Conjuring-Die-Heimsuchung-©-2013-Warner-Bros.

Conjuring – Die Heimsuchung

8
Horror

Manche Träume werden wahr. Wenn es sich dabei um einen Alptraum handelt, hält sich die Freude darüber allerdings in Grenzen. Mit Conjuring – Die Heimsuchung inszeniert James Wan Horror nach einer wahren Begebenheit.

Im Mittelpunkt des Films steht das Ehepaar Ed (Patrick Wilson) und Lorraine Warren (Vera Farmiga), die als Dämonologen und Spukforscher parapsychologische Aktivitäten untersuchen und darüber in Vorlesungen an Universitäten berichten. Ihr wohl bekanntester Fall war der des Amityville-Mörders. Ihr schrecklichster war jedoch Die Heimsuchung, wie uns der Film erzählt.

Das Ehepaar Carolyn (Lily Taylor) und Roger Perron (Ron Livingston) zieht im Jahr 1971 mit ihren fünf Töchtern in ein Haus in Harrisville, Rhode Island. Überraschenderweise finden sie dort einen mit Holzbrettern verbarrikadierten Keller. Nachdem sie ihn geöffnet haben, treten merkwürdige Ereignisse ein. Alle Uhren bleiben in der Nacht um dieselbe Zeit stehen, in Räumen verbreitet sich ein modriger, fauliger Geruch, die Mutter entdeckt blaue Flecken an ihrem Körper. Immer mehr und immer furchterregendere Vorkommnisse veranlassen die Eltern, das Ehepaar Warren um Hilfe zu bitten. Als diese in das Haus kommen, werden sie mit einer Vergangenheit und mit paranormalen Erscheinungen konfrontiert, die alles übertreffen, worauf sie jemals gestoßen sind.


Der australische Regisseur James Wan (Saw, Insidious) gilt als eine der großen Hoffnungen des wiederholt zu Grabe getragenen Horrorgenres. Tatsächlich ist Wans Stil weniger deshalb innovativ, weil er dem Genre Neues hinzufügt, als vielmehr weil er auf einen subtilen Einsatz von Altbewährtem setzt. Schon in Insidious (zur Kritik) verstand er es, eine sich spannungsvoll verdichtende Atmosphäre aufzubauen. Auch in Conjuring verstärkt sich die unheimliche Stimmung im Haus immer mehr. Einstellungen und Kameraschwenks, in denen die Imagination der Zuschauer ausgereizt wird, produzieren zunehmends ein Gefühl schauriger Vorahnung. Einzelne Zugriffe erzeugen Anspannung und Schockmomente, noch bevor die Dämonen zur Gänze in Erscheinung treten. Sicheres Schauspiel sorgt zudem dafür, dass die Emotionen auch beim Publikum ankommen. Das Ehepaar Warren ist mit Vera Farmiga und Patrick Wilson sehr gut besetzt.

Mit dem Eintreffen der Dämonologen in dem Haus vollzieht Wan eine stilistische Wendung. Es ist wie ein Thriller, den Warrens bei der Arbeit zuzusehen. Während zuvor einzelne Bewohner den Attacken schutzlos ausgeliefert sind, begibt sich nun eine geschlossene Gruppe mit modernen Mitteln in Form von Bild- und Ton-Aufnahmegeräten und in Begleitung eines Polizisten auf die Jagd nach den Geistern. Wan beschleunigt das Geschehen und lässt es auf einen Showdown zulaufen. Auf dem Weg dorthin bedient er sich dem Style der 1970er und bei Legenden wie Die Vögel, Poltergeist oder Der Exorzist.

Dieser klassische Mix wirkt überraschend gelungen, manchem – wie der Funktion und Geschichte der Warrens – hätte das Drehbuch aber noch mehr Platz einräumen können und anderes erscheint zu deutlich der Konstruktion halber platziert. Nichtsdestotrotz ist Conjuring ein stilistisch und atmosphärisch überzeugender Horrorfilm, der unterhaltsamen Grusel, Schock und Unbehagen garantiert. Auch wenn offene Fragen und einige Ungereimtheiten ein wenig Unzufriedenheit hinterlassen, angesichts der Ankündigung einer Fortsetzung ist zu erwarten, dass sich einige Lücken beim nächsten Teil schließen werden. Anknüpfungspunkte dafür gibt es genug.

Regie: James Wan, Drehbuch: Chad Hayes, Carey Hayes, Darsteller: Vera Farmiga, Patrick Wilson, Lili Taylor, Ron Livingston, Shanley Caswell, Hayley McFarland, Joey King, Laufzeit: 112 Minuten
Kinostart: 01.08.2013, 
wwws.warnerbros.de/theconjuring




  • spinnwebwald

    Anfangs tatsächlich etwas unheimlich, aber mit dem Fortschreiten des Filmes immer berechnender und so vorhersehbar……
    Und alles hat ein gutes Ende – poah

    • Marco

      Ja, das ist leider ein Problem, mit dem viele Horrorfilme heutzutage zu kämpfen haben, finde ich. Zumindest fallen mir wenige ein, die ab einem gewissen Zeitpunkt nicht vorhersehbar werden, leider.

      Na ja, das mit dem guten Ende: haben leider auch viel zu viele (gerade) Horrorfilme. Dabei sollte man meinen, dass besonders dieses Genre dazu prädestiniert ist eben kein Happy End zu liefern!

    • Martina Z

      Na ja, so gut ist das Ende dann doch nicht. Es ist noch einiges offen und die letzte Szene zeigt, dass zwar ein Problem gelöst ist, aber man sich quasi ein anderes ins Haus geholt hat.
      Stimmt, so richtig überraschend ist an dem Film nichts. Ich finde aber auch, dass das Unheimliche am Anfang klassischen Mustern folgt. Ich wüsste auch nicht, wie das Genre aus seiner oft beklagten Sackgasse rauskommen sollte. In dem Fall finde ich sie aber gar nicht so schlimm.

  • Marco

    Klingt zur Abwechslung nach einem recht sehenswerten Horrorfilm.

    • Martina Z

      Ja, vor allem bis zur Sichtung der Geister ist es wirklich creepy. Ganz persönlich fand ich ihn aber gar nicht so zum Fürchten, zumindest den zweiten Teil – wahrscheinlich, weil ich Exorzismus generell nicht gruselig finde. Gut gemacht jedenfalls.

    • Marco

      Ich denke mir halt auch, dass es gegenwärtig einfach wenig gutes im Horror-Genre, von daher sind meine Erwartungen nicht sonderlich hoch, wenn ich über einen neuen Horrorfilm höre.

      Bei Paranomral Activity haben sie damals gemeint, dass es einer der ärgsten Horrorfilme ist, die es gibt … ich fand ihn extrem langweilig.

      Warum sind die Geister dann eine Enttäuschung?

      Ja, gut, Exorzismus … das hat mich nicht mal bei Der Exorzist interessiert, geschweige denn, dass ich es zum Fürchten fand.

    • Martina Z

      Die Geister waren in dem Sinne gar keine Enttäuschung. Ich finde es nur immer gruseliger, wenn man sie nicht sieht. Wenn sie dann in ganzer Gestalt auftreten, werden sie so konkret, dass sie für mich an Schrecken verlieren. Sie sind dann irgendwie mehr Monster als Gespenster und Monster finde ich gar nicht so sonderlich furchterregend, meistens jedenfalls. Und die Filme gehen dann oft weg vom subtilen Grauen hin zu mehr Action, was eine andere Art der Spannung erzeugt. Aber das muss nicht enttäuschend sein. Hier hat es ganz gut funktioniert.

    • Marco

      Ja, das versteh ich. Das nimmt meistens viel weg. Und wie du sagst, ist eine andere Art der Spannung.
      Vor allem tendieren Monster Filme oft dazu weniger Wert auf Spannung dafür mehr auf Schock- und Schreckmomente zu setzen. Die einem zwar kurz „reißen“, aber nicht die Spannung nicht die ganze Dauer über aufrecht erhalten können.