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Wonne aus der Tonne: Road House

Sehr geehrte Leserschaft mit Neigung zum gepflegten Schundfilm: Die 80er Jahre, das waren die Jahre, in denen Männer wieder zu echten Kerlen wurden. Es war die Zeit von Tom Selleck und Burt Reynolds (Abteilung Schnurrbart), Sylvester Stallone und Arnold Schwarzenegger (Abteilung Muskel), David Hasselhoff und Chuck Norris (Abteilung Brusthaar). Und dann gab es auch noch ihn: Patrick Swayze. So ganz ins Bild wollte er ja nicht passen. Aber wenn er nicht grad dirty rumgetanzt hat, hat er derbe ausgeteilt und in ein paar durchaus beachtlichen Action-Gurken mitgewirkt. Und das hier ist seine Beste:

Road House

OT: Road House, USA 1989, Regie: Rowdy Herrington, Drehbuch: David Lee Henry, Hilary Henkin, Darsteller: Patrick Swayze, Kelly Lynch, Ben Gazzara, Sam Elliott u.a.

Dalton (Patrick Swayze) ist professioneller Rausschmeißer mit Uni-Abschluss in Philosophie (hach … die 80er). Er ist der beste seiner Zunft und bekannt dafür, einen diskreten, aber wenn’s denn schon mal sein muss, auch handfesten Umgang mit Konflikten zu haben. Sein neuester Auftrag: das schäbige Double Deuce, das vor allem Taugenichtse aller Art anzieht, zu entlausen und einer gepflegten Image-Politur zu unterziehen. Dalton macht seinen Job so gut, dass er zum einen mächtig Eindruck bei der Ärztin Elizabeth (Kelly Lynch) schindet, sich aber auch gleichzeitig den Ärger des ortsansässigen Capo einer mafiösen Organisation, Brad Wessley (Ben Gazzara), zuzieht …

Von eingeölten Bodys, die im orangefarbenen Sonnenlicht fernöstlicher Kampfkunst frönen, über einen einschlägigen Soundtrack, bis hin zu in Blautönen gehaltenen Bettszenen – Road House spielt alle Stücklein der 80er Kinematografie. Der hanebüchene Plot, auch das ist schwer 80er, dient dabei natürlich nur als Mittel zum Zweck. Regisseur Rowdy Herrington macht seinem Vornamen alle Ehre und lässt Daltons Fäuste und Füße ordentlich in die Gesichter seiner Gegner krachen. Politisch natürlich schwer fragwürdig, ist der Streifen eine meiner allerliebsten Selbstjustiz-Gurken, aus einem wahrlich an Selbstjustiz-Gurken nicht armen Filmjahrzehnt.

Es ist wahnsinnig unterhaltsam, Patrick Swayze beim Aufräumen zuzusehen. Den Philosophie-Abschluss nimmt man ihm und dem Drehbuch natürlich zu keiner Sekunde ab. Aber er liefert dennoch eine durchaus sympathische und körperlich beeindruckende Performance ab. Schauspielerisch steht ihm der um Welten überlegene Ben Gazzara als Bösewicht gegenüber. Keine Ahnung was die Produzenten zur Wahl des ernstzunehmenden Charakterdarstellers Gazzara gebracht hat. Oder im Umkehrschluss, was ihn selbst dazu bewogen hat, hier mitzuwirken. Vielleicht wollte er mal was Neues ausprobieren. Der „Lohn“ war eine Nominierung bei der Goldenen Himbeere als „Schlechtester Nebendarsteller“. Insgesamt brachte es der Film auf fünf Nominierungen bei dem Schmähpreis. Neben Gazzara war auch noch Swayze selbst (Schlechtester Hauptdarsteller) nominiert, sowie der Film in den Königskategorien „Schlechtester Film“, „Schlechteste Regie“ und „Schlechtestes Drehbuch“ – konnte aber schließlich in keiner Kategorie „gewinnen“ (Das Jahr gehörte Star Trek V: Am Rande des Universums).

Dass der Film dermaßen schlecht rezipiert wurde, ist nach heutiger Ansicht kaum zu verstehen, weil er ein wirklich nostalgisches und gut unterhaltsames Seherlebnis bietet. Nie langweilig, die Action gut choreografiert. Auch die eine oder andere Härte ist eingebaut. Apropos Härte. Der Film erhielt in Deutschland damals von der FSK eine Freigabe ab 18 und war ab 1991 wegen angeblicher Jugendgefährdung sogar indiziert. 2001 erfolgte die Streichung vom Index und seitdem darf man den Film in unserem Breitengrad sogar ungekürzt ab 16 Jahren genießen.

Das war Platz 6 unserer Top 10 der unterschätzten Genre-Filme der 80er Jahre. Bleibt gespannt was noch aus der Welt der neonfarbenen Schulterpolster-Sakkos auf uns zukommt! Bis dahin seid freundlich und bleibt seltsam!

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