Das Vermächtnis (c) 2026 John Grisham, Heyne(2)

Das Vermächtnis

John Grisham wird nicht müde und veröffentlicht auch mit 71 Jahren weiterhin 1–2 Romane pro Jahr. Das neueste Werk heißt Das Vermächtnis. Es ist nicht sein bester – aber auch bei weitem nicht sein schwächster Roman.

Die lustige Witwe

Eleanor Barnett ist Witwe, 85, und auch wenn sie sich nicht gern mit dem Sterben befassen will, wird ihr klar – es ist Zeit für ein Testament. Sie landet in der Kanzlei des kleinen Anwalt Simon Latch. Der ist Anfang 40, und sein Leben steht in Trümmern: die Ehe zerrüttet, die Kinder entfremdet, kaum noch Geld auf dem Konto.

„Wir waren jünger und hatten ein aktiveres Liebesleben, wenn Sie wissen, was ich meine.“
Simon wusste genau, was sie meinte, hatte jedoch kein Bedürfnis, mehr darüber zu erfahren.

Mit Eleanor riecht er die Chance auf finanzielle Verbesserung, denn die kinderlose Witwe behauptet ein Erbe jenseits der 10 Millionen Dollar zu haben – und weiß nicht, was sie damit machen soll. Simon versucht sie bestmöglich zu beraten, und gleichzeitig auch das Beste für sich selbst herauszuholen. Doch mehr und mehr tauchen Zweifel an Eleanors angeblichem Reichtum auf. Und als die kauzige Dame plötzlich stirbt, fangen Simons Probleme erst so richtig an.

Grisham in sicherem Fahrwasser

Oft ist die Hauptfrage bei einem neuen Grisham-Roman: Ist er so gut, wie seine großen Werke. Und meist ist die ernüchternde Antwort: Nein, nicht ganz so gut. Aber – es ist und bleibt erstaunlich mit welchem Arbeitseinsatz der Mann regelmäßig absolut solide Arbeit abliefert.

Was für eine Verschwendung. Von Zeit, Geld, Gefühlen, Leben. Was für sinnloses Leiden. Es gab so viel zu sagen, doch er hatte keine Kraft dafür.

Im Falle von Das Vermächtnis stehen die Zeichen zuerst mal sehr gut. Grisham zelebriert mit Genuss und hintersinnigem Humor die moralische Grauzone, in der sich seine Figuren bewegen und dabei ein Intrigennetz spannen. Das ist hochunterhaltsam und stilvoll erzählt, wie eh und je. In der zweiten Hälfte sind wir dann beim klassischen Grisham-Gerichtskrimi angekommen. Auch das erzählt er gekonnt und meisterhaft spannend. Bloß die Auflösung bleibt dann ein wenig enttäuschend, weil sie kaum vorbereitet wird.

Das kann das Gesamtniveau dann eben leicht nach unten ziehen. Sehr spannende, flüssige und genussvoll geschriebene Prosa bleibt Das Vermächtnis trotzdem. Ein solides Mittelklasse-Werk, mit dem man aber durchaus schöne Stunden verbringen kann. Und solange der Mann so einen Output weiter betreibt, können wir froh sein. Vielleicht ist es beim nächsten Mal ja sogar wieder ein Meisterwerk.

Das Vermächtnis von John Grisham, 478 Seiten, erschienen im Heyne Verlag.

Das Vermächtnis

Das Vermächtnis (c) 2026 John Grisham, Heyne




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