und einen Astronauten zeigt, der von seinem Raumschiff zurückgelassen wird. Alice hat keine Erinnerungen an die vergangenen drei Tage. Die Suche danach führt sie in ein Hotel auf der Insel Garma. Dort scheint Alice sehr bekannt zu sein unter den Angestellten, Gästen und anderen Einwohnern der Insel, allerdings unter dem Namen Nicole. Hat sie etwa eine Doppelgängerin? Immer mehr seelische Abgründe tun sich auf, während Alice verzweifelt versucht die verlorenen Tage zu rekonstruieren.

Spuren auf dem Mond ist eine wunderbare Randerscheinung im Zuge der Giallo-Welle. Audio-visuell ein absolutes Meisterwerk, entfaltet sich die Geschichte Zeit- und Genretypisch recht gemächlich. Jedoch wird die Spannungskurve gekonnt nach oben gedreht, bis hin zum tragischen Finale.

Hauptdarstellerin Florinda Bolkan liefert eine großartige Performance ab und trägt den Streifen gekonnt beinahe allein auf ihren Schultern. Es ist wahrscheinlich die Beste ihrer, an Höhepunkten nicht armen, Karriere. Die Brasilianerin wurde 1967 von Luchino Visconti zur Schauspielerei gebracht. Sie legte insofern eine beachtliche Karriere hin, da sie sowohl in einer Reihe künstlerisch hochwertiger Filme mitwirkte, ebenso wie in derben Nonnen-Sexploitation Trashstreifen – und dennoch immer eine gute Figur machte.

Regisseur Luigi Bazzoni trug 1971 bereits mit Ein schwarzer Tag für den Widder (mit Franco Nero) einen äußerst gelungenen Genre-Vertreter bei. Hier läuft er zu voller Form auf. Fotografiert in wunderschönen Bildern von Oscar-Preisträger Vittorio Storaro (Apocalypse Now) und unterlegt von wundervoller, hypnotischer Musik von Nicola Piovani. Spuren auf dem Mond blieb übrigens Bazzonis letzter Spielfilm.

Das wunderbare Label Koch Media hat den Film 2016 in einer schönen Liebhaber-Edition herausgebracht, die aber aufgrund ihres geschmalzenen Preises dem Film wahrscheinlich nicht viele neue Freunde einbringen konnte. Dennoch höchst empfehlenswert für alle Interessierten. Und wen das alles noch nicht überzeugt hat: Klaus Kinski ist auch dabei. In einer kleinen, aber bedeutsamen Rolle.

Noch zwei Mal, dann ist diese Top 10 komplett. Also freut euch mit mir auf Platz 2. Bis dahin seid lieb zueinander und bleibt seltsam.

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