PS-Vita-©-2012-Sony

Playstation Vita

Kein Bereich der Videospielindustrie befindet sich derzeit in einem turbulenteren Strom der Weiterentwicklungen als der Handheldmarkt. Eine unüberschaubare Anzahl an tragbaren Geräten buhlt um die Aufmerksamkeit der mobilen Gamer, deren Vorstellungen immer weiter auseinanderdriften, während die Industrie versucht, mit Innovation neue Zielgruppen zu erschließen.

Nachdem im letzten Jahr Nintendo mit seinem 3D-fähigen 3DS-Handheld seinen Zug gesetzt hat, kontert Sony 2012 mit dem eigenen. Die 2005 erschienene PSP hat ausgedient und wird ersetzt durch einen technologisch zeitgemäßen Nachfolger. Die brandneue PS Vita präsentiert sich wie man es von Sony gewohnt ist: Statt wie die Mitbewerber Nintendo oder Apple mit einer ganz gezielten Vision aufzuwarten, hat der japanische Konzern einfach ein gewaltiges Technologiepaket geschnürt und überlässt es den Entwicklern, die Kreativität daraus zu schöpfen. Warum also PS Vita? Eines der vermutlich wichtigsten Features an dem Neuzuwachs der Playstationfamilie sind die Dual-Analogsticks.

Kein anderes Gerät auf dem Markt bietet derzeit diesen ausgereiften Kontrollmechanismus (grauenvolle Hardware-Add-ons sind davon natürlich ausgeschlossen), den sowohl Gamer als auch Developer seit vielen Jahren hartnäckig einfordern. Das alleine macht die PS Vita schon zum idealen Gerät für ausgewachsene Gaming-Konzepte sowie (profitable) Ego-Shooter-Erlebnissen, die sich vor den Konsolenvätern keinesfalls scheuen müssen. Das Gerät liegt gut in der Hand, vor allem die Sticks zeichnen sich durch erfreulichen Komfort aus – auch wenn die Bedienungselemente recht filigran sind und das Gerät selbst nicht allzu ergonomisch, so daß sich in längeren Spielsessions eine gewisse Ermüdung einstellen kann. Ebenfalls auszeichnend ist die Rechen-Power, die in dem recht groß bemessenen Gerät steckt.


Ganz an eine PS3 kommt die grafische Qualität zwar nicht, aber allein die Tatsache, dass man mehrmals hinsehen muss, um das zu bestätigen, spricht für die Überlegenheit gegenüber anderen mobilen Geräten. Ein brillantes, großflächiges OLED Display unterstützt dabei den visuellen Genuss optimal. Ansonsten rundet Sony seine PS Vita mit allen möglichen Gimmicks ab, so daß sie sich in kaum einem Aspekt hinter anderen Geräten verstecken muss – Hervorstechend ist allerdings keines davon. Das Multi-Touchpad wird von einem einfachen Userinterface unterstützt; Rückseiten- und Front-Kamera sind von mittelmäßiger Qualität; ein zusätzliches Touchpanel an der Hinterseite der PS Vita sorgt für die dringend notwendige eigene Note (dessen Zweckmäßigkeit erschließt sich aus den Launchtiteln allerdings nur sehr begrenzt); WiFi- bzw. Netzwerkfeatures erlauben es dem Spieler den Spielspaß mit verschiedenen Social-Features zu erweitern und Motion-Sensoren sind ebenfalls integriert.

Es ist allerdings nicht so, dass die PS Vita auf allen Gebieten restlos zu überzeugen weiß, denn wer in den Genuss dieser ausgereiften Technologie kommen möchte, hat erstmal einige bittere Pillen zu schlucken. Die wohl größte Enttäuschung ist dem Handheld-Fetischisten durchaus nicht neu: Genau wie bei Nintendos neuem Handheld ist die Batterielebenszeit der PS Vita schlichtweg eine Zumutung. Sobald großzügige drei Stunden vergangen sind ist der Spaß auch schon wieder vorbei. Warum man also die imposanten Spielerlebnisse für die eine PS Vita steht nicht gleich zu Hause auf dem großen Bildschirm erlebt ist eine berechtigte Frage.


Wer mit dem Gedanken spielt, den Akku zu wechseln, kann sich das ebenfalls aus dem Kopf schlagen, denn der ist fest im System verankert. Ebenfalls unerfreulich ist die Entscheidung von Sony, für die PS Vita ein neues proprietäres Memorycard Format herauszubringen – in den Kaufpreis von € 249,– sollte man demnach noch eine Speicherkarte einberechnen. Interessanter ist jedoch die Neuigkeit, dass die etwas teurere 3G-Version, die es ermöglicht, auch ohne Wi-Fi Zugang online zu gehen, an keinen Mobilfunkanbieter gekoppelt ist. Abwärtskompatibilität ist nur begrenzt möglich, denn alte PSP UMDs werden nicht mehr unterstützt, aber immerhin die im PSN erworbene PSP Titel können gespielt werden. Geteilter Meinung kann man über die Größe des Geräts sein, ein lässiges Zubehör für die Hosentasche ist die PS Vita keinesfalls. Das Fazit ist demnach ein gemischtes.

Die PS Vita ist technologisch solide aufgestellt und mit seiner Fülle an Features mit Sicherheit für viele Jahre ausgelegt. Das Gerät bietet für den geneigten Early-Adopter den notwendigen Eyecandy-Effekt, das Launch-Lineup ist solide, wenn auch nicht allzu hervorstechend. Es macht aber auch durchaus Sinn, noch ein wenig abzuwarten und zu sehen, wie sich die Lage entwickelt bzw. der Handheld am Markt zu positionieren weiß. Für eine bedingungslose Kaufzwang-Empfehlung ist es aber definitiv noch etwas zu früh.

Technische Daten:
  • Modellnummer: PCH-1000-Serie
  • CPU: ARM® CortexTM-A9-Core (4-Core)
  • GPU: SGX543MP4+
  • Arbeitsspeicher:512 MB VRAM: 128 MB
  • Äußere Abmessungen: ca. 182,0 x 18,6 x 83,5 mm (BxHxT)
  • Gewicht: ca. 279 g (3G/Wi-Fi-Modell), ca. 260 g (Wi-Fi-Modell)
  • Bildschirme: 12 cm (16:9), 960 x 544, ca. 16 Mio. Farben, OLED-Multi-Touchscreen, kapazitiv
  • Rückseiten-Touchpad: Multi-Touchpad, kapazitiv
  • Sechs-Achsen-Sensorensystem
  • 3G Modem: HSDPA/HSUPA, GSM/GPRS/EDGE
  • IEEE 802.11 b/g/n (Wireless) (Infrastruktur-/Ad-hoc-Modus)
  •  Bluetooth® 2.1 + EDR (A2DP/AVRCP/HSP)