Die Kinder der Zeit
Die Kinder der Zeit von Adrian Tchaikovsky ist der Auftakt zu seiner großen Sci-Fi Trilogie über den Versuch des Menschen, Gott zu spielen.
Vergessene Kinder
Die Menschheit sucht in den Tiefen des Alls nach einem neuen Zuhause. Warum? Weil sie die Erde vernichtet und unbewohnbar gemacht haben. Sie finden einen neuen, vielversprechenden Planeten und taufen ihn: Eden. Er weist eine lebhafte Ökosphäre auf, ideale Konditionen für die Menschen. Doch was noch niemand weiß, es waren schon früher Menschen auf diesem Planeten. Und diese Menschen haben Eden als großes Versuchslabor benutzt. Sie wollten dort künstliche Evolution vorantreiben. Doch das damalige Experiment ist anders verlaufen als geplant und jetzt treffen die Nachfahren auf jene vergessenen Kinder Edens. Wer von ihnen wird sich als dominante Spezies durchsetzen?
Immer wieder spielt Biologie eine große Rolle im Schaffen von Adrian Tchaikovsky. Sowohl im aktuell erschienenen Der Symbiont als auch in seinem schon etwas älteren Trilogie-Auftakt Die Kinder der Zeit. Kein Wunder, immerhin hat Tchaikovsky unter anderem auch Zoologie studiert. In diesem Roman vollführt er ein spannendes Gedankenexperiment. Was, wenn Evolution nicht den zweibeinigen Primaten auserwählt, sondern eine achtbeinige Spinnenart. Um genau zu sein Portia labiata, eine Springspinne. Denn auf Eden entwickeln sich nicht, wie von den vermessen und überheblich agierenden Menschen erhofft, die Primaten zur vermeintlichen Krone der Schöpfung, sondern jene Spinnenart.
Sie ist acht Millimeter groß, aber in ihrer winzigen Welt ist sie ein Tiger, wild und listenreich. Wie bei allen Spinnen besteht ihr Körper aus zwei Teilen. Im kleinen Unterleib befinden sich die Buchlunge und der Großteil der Gedärme. Der Kopf-Körper wird von zwei riesigen Augen dominiert, die für perfektes Binokularsehen nach vorne ausgerichtet sind; zwei kleine Büschel darüber krönen sie wie ein Paar Hörner.
Dabei erzählt der Roman in wechselnden Perspektiven von Aufstieg und Fall zweier unterschiedlicher Zivilisationen. Inhaltlich berührt er Themen wie künstliche Intelligenz und den Umgang mit dem Fremden. Aber, wie so oft bei ihm, geht es auch um die Einmischung des Menschen in Natur und Tierreich. Eine Einmischung, die mal in Zerstörung und mal in unvorhergesehene Wendungen für die Menschheit mündet. In gewisser Weise bekommt man bei Die Kinder der Zeit das Gefühl, Spinnen wären die besseren Menschen. Und wer weiß, sieht man sich unser Treiben so an, ist das vielleicht gar nicht so weit hergeholt.
Die Kinder der Zeit von Adrian Tchaikovsky, 672 Seiten, erschienen im Heyne Verlag.
