Odysseus (c) 2024 Jacques Lob, Georges Pichard, Avant Verlag(2)

Odysseus

Die Odyssee ist eine der bekanntesten und am häufigsten wiederverwerteten Erzählungen der Literaturgeschichte – mit Adaptionen in wirklich jedem denkbaren Medium. Im Jahr 1968 schickten sich der Texter Jacques Lob und der Zeichner Georges Pichard an, eine moderne, zeitgemäße Adaption im Comic zu erarbeiten.

Pop-Art-Sci-Fi

Die Geschichte um die Irrfahrten des Odysseus ist wohl hinlänglich bekannt. Nach zehn Jahren Kampf in Troja ist die Schlacht geschlagen, die Griechen haben gewonnen. Odysseus macht sich mit seinen Gefährten auf die Rückreise übers Meer zur Insel Ithaka. Es soll noch einmal weitere zehn Jahre dauern, bis er zu seiner geliebten Frau Penelope zurückkehrt. Und was er bis dahin alles erlebt, erfahren wir auch zwischen diesen Buchdeckeln.

Die Arbeit an dieser Adaption wurde Lob und Pichard vom Club français du livre in Auftrag gegeben, ohne weitere Vorgaben. Als die beiden nach einiger Zeit ihren Auftraggebern erste Resultate lieferten, waren diese entsetzt. Die vielen nackten Körper, die mehr als unterschwellige Erotik sowie die Tatsache, dass die Götter hier eine Alien-Zivilisation mit Raumschiffen und Space-Kanonen sind, das war ihnen damals dann doch zu viel.

Hippies, Zyklopen, Circe

Über Umwege nach Italien und andere Eskapaden erschien Odysseus bis 1974 dann doch noch und konnte schließlich von den Autoren zu Ende gebracht werden. Die Veröffentlichung stellte somit beinahe schon eine eigene Odyssee dar. Die Gnade der Spätgeborenen zeigt: Wir können das Ganze nun in einem Rutsch, völlig unzensiert genießen.

Der Avant Verlag brachte eine hübsch aufgemachte Gesamtausgabe des Stoffs heraus. Die Ausgabe ist, wie immer, hochwertig verarbeitet und mit einem informativen Nachwort versehen. Der starke Zeichenstil von Pichard – Pop-Art auf dem Weg zu Schwermetall – ist damals wie heute der größte Trumpf dieser psychedelischen Odyssee.

Doch auch Lobs Skript soll nicht ohne Lob bleiben. Der Autor hatte große Ideen, blieb dennoch eng an der Vorlage und schafft jede Menge Raum für Zwischentöne. Etwa auch im dramatischen Finale, in dem Penelope und Odysseus erkennen müssen, dass die zwanzig Jahre der Trennung sie unweigerlich auseinanderdriften ließen. Der Mann ist zurück, aber irgendwie doch nicht. Odysseus ist ein kleines, funkelndes Comic-Juwel, das definitiv in jede gehobene Heimbibliothek gehört.

Odysseus von Jacques Lob und Georges Pichard, 160 Seiten, erschienen im Avant Verlag.

Odysseus

Odysseus (c) 2024 Jacques Lob, Georges Pichard, Avant Verlag




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