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DmC: Devil may Cry

Die betäubende Reizüberflutung der Weihnachtssaison ist gerade ausgeklungen, da ringt schon der erste große Blockbuster aus 2013 um Aufmerksamkeit. Devil May Cry ist zurück, bereits zum fünften Mal bittet Capcom die erfolgreiche Serie an den Start. Diesmal hüllt sich der dämonische Protagonist Dante allerdings in den brandneuen Mantel eines Reboots. Ähnlichkeiten mit altbekannten Charakteren der Reihe existieren bestenfalls noch namentlich.

Ausgerechnet im eher ramschigen Playstation All Stars Battle Royale (zur Kritik) fand Dante als runderneuerter Action-Held vor ein paar Monaten sein Debüt. Mit dem neuen Look schreckte er aber nicht nur die eingefleischten Fans schon längere Zeit: Ein junger, hipper Grünschnabel lies sofort eine kreative Kommerz-Katastrophe befürchten – man fragte sich also nur noch, wie sehr sich im Endprodukt der Schaden in Grenzen halt wird.

Um nicht allzu überrascht von der Antwort zu sein genügt ein Blick hinter die Fassade: Verantwortlich für das DmC Remake zeigt sich das Studio Ninja Theory das zuletzt mit der enormen Qualität des Uncharted-Verschnitts Enslaved (zur Kritik) aufhorchen ließ. Vorurteile verschwinden anstandslos, sobald das britische Studio die Welt von DmC: Devil may Cry mit der selben Kunstfertigkeit mit authentischen, „lebenden“ Charakteren bevölkert, die auch schon bei Enslaved die Kritikerherzen höher schlagen ließ. Das trashige B-Movie Flair der vergangenen Teile weicht einem rasant geschriebenen, stets kompetent gespielten Plot, der sich selbst niemals zu ernst nimmt und damit die perfekte Begleitung durch den action-lastigen Spielablauf darstellt.


 

Dante selbst ist ein „Nephilim“ – halb Dämon, halb Engel – und schickt sich sehr bald an, die Ermordung seiner Mutter durch den Dämon Mundus zu rächen. Dabei gilt es Stück für Stück dessen weitreichendes Imperium zu zerschlagen: Er kontrolliert die Menschheit über Medien, die Finanzwelt und halluzinogene Softdrinks, wodurch sich langsam die abwechslungsreichen Kulissen des Spektakels aneinanderreihen. Und vor allem diese Kulissen sind es, die aus DmC: Devil may Cry ein spektakuläres Ereignis machen. Dante taucht zum Dämonenmeucheln in den „Limbo“, eine beinahe bis zur Unkenntlichkeit verzerrte Version der Realität, in der sich die Designer völlig hemmungslos austoben konnten. Zeitliche und räumliche Verzerrungen verleihen den Albtraum-artigen Umgebungen so viel entsetzlichen Charme, dass den grauenhaften Dämonen, die ebenfalls kaum abstoßender und grotesker daherkommen könnten, beinahe die Schau gestohlen wird. DmC schafft es alleine mit seiner unendlich verspielten, visuellen Vielfalt zum Meisterwerk und bietet an jeder Ecke völlig neue Impressionen.

Das Gameplay muss sich aber nicht hinter dieser Finesse verstecken: Das Kämpfen fällt rasant, präzise und äußerst befriedigend aus. Dante baut sehr schnell ein großes Arsenal an Waffen auf, die sich im Kampf ohne Aufwand miteinander zu aberwitzigen Kombos zusammenfügen. Die Handhabung dieser Waffen weist mit ihren Animationen ebenfalls ein beispielloses Verständnis für Kinetik und Physik auf, wodurch DmC das gesamte Hack’n’Slash Genre beschämt hinter sich stehen lässt. Wie gewohnt ist es das Um und Auf des Geschehens, seine Wertung zu verbessern – je länger der Kombo, desto besser das Ergebnis, was auch auf Dauer sehr unterhaltsam bleibt. Zudem kann Dante mit seinen neuen Fähigkeiten jederzeit alte Missionen erneut besuchen und versteckte Items und Missionen finden, die das erste Mal vielleicht unerreichbar waren. Nur ab und an kommt ein wenig Frust auf, wenn die ungenaue Zielmechanik den stetigen Spielfluss etwas zum stolpern bringt. Nicht zuletzt muss dann noch der Soundtrack eine Erwähnung finden. Neben gewohnt anarchischen Metal-Einlagen wurde er primär von Noisia beigesteuert und hilft mit seinen Dubstep-lastigen Tracks dem ganzen Werk eine zeitgemäße Note einzuhauchen.

Dieses Devil May Cry Remake wird es wohl schwer haben, den Spieler wie erwartet zu enttäuschen. Mit seiner imposanten Dämonenwelt funktioniert das Geschehen auf so vielen Ebenen, dass selbst die früheren Teile der Serie beinahe in Vergessenheit geraten. Vielschichtig, trotzdem zielgerichtet; hip, trotzdem tiefgängig; sexuell provokativ, trotzdem selten pubertär. DmC: Devil may Cry gelingt es – bis auf ein paar kleine Mängel im Gameplay – in allen Bereichen die perfekte Balance zu halten und schafft es damit gleich im Januar zur ersten großen Referenz, an der sich kommende Action-Spiele erst messen müssen.

Plattform: PS3 (Version getestet), Xbox 360, PC, Spieler: 1, Altersfreigabe (Pegi): 16, Release: 15.01.13