Niemand erfüllt deine Wünsche
Niemand erfüllt deine Wünsche sammelt elf der besten, teils veröffentlichten, teils unveröffentlichten Erzählungen von Erik R. Andara in einem Band.
Von Monster und Menschen
In der Titelgeschichte entdeckt eine verzweifelte und verletzte Frau ein gefangenes Wesen, das bereit wäre, ihr zu helfen. Natürlich hat alles seinen Preis. In Die sieben Leben eines Kriegers findet man den wohl ungewöhnlichsten Protagonisten dieser Sammlung wieder. In gewisser Weise eine überraschende Interpretation eines “unzuverlässigen Erzählers”. Aber auch klassische Ermittlungen in einer Welt, die von real in bizarr abgeglitten ist, finden sich in dem Erzählband wieder. Ob Der tiefe Schlaf, Notruf aus dem Scherbenviertel oder Die Farbe Tod, hier zeigt sich, dass Andara auch Noir beherrscht, lässt die Geschichte aber gleichzeitig in seinem ganz eigenen Universum spielen. Der Penkor Apeiron-Komplex beinhaltet mit Johannes der Zweifler und Die Monster dieser Stadt die zwei längsten und aktuellsten Erzählungen und zudem eine originelle Inklusion des Cyberpunk-Genres.
Niemand erfüllt deine Wünsche zeigt das Schaffen von Erik R. Andara quasi auf das Essentiellste verkürzt (im positiven). Es entführt den Leser in die Welt des Autors, die oftmals nur ganz minimal unserer Realität entrückt, aber doch grundlegend verschieden ist. Oftmals sind es Kleinigkeiten und Nuancen und ganz nahtlos, ohne es als Leser zu merken, gleitet man plötzlich in eine surreale und bizarre Welt. Oft merkt man es bewusst gar nicht, weil Andara so gekonnt erzählt, dass man in den Geschichten wie gefangen ist, aber unbewusst merkt man es, fühlt es, irgendwas ist auf einmal anders. Und ehe man weiß, wie einem geschieht, gibt es Träumende Konsuln und am Himmel fliegende Wale. Jede einzelne Geschichte, so unterschiedlich sie sein mögen, fühlen sich zusammengehörig an. Andara arbeitet einmal mehr sein ganz eigenes weirdes Universum aus.
Für mich allerdings stellte sich die Sache inzwischen völlig klar dar: die Rationalität der menschlichen Zivilisation auf diesem Planeten war endgültig unterlegen und die Absurdität regierte allumfassend. Nicht, dass die menschliche Spezies jemals über ein nennenswertes Maß an Rationalität verfügt hätte. Der Wahnsinn hatte die Klauen von Anfang an fest in den Homo Sapiens geschlagen gehabt und uns von den Steinhöhlen bis in die glitzernden Türme der Träumenden Konsuln heutzutage erbarmungslos an den Rand der Auslöschung gerissen – oder sollte ich besser sagen, in den Alptraum ohne Aussicht auf Erwachen?
Das Grauen schleicht sich in die Geschichten ein. Oft leise und wie aus den Augenwinkeln wahrgenommen, trotzdem spürt man es die ganze Zeit über. Mit der Welt stimmt etwas nicht mehr. Und zwar grundlegend. Wer bereits Romane (Das alte Haus am Nordrand, Der Holmgang) oder Erzählungen (Und über allem der Hunger) kennt, der wird sich in Niemand erfüllt deine Wünsche gleich wieder wie zu Hause fühlen. Andara beherrscht sein Metier so gekonnt, es wäre durchaus denkbar, dass er in ein paar Jahren oder vielleicht auch erst in Jahrzehnten zu seinem eigenen Genre wird. Ähnlich wie ein Franz Kafka oder H.P. Lovecraft. So oder so ist er ein Autor, der sich durch seine konstante Qualität und hohe erzählerische Dichte auszeichnet, und als Schriftsteller etabliert, der noch lange Zeit gelesen werden wird. Und das absolut zurecht.
Niemand erfüllt deine Wünsche von Erik R. Andara, 236 Seiten, erschienen bei Nighttrain.
