[empfindungsfæhig] (c) 2026, Reda El Arbi, lectorbooks(2)

[empfindungsfæhig]

In [empfindungsfæhig] entwirft Reda El Arbi eine überaus plausible Zukunft und erzählt gleichzeitig einen spannenden Cyberpunk-Krimi, der bis zum Ende fesselt.

Eine Welt der KIs

Im Jahr 2082 wird der zivilisierte Teil der Welt von KIs regiert. Die Gesellschaft teilt sich in reiche und mächtige Konzerne auf der einen Seite. Und unabhängige, mittellose Bewohner von Slums auf der anderen Seite. Dort ermittelt Lea Walker und hält sich mit kleinen Jobs über Wasser. Ein ehemaliger Junkie und in ständiger Begleitung ihrer intelligenten Armprothese Cali versucht sie über die Runden zu kommen und die Agentur, die sie von ihrer Mutter übernommen hat, am Laufen zu halten. Eines Tages steht ein alter Freund ihrer Mutter vor der Tür. Der Ermittler Meyr soll die Ermordung einer kanadischen Coderin und einen Anschlag auf eine RegierungsKI klären. Dazu braucht er Walkers Hilfe. Der Anfang einer atemlosen Jagd nach dem Täter.

Mit [empfindungsfæhig] gelingt Reda El Arbi eine überaus glaubwürdige Zukunftsvision und kombiniert das Ganze mit einer spannenden Kriminalgeschichte. Der Sci-Fi Aspekt ist somit in erster Linie das Setting der Handlung, das Drumherum, die Atmosphäre. Die Welt, in die er seine Figuren wirft. Der Inhalt ist dabei vorwiegend ein Krimi, der Stil typisch hard boiled. Damit erreicht er potenziell gleich zwei große Lesergruppen. Denn [empfindungsfæhig] ist sowohl für Sci-Fi Fans, als auch für Fans des gut durchdachten Krimis eine von Anfang bis Ende unterhaltsame Lektüre. Aber nicht nur das, der Autor packt natürlich auch eine ordentliche Portion Gesellschaftskritik in seinen Roman hinein. Er zeigt, wo sich unsere Welt hin bewegt, eine mögliche Zukunft, die irgendwie überaus real erscheint.

Der Knall klingelte in ihren Ohren, und der Einschlag hatte ihr den Atem aus den Lungen getrieben. Der Großteil der Ladung steckte in ihrer Weste, aber sie spürte einige der gemeinen kleinen Schrotkugeln in ihrem rechten Oberarm und im Nacken. Sie fluchte, drehte sich auf den Rücken und feuerte blind zwei Schüsse durch die dunkle Türöffnung, dann zwei weitere durch die Wand neben der Tür. Ein dumpfer Aufschrei und das Scheppern von Metall auf Beton teilten ihr einen Treffer mit.

Dabei tappt Reda El Arbi nie in die Falle des simplen Infodumpings. Alles ergibt sich organisch aus der Welt, der Figuren und ihren Geschichten. Man bekommt als Leser ein eindrucksvolles Bild einer technisch zwar hochentwickelten, aber menschlich teils durchaus verarmten Gesellschaft geboten. Einmal mehr zeigt sich mit [empfindungsfæhig] was für großartige Sci-Fi und Kriminalliteratur es abseits des Mainstreams gibt und wie sehr es sich lohnt, über den gewohnten Tellerrand zu blicken. Ja, es gibt mehr als genug originelle und spannende Literatur außerhalb der großen Verlagshäuser. Reda El Arbis Roman (auch trotz des etwas sperrigen Titels) hätte sich die Aufmerksamkeit einer großen Leserschaft jedenfalls mehr als verdient. Ein spannendes Debüt von einem spannenden Autor, man darf neugierig sein, was da noch kommt. Unbedingt im Auge behalten.

[empfindungsfæhig] von Reda El Arbi, 432 Seiten, erschienen bei lectorbooks.

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[empfindungsfæhig] (c) 2026, Reda El Arbi, lectorbooks




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