Only-God-Forgives-©-2013-Constantin,-Tiberius-Film

Only God Forgives

7
Drama

Mit Drive fing die Zusammenarbeit des Ausnahmeschauspielers Ryan Gosling mit dem Ausnahmeregisseur Nicolas Winding Refn an, die vor zwei Jahren in einem Cannes-Loblied gewürdigt wurde.

Doch eigentlich war die Besetzung des Hauptdarstellers in dieser Form nicht geplant, sondern der Oscar-Nominierte Gosling sprang vielmehr für einen Schauspielerkollegen ein, der kurz vor Drehbeginn ausgefallen war. Umso besser für Refn, denn die Figur des stillen, in sich gekehrten Julian ist perfekt auf Gosling zugeschnitten und es gelingt dem Darsteller erneut mit seiner Präsenz zu punkten.

Die beiden Brüder Billy (Tom Burke) und Julian (Ryan Gosling) leben in einem Rotlichtviertel in Bangkok und sind von Sex, Sünde und Verbrechen umgeben. Sie besitzen einen Kickbox-Club, der als Dreh- und Angelpunkt des Thrillers fungiert. Als Billy, nachdem er eine minderjährige Prostituierte brutal vergewaltigt und danach ermordet hat, dem Racheakt des völlig verzweifelten Vaters zum Opfer fällt, schaltet sich Julians Mutter Crystal (Kristin Scott Thomas) ein, die ihrerseits Rache für Billy fordert. Doch Julian ist keineswegs der geborene Racheengel, dafür sorgt schon ein ganz eigener Charakter, gespielt von Vithaya Pansringarm als Chang.


Die Atmosphäre wird durch das großteils in rötlicher Farbe gehaltene Setting gelungen eingefangen und mit dezenter Musik untermauert. Sowohl die jeweiligen Kapitelenden, als auch das Filmende, hinterlässt durch die singenden Auftritte der Figuren einen verklärten Eindruck. Gepaart mit den gewaltsamen Szenen, die eher pietätlos und wahrlich brutal inszeniert werden, erinnert der Film an die Anfangswerke von Quentin Tarantino, obwohl bei Only God Forgives die Gewalt eher im Hintergrund steht. Dafür rücken der innere Kampf Julians und die Rachegelüste von Crystal und Chang ins Zentrum.

Hervorragend ausgearbeitet sind die Charaktere Julian, Crystal und Chang. Bei Julian spielt sich viel im Kopf ab, weswegen der Zuschauer nie wirklich sicher sein kann, ob eine Szene tatsächlich passiert oder nur in der Gedankenwelt Julians abläuft. Crystal ist als rachesuchende Frau und weniger als besorgte Mutter eingesetzt und lässt ihren hasserfüllten Gefühlen freien Lauf. Chang in seiner übernatürlichen, gottähnlichen Art ist sowieso ein Phänomen, denn er setzt seine Rache subtiler ein und zieht die Taten ohne Augenzwinkern und Gefühlsregungen durch.

Die Gewaltszenen sind mit Sicherheit überspitzt dargestellt und passen in ihrer Brutalität nicht zu Julians Welt, wobei man sich gegen Ende nicht mehr sicher sein kann, welche Werte dem Drogendealer und Kickboxer überhaupt noch wichtig erscheinen. Refn kommt mit diesem Werk nicht wirklich an die Genialität von Drive (zur Kritik) heran, doch die einzigartige Faszination und die düstere Atmosphäre von Only God Forgives sind durchwegs positiv zu erwähnen und einen Filmbesuch wert. Auch die Wahl der Schauspieler überzeugt und die Zusammenarbeit von Gosling und Refn hat ja schon einmal zu einem tollen Erfolg geführt.

Regie & Drehbuch: Nicolas Winding Refn, Darsteller: Ryan Gosling, Kristin Scott Thomas, Vithaya Pansringarm, Tom Burke, Laufzeit: 90 Minuten, Kinostart: 19.07.2013




  • Martina Z

    Spät, aber doch gesehen. Schaut so aus, als wäre Drive ein Ausreißer gewesen und Refn nun wieder in gewohnter Form. Ich fand Only God forgives wieder mal sehr ansprechend eigenwillig und stilistisch herausragend. Nur Ryan Gosling hat mir nicht gefallen, ich hatte das Gefühl, der Film hätte mit einem anderen Darsteller stärker sein können.

    • Chris

      Da schließe ich mich deiner Meinung absolut an – inszenatorisch brillant, überaus eigenwillig und fast frei von erzählerischen Konventionen, bin sehr begeistert – auch weil ich schon seit der Sichtung ein Fan von Valhalla Rising war/bin, der ja unbestreitbare Parallelen aufweist..

    • Marco

      Was soll man dazu sagen? Ich finde ihn ebenfalls fantastisch. War sehr begeistert davon und er hätte sogar noch besser sein können, wenn statt Gosling wer anderer die Hauptrolle gespielt hätte (Fassbender oder Mikkelsen – ich weiß, sie sind schon etwas älter, trotzdem hätten sie mir besser gefallen).
      Aber sonst wirklich, ja, eine Wucht.
      Bronson ist für mich nach wie vor unbestritten sein bestes Werk, aber mit Only God Forgives entfernt er sich von der Richtung, die er mit Drive eingeschlagen hat wieder und nähert sich mehr seinen früheren Filmen an (wobei mir Drive auch wirklich sehr gut gefallen hat!).

    • Martina Z

      Wie wäre es mit einem Artikel zum Thema Only God Forgives-Valhalla Rising? I would enjoy!

    • Marco

      Hm, keine schlechte Idee, vor allem, da der Refn ja gemeint hat, dass Chang eine „Reinkarnation“ von One-Eye ist 😉

    • Martina Z

      Eben, nur derjenige, welcher fühlt sich scheinbar nicht angesprochen.

  • Chris

    Gesangseinlagen? Gewalt nicht im Vordergrund? Also auf das Teil bin ich schon sehr gespannt…

  • Marco

    Also ich bin schon sehr gespannt auf den Film. Werd ihn mir sicher im Kino anschauen. Erwarte mir auch keinen Film wie Drive, wäre langweilig, wenn es wieder sowas wird. Ich finde gerade das Verhältnis der Figuren untereinander so interessant, weniger den Aspekt der Gewalt.