Beyond-Two-Souls-©-2013-Sony,-Quantic-Dream-(10)

Beyond: Two Souls

Finden wir uns damit ab: Das französische Studio Quantic Dream hat seine ganz persönliche Methode um Spiele zu machen. Fahrenheit und Heavy Rain waren beides lineare, cineastische Werke, die beinahe mehr Film als Spiel zu sein versuchten und trotzdem bis heute als besonders in Erinnerung bleiben.

Wer also bereits in der Vergangenheit nichts mit diesem Ansatz anfangen konnte, der wird auch diesmal seine Meinung nicht ändern. Beyond: Two Souls verfolgt dieselbe Linie, man weiß also schon sehr genau, was man erwarten kann. Protagonistin ist diesmal Jodie Holmes, eine junge Frau, deren Schicksal ganz wörtlich mit dem einer körperlosen Entität (sprich: Geist) namens Aiden verknüpft ist. In zeitlich wild durcheinander gewürfelten Sequenzen gilt es ihr ganzes Leben zu durchspielen. Von ihren Eltern verstoßen, im Labor für Experimente missbraucht und der CIA entflohen: An abwechslungsreichen Szenarien fehlt es nicht.


Neu ist die Möglichkeit, jederzeit per Knopfdruck die Kontrolle über Aiden zu übernehmen und durch die detaillierten Umgebungen zu fliegen, um geisterhaften Schrecken zu verbreiten. Türen wollen aufgebrochen, Wachen kontrolliert oder Wunden geheilt werden. Insgesamt fühlt sich das Werk dadurch etwas interaktiver an als seine Vorgänger. Eine schöne Neuerung ist der Umstand, dass beide Protagonisten auf zwei Spieler aufgeteilt werden können – wer also das Erlebnis teilen möchte hat es sehr einfach. Selbst Accessibility wurde bedacht und so kann als Controlpad jedes Smartphone (!) herhalten.

Die Geschichte besteht vom Format her aus mehreren Episoden. Manche davon werden vollständig in einem Rutsch aufgerollt, während andere wiederum fragmentiert quer durch den Spielverlauf gestreut werden. Nicht immer funktioniert diese Erzählweise einwandfrei und wirklich Beine findet das Spiel eigentlich nur in einer handvoll größerer Episoden. Das Problem ist, dass Beyond: Two Souls die Virtuosität missen lässt, mit der Titel wie Heavy Rain ihre zahlreichen Charaktere nicht nur mit famoser Technik zum Leben erweckt, sondern auch durch ein solides Script. Neben Jodie selbst gibt es eigentlich kaum Charaktere im Spiel, die mehr als zwei Dimensionen aufzuweisen haben – größere Rollen kommen aufgrund der Zerstückelung ihrer Handlungsstränge oberflächlich rüber und nur ganz selten spürt man die Magie, mit der Heavy Rain so randvoll gefüllt war.

Tragischerweise ist Beyond: Two Souls dafür auf der technischen Ebene einfach nur überwältigend und setzt unbestreitbar der derzeitigen Generation die Krone auf. Selbst wenn sich das Auge an die Qualität der Grafik gewöhnt hat, geht der Titel immer wieder den einen Extra-Schritt, der den Spieler ungläubig auf den Bildschirm starren lässt. Gesichter, die zum Täuschen echt wirken und vielschichtige, glaubhafte Darbietungen der Schauspielerin Ellen Page sind es, die David Cages Produktion auszeichnen. Die Story lebt nicht von großen Plottwists, sondern von den kleinen, persönlichen Momenten einer heranwachsenden Frau und bietet so immerhin ein wenig Reife, die man sonst im Medium so schmerzlich vermisst.

In manchen Belangen gelingt es Beyond: Two Souls nicht ganz an die hohe Messlatte des Vorgängers heranzureichen. Was geboten wird ist die Geschichte eines gut geschriebenen und gespielten Mädchens, das ohne Klischees durch alle Lebensphasen wandert und auf dem Weg doch hier und da für einprägsame Erlebnisse sorgt. Der Titel versucht sehr stark ein großer Hollywood-Blockbuster zu sein, schafft es am Ende aber doch nur zur unterhaltsamen Fernsehserie – je nach Blickwinkel ist das aber nicht unbedingt das Schlechteste.

Plattform: PS3 (Version getestet), Spieler: 1, Altersfreigabe (PEGI): 16, Release: 09.10.2013,
www.beyond-two-souls.com