The-Impossible-©-2012-Constantin

The Impossible

8
Drama

Verfilmungen realer Katastrophen neigen oft zu verklärten Heldenbildern und übertrieben sentimentalen Geschichten. Nicht so im Fall von The Impossible. Ein unscheinbarer Film, der einen aber mit ungeahnter Wucht packt, überwältigt und erstaunt zurück lässt…

The Impossible erzählt die Geschichte der Familie Bennett. Maria (Naomi Watts), ihr Mann Henry (Ewan McGregor) und deren Söhne Lucas (Tom Holland), Thomas (Samuel Joslin) und Simon (Oaklee Pendergast) genießen in einem Urlaubshotel in Khao Lak, Thailand ihre wohlverdienten Ferien und feiern dort ihr Weihnachtsfest. Was wie ein behaglicher, wunderbarer Traumurlaub beginnt, verwandelt sich zu einer der schlimmsten Naturkatastrophen jüngster Vergangenheit, als ein Erdbeben im indischen Ozean einen Tsunami von ungeahnten Ausmaßen auf die Küsten loslässt.


Im Zentrum des Films steht der Überlebenskampf der durch die Katastrophe getrennten Familie Bennett. Er schafft es dadurch, die Verzweiflung und Angst der anderen Betroffenen widerzuspiegeln. Schnell wird klar, dass sie nicht die einzigen Überlebenden sind und auch wenn der Regisseur Juan Antonio Bayona die anderen Schicksale nur streift, gelingt es ihm dennoch ihnen nicht ihre Bedeutung zu nehmen. Es geht nicht darum, wer mehr gelitten hat und wem schlimmeres widerfahren ist – alle Überlebenden sind vereint in ihrem Trauma und der schweren Aufgabe, mit dem das sie durchgemacht haben, fertig zu werden.

Bayona gelingt mit seinem Werk etwas Beeindruckendes. Er erreicht es eine zutiefst menschliche Geschichte zu erzählen, ohne in Kitsch und Klischees zu verfallen, sondern sich auf die Glaubwürdigkeit und Wahrheit seiner Figuren zu verlassen. Seine Inszenierung führt dem Zuschauer nicht nur die schier unglaubliche Naturgewalt an sich vor Augen, sondern auch die verheerenden Auswirkungen und die Probleme, mit denen die Menschen danach zu kämpfen haben. Seine Bildsprache verkommt niemals zum Selbstzweck, sondern ist stets auf seine Protagonisten, die Umgebung und die Handlung fokussiert. Mit ein Grund, warum The Impossible gänzlich von langatmigen Stellen verschont ist.

Aber es liegt auch an den Schauspielern. Naomi Watts in einer Tour-de-Force-Performance, die ihr zu Recht eine Oscar-Nominierung beschert hat, ist zwar der Mittelpunkt des Films, aber Ewan McGregor und vor allem die Kinderdarsteller, stehen ihr in ihrer Leistung in nichts nach. McGregor beweist einmal mehr, was für ein hochkarätiger Schauspieler er sein kann, wenn man ihm die richtige Rolle gibt. Tom Holland lässt hier ein schauspielerisches Potenzial erahnen, dem hoffentlich noch viele derart intensive Darstellungen folgen werden – sein Spiel ist schlichtweg atemberaubend, vor allem wenn man bedenkt, wie jung er noch ist (16 Jahre). Die anderen beiden Jungdarsteller haben zwar nur kleinere Rollen, spielen aber ebenfalls herausragend.

The Impossible ist zwar nichts für schwache Gemüter, gibt es doch die ein oder andere recht grausame Szene (es hält sich aber in Grenzen) und ist zudem gerade in emotionaler Hinsicht ein sehr aufrüttelndes Filmerlebnis. Aber ein Erlebnis, das sich auf alle Fälle lohnt. Juan Antonio Bayona hat sich mit diesem Streifen definitiv als ein Regisseur etabliert, den man in Zukunft im Auge behalten sollte.

Regie: Juan Antonio Bayona, Drehbuch: Sergio G. Sánchez, Darsteller: Naomi Watts, Ewan McGregor, Tom Holland, Samuel Joslin, Oaklee Pendergast, Laufzeit: 114 Minuten, Filmstart: 01.02.2013, http://theimpossible-movie.com/




  • Martina Z

    So, jetzt hab ich ihn gesehen und ich muss sagen, ich finde den Film in mehrerlei Hinsicht erstaunlich. Erstens einmal ist er sehr emotional, womit ich mir immer etwas schwer tue. Zweitens gibt es ein paar Drehbuch-Details, die typisch Hollywood sind. Drittens sind die Special Effects nicht immer gelungen. Doch erstaunlicherweise hatte ich trotzdem den Eindruck, dass all das den Film nicht zerstört, sondern einen nötigen Kontrast erzeugt zwischen der Brutalität der Inszenierung und der Fiktion, dem Märchen, das dargestellt wird. Die Inszenierung spielt damit, macht immer dann einen Schwenk, oft ins Gegenteil, bevor es unerträglich wird. Ein bisschen zwiegespalten bin ich trotzdem noch, aber ich glaube auch, vor allem den Regisseur sollte man im Auge behalten.

    • Marco

      Wieso bist du noch zwiegespalten? 😉 Hat dich der Film nicht vollends überzeugt?

      Was sagst du zu den schauspielerischen Leistungen?

    • Martina Z

      Ich weiß nicht, ob es nicht doch etwas zu viel von allem ist und hätte mir vielleicht in manchen Szenen weniger Pathos gewünscht. Wobei ich dann eben wieder dachte, dass so eine Extremsituation wahrscheinlich sogar noch mehr davon produziert. Deshalb zwiegespalten.
      Die schauspielerische Leistung hat mir gut gefallen. Überraschend fand ich Naomi Watts (deren Schreckdarbietung aus King Kong mir immer noch im Magen gelegen ist). Sie ist perfekt in der Rolle und spielt sehr überzeugend. Bei Tom Holland hat man gar nicht das Gefühl, dass er spielt, viel ist einfach in seinem Gesicht lesbar. Allesamt ergeben sie auch eine stimmige Familie – man könnte halt auch anmerken, dass sie etwas zu schön um wahr zu sein sind, aber das ist wohl Geschmackssache. Als ich am Ende das Foto der spanischen Familie gesehen habe, war ich etwas irritiert über den Gegensatz. Man könnte ihn wohl den Gegensatz zwischen Film und Wirklichkeit nennen.

  • Martina Z

    klingt vielversprechend und steht ganz oben auf meiner filmliste. bin gespannt.

    • Marco

      ja, bin neugierig was du dazu sagst.