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Jet Set Radio

Die Dreamcast war Segas letzte Konsole für den Privatgebrauch – trotz des vielleicht revolutionärsten Line-Ups aller Zeiten konnte man sich mit Krachern wie „Shenmue“, dem ersten „Soul Calibur“ und „Jet Set Radio“ nicht gegen die wenig später gelaunchte PS2 durchsetzen… 

Letzteres kommt, ganz dem Trend folgend, in einer „HD“-Variante auf Xbox und PS3 jetzt noch einmal ins Rampenlicht.Von Smilebit im Jahr 2000 veröffentlicht, war „Jet Set Radio“ weit mehr als nur ein „Tony Hawk“ mit Graffiti-Möglichkeit – auch wenn der Titel heute zumindest bei jüngeren Gamern keine Erinnerungen hervorrufen wird, ist der damalige Dreamcast-Exklusiv-Titel wegweisend für zukünftige Spiele gewesen. Das Potential wurde schon damals erkannt, das Feedback war durch die Bank überwiegend positiv, was hauptsächlich dem eigenen Stil und eingängigen Soundtrack zu verdanken war.

Für alle PS2-Anhänger und jüngeren Jahrgänge sei die Geschichte und das Gameplay kurz erklärt: „Jet Set Radio“ spielt in einer fiktionalen Version von Tokyo („Tokyo-to“). Als Mitglied einer Graffiti-Gang geht es nicht nur darum, andere Gangs zu übertrumpfen, indem man deren Tags übersprayt, sondern auch darum, sich gegen die brutale Polizei, die nicht vor Übergriffen auf die gänzlich unbewaffneten Sprayer zurückschreckt, und deren Anführer Captain Onishima durchzusetzen. Die Graffitis werden entweder schnell im Vorbeifahren mit dem Trigger oder für größere Exemplare mit einigen mehr oder weniger schwierigen Button-Combos angebracht.

Während das Gameplay zwar überzeugen kann, aber vor allem für heutige Standards nichts Außergewöhnliches ist und unter einer verbesserungswürdig umgesetzten Steuerung leidet (angesichts der Ähnlichkeit von Dreamcast- und Xbox-Controller doch verwunderlich), ist es zweifelsohne das Artwork, das „Jet Set Radio“ glänzen lässt – und zwar nicht nur damals, sondern auch heute.

Natürlich ist Cel-Shading mittlerweile nichts mehr Neues, aber es war Smilebits Titel, der den Hype rund um die Technik ausgelöst hat, die zahllose Nachahmer über die Jahre gefunden hat – und ein Blick auf die neue Variante macht ersichtlich, warum: der Cartoon-ähnliche Effekt und die knallbunten Farb-Kombinationen sorgen für eine einzigartige Atmosphäre – anstatt an dieser Stelle davon zu sprechen, dass der Titel „gut gealtert“ sei, muss man Segas Werk attestieren, dass man es durchaus auch für einen aktuellen Titel halten könnte.

Unterstützt wird das visuelle Spektakel von einem der originellsten und flottesten Soundtracks in der Videospiel-Geschichte, der zum Glück nur drei Tracks aus lizenzrechtlichen Gründen nicht in die HD-Version übernehmen durfte und sonst komplett erhalten blieb. Hideki Naganumas Mix aus J-Pop, Rock, Trip Hop, Acid Jazz, EDM und noch ein paar anderen Genres, die man bei genauem Hinhören sicher erkennen könnte, wirkt verrückt, hart, aber stets fröhlich und schafft es vor allem, die visuelle Ebene perfekt zu unterstützen.

Das HD-Remake von „Jet Set Radio“ zeigt, dass sich ein eigener, konsequent umgesetzter Stil, der das Gameplay zwar nicht in den Hintergrund stellt, aber erkennen lässt, dass es sich nicht nur um ein Spiel, sondern ein richtiges Kunstwerk handelt, auch Jahre nach dem ursprünglichen Release bezahlt machen kann. Die Story ist trotz ihrer einfachen Fassade eine klare Absage an Macht-missbrauchende, totalitäre Systeme und regt vor allem die nach 12 Jahren wiederkehrenden Spieler zum Nachdenken an. Das Gameplay kann zwar nicht mehr genauso wie im Jahr 2000 überzeugen, wobei vor allem Steuerung und Kamera zu wünschen übrig lassen, aber das mindert das Spektakel, das „Jet Set Radio“ nach wie vor ist, nur geringfügig.

Plattform: Xbox 360 (Version getestet), PS3, PC, Altersfreigabe (PEGI): 12, Spieler: 1, Erscheinungsdatum: 19.09.2012