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Abzu

5
Adventure

Als eine Mischung der beiden Indie-Lieblinge Flower und Journey könnte man Abzû, das Erstlingswerk der Entwickler von Giant Squid, schnell mal bezeichnen. Der Eindruck kann jedoch täuschen.

Sowohl Komponist, Art-Director als auch der Lead Designer des bezaubernd-melancholischen Adventures Journey sind direkt an der Entwicklung von Abzû beteiligt, was die größtenteils ähnliche Konzeption des Titels erklären mag. Der Titel („ab“ für Ozean und „zu“ für „etwas wissen“) soll übrigens als „Ozean der Weisheit“ bzw. als mesopotamische Bezeichnung für das religiöse Konzept eines vorzeitlichen Sees zu interpretieren sein.

Bei Abzû handelt es sich zudem ebenfalls um ein Adventure, auf dem der Spieler eine fantastische Welt zu erkunden hat, von Anfang an auf sich alleine gestellt ist, keine wirklich konkrete spielerische Anleitung im Vorfeld erhält und der künstlerische Stil der Präsentation ein Alleinstellungsmerkmal darstellen soll. Darüber hinaus sind auch hier keine Dialoge vorzufinden und ein bewusst mysteriöses Setting, welches gleichermaßen farbenfroh wie ungewöhnlich erscheinen soll, zieht den Spieler zusammen mit der geheimnisvollen Story schnell in seinen Bann.

Während Flower vorwiegend satte Landschaften voll grüner Wiesen (oder zu begrünenden Ebenen) wortwörtlich aus der Luft präsentierte und Journey zumindest über weite Strecken hinweg gekonnt Wüsten mit spielerischer Leichtigkeit hervorragend in Szene setzte, bringt nun Abzû die logische Konsequenz, um sich keine Wiederholung bekannter Mittel zu leisten. Eine Art Unterwasser-Simulation findet der Spieler vor, deren Farbenpracht den inoffiziellen Vorgänger in nichts nachsteht.

Zahlreiche Pflanzen, Kleintiere, Muscheln und natürlich Fische zieren die atemberaubende Unterwasserwelt, die der namenlose Spieler als Taucher ohne notwendige Sauerstoffzufuhr erkunden kann. Merkwürdig anmutende Bauten, Höhlen und Korallenriffe sind dabei ebenso enthalten wie das eine oder andere Schalterrätsel, das den Fortschritt zumindest kurzfristig bremst. Wenngleich die Intention auf dem Erforschen der Umgebung liegt, so stellt sich der Spielverlauf als recht geradlinig dar: Überraschend stark begrenzte Areale gilt es auf der Suche nach dem notwendigen Ausgang zum nächsten Abschnitt zu durchsuchen, lediglich die unterschiedlichen Fischarten stellen oftmals die größte Abwechslung abseits der Farbgebung dar.

An den größeren Exemplaren kann man sich per Knopfdruck anhalten und sich mal mehr, mal weniger elegant bzw. schnell an einen entfernteren Ort transportieren lassen, angesichts der Willkür bei der Steuerung nimmt man schnell Abstand davon und schwimmt dann doch selbst. Nach einer kurzen Eingewöhungsphase ist die Vier-Tasten-Steuerung (Schwimmen, Boost, an Fischen festhalten, Kommunikation) zu beherrschen, eine Ausweitung dahingehend findet nicht mehr statt.

Und so schwimmt man durch die acht Kapitel nach dem großteils gleich ablaufenden Schema, welches jedoch sowohl Substanz wie Aha-Effekt eines Journey oder Flower vermissen lässt. Sicher: Auch in Abzû finden sich Momente, die zum Staunen einladen – sowohl rein über die prächtige Gestaltung des Spielgeschehens als auch durch die nonverbale Erzählweise der Handlung. Allerdings sind diese rar, weswegen auch der Gesamteindruck nach der knapp zweistündigen Spielzeit eher negativ bis belanglos ausfällt.

Abzû will als Mix von Flower und Journey an die Erfolge der beiden Titel als Unterwasser-Pendant anknüpfen, was zumindest von der Idee ausgehend ein gutes Konzept darstellen würde. Eine bewusst mysteriöse, nonverbale Erzählung zusammen mit einer farbenfrohen Präsentation und fertig ist der neue Indie-Hit für Fans der „Vorgänger“. Leider geht Abzû schon nach den einleitenden Minuten schnell die Luft aus und Monotonie macht sich inmitten der prächtigen Meereslandschaft breit. Die lineare Spielgestaltung mitsamt der banalen Schalterrätsel korreliert mit der scheinbaren Unendlichkeit der Unterwasserwelt weniger gut und auch die für den Spieler bewusst interpretativ gehaltene Geschichte kann am Ende kaum Begeisterung hervorrufen. Wer ganz dringend Erfrischung in virtuellen Gewässern sucht, kann aber eine Blick riskieren.

Plattform: PS4 (Version getestet), PC, Spieler: 1, Altersfreigabe (PEGI): 7, Release: 02.08.2016, abzugame.com