Stacking Doll (c) 2026 Carlton Mellick III, Festa Verlag(2)

Stacking Doll

Willkommen zurück in der wunderbaren Welt des Wahnsinns, aka Prosa von Carlton Mellick III. Dank des Festa Verlags kommt auch das deutschsprachige Publikum seit einigen Jahren in den Genuss von Mellicks Bizzarro Fiction. Mit Stacking Doll veröffentlicht der Verlag bereits die 11. Übersetzung im Sortiment. Und es ist mal wieder so crazy wie wunderbar.

I wanna know what love is

Benjamin ist unheilbar verliebt in Ynaria. An sich eine schöne Sache, die Liebe. Bloß Ynaria ist eine Steckpuppe, eine lebende Matrjoschka. Davon gibt es gar nicht mal so viele auf der Welt, ca. 1% der Bevölkerung. Als die beiden beschließen zu heiraten, reagiert ihr Umfeld entsetzt. Misch-Ehen von Menschen und Matrjoschka sind nicht gerade beliebt. Ynarias Vater ist besonders erzürnt. Er verlangt, dass sich Benjamin einem Matrjoschka-Ritual unterwirft, dem Test.

Benjamin und Ynaria werden in eine voll ausgestattete Unterkunft eingesperrt. Dort soll er nach und nach alle ihrer sieben Schichten kennen und lieben lernen. So lange es auch dauern mag – erst wenn das vollbracht ist, dürfen sie wieder rauskommen und heiraten. Benjamin willigt ein. Dabei sollte er ahnen, dass er keine Ahnung hat, worauf er sich hier einlässt.

Vielschichtige Liebe

Stacking Doll hat mal wieder eine Prämisse, wie sie wohl nur im Kopf von Mellick III entstehen kann. Ohne große Exposition wirft der Autor uns in ein Szenario, das schräger und absurder nicht sein könnte (außer im nächsten Mellick-Roman). Noch bevor wir uns richtig orientieren können, pfeffert er uns die nächsten wilden Ideen um die Ohren.

Heutzutage verbergen viele Matrjoschkas ihre inneren Persönlichkeiten vor ihren Partnern. Sie verstecken ihre inneren Schichten sogar vor sich selbst, als hätten sie Angst davor. Aber mir gefällt der Gedanke, dass du die Leute in meinem Inneren kennenlernst. Ich will, dass du sie genauso liebst wie mich. Genau wie du gesagt hast. Ich hätte das nie von dir erwartet, aber es bedeutet mir so viel, dass du es willst.

Dabei gelingt Mellick in Stacking Doll etwas, das die besten seiner Werke auszeichnet: Er schafft es, seine Gaga-Prämisse zu etwas Größerem zu transzendieren. Neben einer wüsten Geschichte über Sex mit unterschiedlichen Geschöpfen erzählt er uns hier profunde Einsichten über Liebe und Beziehungen. Was bedeutet es eigentlich, alles an einem Menschen zu lieben? Aus dieser Frage entwickelt er starke Metaphern für die Vielschichtigkeit jedes einzelnen Individuums.

An die allergrößten Arbeiten von Mellick III (etwa Quicksand House oder Scorpion Ranch) reicht Stacking Doll nicht ganz heran. Aber es ist mal wieder eine verdammt gute, verdammt witzige und vor allem verdammt liebenswerte Novelle vom Meister der Bizzarro Fiction.

Stacking Doll von Carlton Mellick III, 175 Seiten, erschienen im Festa Verlag.

Stacking Doll

Stacking Doll (c) 2026 Carlton Mellick III, Festa Verlag




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