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Life of Pi – Schiffbruch mit Tiger

Einen Roman auf Zelluloid zu bannen der als unverfilmbar gilt, scheint die neuste Disziplin unter zeitgenössischen Filmemachern zu sein…

Nachdem schon die Wachowski Geschwister und Tom Tykwer mit Cloud Atlas den Griff in den Karton mit der Aufschrift „Nicht zur Verfilmung geeignet“ gewagt haben, versucht sich nun auch Ang Lee an einer als nicht umsetzbar geltenden filmischen Adaption eines Romans.

Der taiwanesische Regisseur nahm sich dem im Jahre 2001 erschienen Besteller Life of Pi von Yann Martel an. Die Geschichte handelt von zwei Schiffbrüchigen, die sich einen 227-tägigen Überlebenskampf auf dem pazifischen Ozean liefern. Einer der beiden Überlebenden ist der 16-jährige Piscine „Pi“ Molitor Patel (Suraj Sharma). Der Sohn eines indischen Zoodirektors konnte sich nach dem Untergang des Schiffs, welches Pi’s Familie nach Kanada bringen sollte, als einziger vor dem Unwetter und seinen verheerenden Folgen retten. Doch Pi ist nicht allein, denn auch der aus dem elterlichen Zoo stammende bengalische Tiger „Richard Parker“ konnte sich vor den Gefahren der tobenden See auf das Rettungsboot flüchten. Diese ungewöhnliche Konstellation bleibt natürlich nicht ohne Konsequenzen.

Life of Pi – Schiffbruch mit Tiger möchte in erste Linie vom Leben und all seinen Facetten erzählen. Sozusagen ein visuelles Herantasten an die großen Fragezeichen der Philosophie. Es versteht sich von selbst, dass nicht die physikalische Auseinandersetzung zwischen Pi und Parker im Vordergrund steht, sondern die dadurch vermittelte Botschaft über das menschliche Dasein. Die Frage nach dem Sinn des Lebens wird dabei genauso aufgegriffen, wie der Zweck nach religiösen Handlungen. Leider stößt der Film durch diesen Anspruch schnell an seine eigenen Grenzen. Es wird zwar versucht Tiefgründigkeit zu suggerieren, doch scheitert das Machwerk dabei an der Komplexität der Themenvielfalt und driftet dadurch in die Trivialität ab.

Ang Lees zwölfte Regiearbeit ist dennoch nicht vollkommen misslungen, denn Life of Pi – Schiffbruch mit Tiger ist rein handwerklich gesehen ein Meisterwerk. 127 Minuten die nur so vor Effekthascherei und anderen Spielereien strotzen und damit den Zuschauer in rein visueller Hinsicht schnell in seinen Bann zieht. Der wirklich fabelhafte Einsatz der 3-D Technologie führt sogar soweit, dass sich die eigene Aufmerksamkeit immer weiter von dem streckenweisen sehr schwachen Plot distanziert. Lees filmische Interpretation des Martel Bestellers schafft vor allem eins und zwar die Messlatte für alle nachfolgenden 3-D Filme sehr hoch anzusetzen.

Doch was am Ende von Life of Pi – Schiffbruch mit Tiger übrig bleibt, ist lediglich eine aufwendig gestaltete äußere Hülle, die vollkommen Inhaltslos ist. Unterhaltsames Blockbuster Kino lässt sich nun einmal nicht mit Existenzphilosophie paaren.

Regie: Ang Lee, Drehbuch: David Magee, Darsteller: Suraj Sharma, Irrfan Khan, Tabu, Rafe Spall, Gérad Depardieu, Filmlänge: 127 Minuten, Kinostart: 26.12.2012