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BioShock Infinite

Bring us the Girl and wipe away the debt“ – die Aufgabenstellung des dritten Teiles in der BioShock-Franchise klingt simpel genug, doch wie Kenner der Serie wissen: In der Welt von Irrational Games ist nichts wie es scheint.

Vorbei sind die Zeiten von Rapture (der Unterwasserstadt der vorhergehenden Teile) – zumindest für den Anfang, denn dieses Mal erkundet man die Welt von Columbia. Die Stadt über den Wolken, die sich von Amerika abgespalten hat, weil jenes einfach nicht „amerikanisch“ genug war, vereint Vorstadtidylle mit Dieselpunk zu einer beeindruckenden Szenerie mit Atmosphäre: Blumen, Feste, mechanische Pferde auf der einen, Armut, Propaganda und Segregation nach dem Grundsatz „separate but equal“ auf der anderen Seite. Columbia will erkundet werden und der Spieler wird durch zahlreiche Voxophones (Audio-Aufzeichnungen), die wie gewohnt einen tieferen Einblick in die Geschichte verschaffen, für seine Anstrengungen belohnt.


 

Protagonist der Geschichte von BioShock Infinite, die im Jahr 1912 spielt, ist Booker DeWitt, der das bereits eingangs erwähnte „Girl“ namens Elizabeth zurück nach New York bringen soll. Im Laufe der Geschichte wird der Spieler in die sich anbahnenden Konflikte der Stadt gezogen – Klassenkämpfe und Bürgerrechtsbewegungen – während man immer mehr über das zu rettende Mädchen erfährt.

All diese Ereignisse spiegeln sich auch im Stadtbild, in Elizabeths Kleidung und in der Musik wider: Je düsterer die Story wird, desto düsterer wird auch die Szenerie selbst; je actionreicher die Ereignisse, desto zerschlissener sind Elizabeths Kleider. Neuinterpretationen von bekannten Popsongs werden wiederum von Mozarts Requiem abgelöst. BioShock ist zudem bekannt für seine Storytwists: Mittlerweile geht der Spieler an jeden neuen Teil des Franchise mit der festen Erwartung an einen Wendepunkt heran. Gelungene Überraschungen können da schwer fallen, doch wenn der Twist den schlussendlich kommt, werden die meisten Spieler doch nicht darauf gefasst sein – Mission gelungen.

Obwohl es in BioShock: Infinite um die Rettung Elizabeths geht, gestaltet sich das Spiel keinesfalls wie eine große, von vielen Spielern ge- bzw. befürchtete Escort-Mission. Elizabeth ist nämlich einer der hilfreichsten AI-Charaktere in der Spielgeschichte: Sie versorgt den Spieler mit Munition, Salt (dazu gleich mehr),Health Packs und Geld außerhalb und auch während der Kämpfe, außerdem ist sie auch im Schlösser knacken begabt. Sollte der Spieler sterben, belebt sie diesen praktischerweise auch gleich wieder. Booker DeWitt stehen eine Vielzahl an Waffen – von der Shotgun bis hin zu Raketenwerfern ist hier alles vertreten – zur Verfügung, für die man auch verschiedenste Upgrades kaufen kann. Außerdem kann er mit Hilfe von Salt sogenannte Vigors benützen – diese stellen Fähigkeiten wie beispielsweise „Geschütztürme hacken“ dar (man denke dabei an die Plasmide aus den beiden Vorgängern).

Kämpfe in BioShock Infinite sind schnell und dynamisch, was vor allem an den Sky-Lines (Metalschienen) liegt, die sich über die ganze Stadt erstrecken. Der Spieler kann sich während eines Feuergefechtes an eine Sky-Line oder einen Haken hängen, um danach auf einem (weit entfernten) Hausdach Position zu beziehen. Dies erhöht nicht nur die Dynamik des Spieles, sondern auch die taktische Vielfalt. Leider kann es manchmal vorkommen, dass es sich ein Gegner zur Lebensaufgabe macht, vor dem Spieler wegzulaufen und sich zu verstecken, so ist man dann gezwungen, auch die letzte Nische des Raumes abzusuchen, bevor man etwa einen Tresor öffnen kann.

Doch sind diese Fehler selten und beeinträchtigen somit das Spielerlebnis nicht allzu sehr. Sollte der Spieler eine größere Herausforderung wollen, steht neben den üblichen drei Schwierigkeitsgraden noch der „1999 Mode“, den man wahlweise durch einmaliges Durchspielen oder Eingabe des Konami Codes im Hauptmenü freischalten kann, zur Auswahl. Dieser Modus beeinflusst Dinge wie Munition, Gesundheit oder die mögliche Anzahl der von Elizabeth vorgenommenen Wiederbelebungsversuche.

Mit BioShock Infinite bringt Irrational Games bereits früh in diesem Jahr eines der besten Spiele 2013 auf den Markt. Auch wenn Infinite nicht durch Spiellänge glänzt, sind die in Columbia verbrachten Stunden eine der besten Zeitinvestitionen in Sachen Videospielvergnügen überhaupt. Nach erstmaligem Beenden wird es also sicher nicht lange dauern, bis der Spieler erneut in die Welt von Columbia eintauchen will.

Plattform: Xbox 360 (Version getestet), PS3, PC, Spieler: 1, Altersfreigabe (PEGI): 18, Release: 26.03.2013, www.bioshockinfinite.com