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Der Hobbit – Eine unerwartete Reise

5
Fantasy

Ein Halbling aus dem Auenland zieht in ein Abenteuer und begegnet dabei jeder Menge finsterer Gestalten. Hatten wir schon? Ja, aber drei Teile Der Herr der Ringe sind noch nicht genug, die Welt braucht noch einmal so viele vom Hobbit – meint zumindest Peter Jackson…

The Hobbit (Der kleine Hobbit) bildet den von J. R. R. Tolkien 1937 publizierten Einstand in die Sagenwelt von Mittelerde. Als Kinderbuch konzipiert, erzählt es die Geschichte von Bilbo Beutlin (Martin Freeman), der sich mit Gandalf (Ian McKellen) und dreizehn Zwergen unter der Führung von Thorin Eichenschild (Richard Armitage) zum Einsamen Berg, Erebor, aufmacht, wo er helfen soll Burg, Berg und Schatz vom Drachen Smaug zurückzuerobern. 


Jackson, der den Posten des Regisseurs nach Abdankung von Guillermo del Toro wieder übernahm, setzt in seiner Adaption auf Altbewährtes, das nur in technischer Hinsicht Neues verspricht. Fast schon altbacken muten Erzählgestus, Stimmung und Dramaturgie an. Als hätte sich die Drehbuchriege aus Jackson, Fran Walsh, Philippa Boyens (Guillermo del Toro lässt man lieber außen vor) ganz auf Einzelaspekte, die beim Publikum gut ankommen, konzentriert. Peter Jackson zeigt auch diesmal seine Spezialität, die von Fans und Kritikern gerne als „episch“ bezeichnet wird. Landschaftsbilder, rühriger Sound, eindringliche Einstellung auf Mimik und Gestik (die aber dank der Schauspieler diesmal weniger ausladend ausfällt). Wer glaubt, die Längen lägen daran, dass ein im englischen Original knapp 270 Seiten starkes Buch nicht leicht auf drei Spielfilme zu bringen ist, denke an Teil 2 und 3 der Ringe-Trilogie, deren „epische Länge“ wenig mit der Zahl der Buchseiten zu tun hatte.

Nun bietet schon der erste Hobbit-Teil ganze 170 Minuten Laufzeit. Gut ein Drittel der Vorlage wurde verarbeitet sowie mit anderen Tolkienschen Sujets und eigenen Kreationen aufgepeppt. Das Ergebnis wirkt unentschlossen und unausgewogen. Auf der Leinwand werden die inneren und äußeren Feinde überwunden, die Zuschauer kämpfen gegen Langeweile. In Der Herr der Ringe waren die Kampfszenen gelungen und spannungsgeladen, in Der Hobbit fallen sie enttäuschend aus. Die meiste Zeit vergeht nicht, weil etwas passiert, sondern weil man hofft, dass endlich etwas passiert.

Auch die Darsteller dürften ihre Schwierigkeiten gehabt haben. Nicht, dass ihre Performance schlecht wäre, aber zum einen fehlt handfestem Schauspiel der Raum (der gehört der Technik) und zum anderen fehlt es den Figuren an Glaubwürdigkeit. Martin Freeman und Richard Armitage brauchen etwas Anlauf und verweigern sich erfreulicherweise bedeutungsschwangere Gesichter aufzusetzen. Vielleicht sträubt sich Armitage auch einfach dagegen nur ein billiger Abklatsch von Aragorn zu sein. Der Moment, wo Gollum (Andy Serkis) auftritt, ist eine regelrechte Wohltat. Endlich ein Charakter! Bezeichnend genug …

Da hilft auch die brillante Technik nichts. Der Einsatz von kleinen und damit sehr mobilen (das merkt man etwas zu oft), hochauflösenden 3D-Kameras und der High Frame Rate bringt statt den 24 eine Bildrate von 48 Frames in der Sekunde und derart scharfe Bilder, dass der Realitätseffekt zum einen an Computerspiele und zum anderen – welch ein Gegensatz – an eine Telenovela denken lässt. Das ist technisch extrem beeindruckend, aber erzeugt auch einen nicht unlustigen Widerspruch. Die optische Qualität gaukelt Wirklichkeit vor, zugleich sehen wir aber Dinge, die beim besten Willen nicht als wirklich empfunden werden, zum Beispiel Orks und dergleichen seltsame Gestalten. Würde der Rest funktionieren, wäre das auch nicht weiter auffällig, denn der technische Ah-Effekt verpufft und das Auge hat sich bald auf die neue Erfahrung eingestellt.

So ist Der Hobbit leider keine unerwartete Reise. Er führt die Machart der Ringe-Trilogie fort, verdoppelt den technischen Einsatz, will lustiger sein. Die Fans der Verfilmungen werden ihre Freude haben, denn besser ein mittelmäßiger Jackson-Tolkien als gar keiner. Für ihre Unterhaltung ist gesorgt. Für jene, welche die Bücher lieben, ist die Enttäuschung inkludiert. Denn unter Drehbuch und Inszenierung von Jackson & Co. werden liebenswürdige Figuren zu Klischees, Witz zu Blödelei, Abenteurer zu Haudegen, Heldenmut und Mannestreue zu abgeschmackten Gesten. Wenngleich, es könnte noch schlimmer sein. Aber: Zwei Versuche gibt es noch.

Regie: Peter Jackson, Drehbuch: Fran Walsh, Philippa Boyens, Peter Jackson, Guillermo del Toro, Darsteller: Martin Freeman, Ian McKellen, Richard Armitage, Andy Serkis, Hugo Weaving, Filmlänge: 170 Minuten, Kinostart: 13.12.2012




  • Marco

    Also ich war eigentlich sehr enttäuscht. Jetzt endlich gesehen und war ziemlich gelangweilt von dieser 3 Stunden Sightseeing Wanderung durch Neuseeland. Zugegeben, ist sicher ein schönes Land, aber da kann ich mir auch eine Doku drüber anschauen und die bietet mehr Spannung.
    Ja und dann wären da auch noch diese überaus schlechten Dialoge, kein Wunder, dass die schauspielerischen Leistungen großteils so schlecht waren.

    Ein paar nette Sequenzen hat es zwar gegeben, aber die meisten Actionszenen waren sowohl schlecht (weil langweilig und spannungsarm) inszeniert, als auch oft frei von jeder Sinnhaftigkeit (die Verfolgungsjagd zwischen Wargs und Kaninchen!?)
    Im Grunde eine 3 Stunden Exposition, in der fast nichts passiert und die man ohne weiteres auf eine halbe Stunde hätte kürzen müssen.