The Running Man
Wer hat heuer einen Lauf im Kino? Stephen King hat einen Lauf im Kino. The Running Man ist bereits die vierte Verfilmung eines King`schen Stoffes in diesem Kinojahr. Und gelaufen wird in Edgar Wrights Umsetzung auch viel. Also läuft für den Meister des Horrors, könnte man sagen.
Endstation Menschenjagd
Ben Richards (Glen Powell) lebt in der nahen Zukunft in einer totalitären USA in Armut und Elend. Seine Babytochter ist schwer krank, seine Frau und er haben nicht genug Geld in der Tasche, um richtige Medikamente zu besorgen. Um an Geld ranzukommen, bewirbt sich Richards bei einer der menschenverachtenden TV-Shows, bei denen Kandidaten gegen Geldleistung geschunden werden. Ausgerechnet für das brutalste Format, The Running Man, wird er ausgewählt. 30 Tage muss er auf der Flucht überleben, gejagt von fünf Jägern, die ihn bei Sichtkontakt sofort töten würden. Die ganze Nation ist dazu aufgerufen, bei der Jagd mitzuhelfen und seinen Standort zu verraten, sollte man ihn sehen. Überlebt Richards die 30 Tage winkt eine Milliarde Doller. Doch es wird natürlich nicht mit fairen Mitteln gespielt.
No Place to hide
The Running Man ist einer jener Romane, die Stephen King zu Beginn seiner Karriere unter dem Pseudonym Richard Bachman veröffentlichte. Menschenjagd heißt der zugrundeliegende Roman auf Deutsch. Dieser wurde bereits 1987 mit Arnold Schwarzenegger verfilmt. Diese Verfilmung hielt sich allerdings, bis auf die Grundidee der tödlichen Gameshow, so gut wie gar nicht an die Vorlage und servierte einen schrillen B-SciFi-Actionfilm, der über die Jahre zum Kult verkam.
Es dauerte also bis ins Jahr 2025, bis sich Edgar Wright dem nihilistischen Stoff annahm und eine – diesmal weitgehend werkgetreue – Verfilmung in die Wege leitete. Statt Schwarzenegger wird diesmal Glen Powell gejagt. Entgegen mancher Befürchtungen macht der einen durchaus soliden Job als Actionheld. Schwarzenegger wiederum bekommt eine witzige Reminiszenz spendiert.
In der ersten Hälfte funktioniert Wrights Umsetzung ziemlich gut. Der Film legt ein starkes Tempo vor, ist spannend inszeniert und bietet die eine oder andere witzig-böse Sozialkritik. Erinnert dabei ein wenig an Paul Verhoevens Science-Fiction-Filme RoboCop und Starship Troopers. In der zweiten Hälfte zerfasert The Running Man aber plötzlich erstaunlich schnell, hält sich zu lange auf uninteressanten Nebenschauplätzen auf, tritt auf der Stelle, bevor die Medienkritik im Finale dann mit der großen Keule kommt. Beim Finale hat man dann auch wieder nicht den Mut gehabt All-in zu gehen und man bekommt ein weichgespültes Ende spendiert.
Über weite Teile ist The Running Man der typische Edgar Wright-Film. Er ist bunt, poppig, schnell, hat einen coolen Soundtrack und sieht insgesamt sehr gut aus. Mit der etwas zu genauen Werktreue tut sich der Film allerdings hinten raus keinen Gefallen und ist mal wieder gute 20 Minuten zu lang. Somit ist The Running Man letzten Endes nicht der schwächste King-Film dieses Jahres – dieses Siegel darf der zwar ganz witzige, aber sehr seichte The Monkey für sich vereinnahmen – steckt aber doch deutlich zurück, hinter den sehr guten Verfilmungen von The Long Walk und The Life of Chuck. Hier wäre definitiv mehr drinnen gewesen. Einmal anschauen kann man natürlich trotzdem.
Regie: Edgar Wright, Drehbuch: Michael Bacall, Edgar Wright, basierend auf einem Roman von Stephen King, Darsteller: Glen Powell, Josh Brolin, Emilia Jones, Katy O`Brien, Michael Cera, Lee Pace, Colman Domingo, Filmlänge: 133 Minuten, Kinostart: 13.11.2025








