Voll im Leben (c) 1952, 2018 John Fante, Maro Verlag(2)

Voll im Leben

Nach den absurden Abenteuern eines Privatdetektivs und blutrünstigen, gigantischen Killer-Gottesanbeterinnen, widmen wir uns diesmal einer komplett bodenständigen Geschichte. Dem großartigen Roman Voll im Leben von John Fante.

Es war ein Theaterschrei, Barbara Stanwyck in der Gewalt eines Räubers, und er zerrte an meinen Nerven wie die Finger eines Giganten.

John Fante ist ein junger und erfolgreicher Drehbuchautor. Endlich hat er es geschafft und verdient genug Geld, um sich und seiner schwangeren Frau Joyce den Traum vom eigenen Haus zu erfüllen. Doch dann bricht ihnen wahrhaftig der Boden unter den Füßen weg. Nein, ehrlich, Termiten haben das Haus so zerstört, dass Joyce eines Tages in der Küche durchbricht und im Boden steckt. Ganz klar, ein geschickter Handwerker muss her. Da denkt John an seinen starrsinnigen Vater Nick und holt ihn zu sich, damit er kostengünstig das Haus repariert. Doch der Vater hat schnell andere Pläne und möchte das Haus für seinen kommenden Enkel komplett umbauen. Zwei aufbrausende Sturschädel geraten aneinander.

Bis zum Studio dauerte es durch dichten Innenstadtverkehr zwanzig Minuten, aber ich war froh über das Fauchen der Autos und Hupen der Busse. Das war der Pulsschlag unserer Zeit.

John Fante ist bei uns leider ein weniger bekannter Autor, dabei war er so ziemlich das größte Vorbild von Charles Bukowski – und wenn man Bukowski kennt und Fante liest, sieht man da durchaus die Einflüsse. Fante war Frauen und Alkohol zugetan und war jemand, der sein Leben in vollen Zügen genoss. Aber im Gegensatz zu seinem literarischen Jünger erscheint Fante als ein weitaus optimistischer, lebensbejahender und humorvoller, man möchte auch fast sagen “umgänglicher” Autor. Er schreibt mit einer unglaublich beeindruckenden Leichtigkeit über alltägliche Dinge und schafft es damit Spannung zu erzeugen, wechselt spielerisch einfach zwischen absurdem, witzigem und tragischem. Alles gehört für ihn zusammen in den großen Topf des Lebens.

Sein Frühstück ging schnell; es bestand aus einem Glas Weißwein, in dem ein rohes Ei schwamm. Diese Köstlichkeit sah aus wie ein in Essig eingelegtes gelbes Auge. Joyce wurde einmal Zeuge, wie er seinen Leckerbissen hinunterschlang. Das war das erste und einzige Mal, dass ihr morgens übel wurde.

Voll im Leben ist ein wahres Panoptikum menschlicher Gefühle und Probleme verdichtet auf nicht ganz 160 Buchseiten. Fante versteht es schlichtweg auf den Punkt zu kommen, egal ob in der Geschichte oder bei Dialogen. Da gibt es nichts unnötiges oder überlanges, alles ist ganz klar und deutlich und doch steckt da so viel drinnen, dass es sich spannender liest als mancher Thriller. Nicht nur Voll im Leben, sondern John Fante an sich ist eine ganz große Empfehlung. Dieser Autor kann extrem gut schreiben und es macht schlichtweg Spaß ihn zu lesen. Voll im Leben ist ein perfekter Einstieg in sein Schaffen.

Voll im Leben von John Fante, erschienen im Maro Verlag.