Zu den Wurzeln – Eine Planthologie
In Zu den Wurzeln – Eine Planthologie beschäftigen sich die Autorinnen in 16 Kurzgeschichten mit der Zukunft und dem Zusammenleben von Mensch und Pflanze.
Keimlinge der Hoffnung
Zu den Wurzeln versammelt unterschiedlichste Geschichten. Egal ob auf der Erde, fremden Planeten oder auf Raumschiffen, ob voller Technik oder nach der Zerstörung, sie alle haben trotzdem eine Gemeinsamkeit. Abseits vom offensichtlich zusammenhaltenden Thema der Pflanzen, ist es die Hoffnung, die in all den Geschichten immanent spürbar ist. Und das ist erfrischend schön, das muss man so sagen. Es tut gut, mal nicht dauernd von Zerstörung und Aussichtslosigkeit zu lesen. Wobei es durchaus auch in Zu den Wurzeln Zerstörung gibt, doch selbst da zeigt sich, dass es, wo Wachstum (meist in Form von Pflanzen) existiert, auch ein Keim der Hoffnung vorhanden ist, dass das Leben nicht vollständig verschwinden wird.
Die beiden Herausgeberinnern Birgit Schwäbe und Ingrid Pointecker haben in ihrer Auswahl der Geschichten ein gutes Händchen bewiesen. Was sich hier bietet ist eine Erkundung unterschiedlicher Szenarien, wie mit und durch Pflanzen eine Zukunft möglich ist. Eine Zukunft, die den von Menschen geschaffenen Kollaps überwinden könnte. Nicht alle diese Geschichten spielen dabei auf der Erde. Darin sind die Hoffnung für unsere Heimat wohl zu grabe getragen, doch man lernt eventuell aus den Fehlern und macht es auf dem nächsten Planeten besser – auch wenn das der guten alten Erde wohl nicht mehr viel bringen wird, aber wer weiß.
Mittlerweile bin ich überzeugt: wenn der Mensch so was wie eine Seele hat, dann ist die beste Pflege, sie regelmäßig im Grünen zu lüften. Einmal die Meisen beobachtet, mit den Fingern in der Erde gegraben und die Frösche quaken gehört und plötzlich ist da so viel mehr Weite in meiner Brust, in die ich hinein atmen kann.
Zu den Wurzeln ist eine wunderbare Anthologie mit ganz fabelhaften Geschichten. Naturgemäß gibt es bei solchen Kurzgeschichtensammlungen immer wieder Ausrutscher, vereinzelte Geschichten, die einem nicht gefallen, und das ist letztlich immer Geschmackssache. Hier wird man sich aber wohl schwer tun, Geschichten zu finden, die nicht in diese Sammlung passen, denn sie alle sind von hoher erzählerischer Qualität und voller Einfallsreichtum. Manche der Stories wirken sogar so, als wären sie aufeinander abgestimmt. Unabhängig davon, ist Zu den Wurzeln eine Anthologie, die man nicht zuletzt dank des enorm wichtigen Themas einfach lesen sollte. Egal ob alle Geschichten hintereinander und auf einen Schwung oder verteilt über Tage und Wochen, man bekommt definitiv was geboten.
Zu den Wurzeln – Eine Planthologie herausgegeben von Birgit Schwäbe und Ingrid Pointecker, erschienen im Verlag ohneohren.

Zu den Wurzeln – Eine Planthologie (c) 2026 herausgegeben von Birgit Schwäbe und Ingrid Pointecker, Verlag ohneohren
Die Geschichten:
- Sabine Frambach: Alfie
- An Brenach: 347 Sprossen
- Dominique Goreßen: Mimulus fortuna
- Chaoseule und LiaSchattenfell: Nemus Novum
- M. R. Seibert: Die Blüten der Mars-Katastrophe
- Chris Balz: Per Terrena ad Astra
- Mina Schüttmann: Epiphyten
- Britta Redweik: Seelenverwandt
- Charline Winter: Das Gewächshaus am Rand der Realität
- Fenja Harbke: Internet of Plants
- Carina Zacharias: Fürchtet uns, denn wir gebären Wälder
- Katrin Biasi: Um Haarwurzelbreite
- Saskia Dreßler: Vergessen und Erinnern
- Martina John: Tagewerk
- Kiàn KoWananga: Ribbeck
- Johanna Brenne: Die Dalonie