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Les Misérables

8
Musical

Die Elenden kämpfen den Kampf gegen die Misere und können dabei nur von einem gerettet werden: der Liebe.

Die umfangreiche Handlung beginnt damit, dass Jean Valjean (Hugh Jackman) Brot stiehlt um seine Familie zu ernähren und dafür ins Gefängnis wandert. Als Insasse ist er aufsässig, weswegen ihm Inspektor Javert (Russell Crowe) nach seiner Freilassung das Leben durch unmögliche Bewährungsauflagen schwer macht. Durch ein Geschenk Gottes – ein Haufen Silberkelche eines Klosters, gelangt Valjean zu Reichtum und baut sich ein Unternehmen auf, bis er unter neuem Namen angesehener Mitbürger seiner Gemeinde ist.

Doch Javerts Streben nach Gerechtigkeit, wie fehlgeleitet es auch sein mag, lässt ihn nicht ruhen und so verfolgt er Valjean noch viele Jahre. Dieser hat sich inzwischen der Tochter einer seiner verarmten Fabrikarbeiterinnen angenommen. Er versucht mit ihr zu fliehen, doch  die junge Cosette (Amanda Seyfried) lernt den Revolutionär Marius kennen und verliebt sich in ihn. Marius wird währenddessen von Eponine (Samantha Barks) angehimmelt, die sich von den unehrlichen Wegen ihrer Eltern, das Ehepaar Thenardier (Sasha Baron Cohen und Helena Bonham Carter), abwendet und beschließt ihm und der Revolution zu helfen. Auch Valjean wird in den Strudel um Recht und Gerechtigkeit gezogen, bis es auf den Barrikaden zur letzten Konfrontation kommt.


Diese noch kurze (!) Zusammenfassung des berühmten Romans von Victor Hugo kann kaum erfassen, worum genau es eigentlich geht. Tom Hooper hat sich vorgenommen ein bombastisches Musical zu verfilmen und er tut dies mit epischen Bildern und schauspielerischer Freiheit. Die Leistung des Ensembles ist beeindruckend und hebt sich von normalen Musicalfilmen ab. Die Liveaufnahmen geben den Schauspielern großen Spielraum und man ist gerne bereit zu verzeihen, dass einige Töne dabei eher gequetscht davon kommen. Die Kameraführung und Inszenierung wirken dabei jedoch sehr ähnlich wie bei Moulin Rouge, kombiniert mit einem klassischen Mantel-und-Degen Film. Besonders wenn es regnet und das Wasser an den hübschen Gesichtern hinunter läuft, darf man sich auf dramatische Szenen gefasst machen. 

Die umfangreiche Handlung zu komprimieren und filmtauglich zu machen war jedoch sicher keine einfache Aufgabe und bedient mit berühmten Schauspielern ein größeres Publikum. Während Russell Crowes Gesang mitunter zweifelhaft ist, damit aber auch zu seiner Rolle passt, ist die Broadway geübte Samantha Barks eine erfrischende Ergänzung des Ensembles. Ein Film ist nicht an minutenlange Monologe gewöhnt, dennoch kommen die Stimmen besonders in den Massenszenen gut zusammen und lassen einem am Morgen der Revolution Schauer über den Rücken laufen.

Zwischen all dem Drama kommen Sasha Baron Cohen und Helena Bonham Carter gerade Recht als dringend gebrauchter Comic Relief: Die beiden stehlen, lügen und singen sich amüsant durch ihre Szenen und erleichtern so ein bisschen die Elendsbilder des 19 Jahrhunderts. Das Lied zum Aufruf der Massen „Can you hear the people sing“ wäre in Zeiten von Arbeitslosigkeit, Bankencrashs und schlechter Krankenversicherung gerade in Amerika sicher einen guten Occupy-Wallstreet Flashmob wert.

Victor Hugos Romanvorlage konzentriert sich darauf, dass die guten Taten einer Gesellschaft die schlechten überwiegen müssen um einem Schicksal als „Elender“ zu entgehen. Diese Weisheit vermag Les Misérables besonders zum Ende schön zu vermitteln. Während der Film also leichte Probleme mit Klischees und Überdramatisierung hat, gewinnt er sicher den Guilty Pleasure Award. Selbstverständlich ist  geraten, Les Misérables nur zu schauen wenn man tatsächlich etwas für Musikfilme übrig hat. Für alle anderen könnte das sonst recht anstrengend werden.

Regie: Tom Hooper, Drehbuch: William Nicholson, Claude Michel Schönberg, Alain Boublil, Darsteller: Anne Hathaway, Russell Crowe, Hugh Jackman, Helena Bonham Carter, Amanda Seyfried, Samantha Barks, Filmlänge: 157 Minuten, Filmstart: 22.02.1013, www.lesmiserables.at